SZ + Radeberg
Merken

Lieferengpässe treffen auch das Rödertal

Das weltweite Lieferketten-Chaos stellt auch den Radeberger Einzelhandel vor Herausforderungen. Wird es in diesem Jahr mit Weihnachtsgeschenken knapp?

Von Rainer Könen
 4 Min.
Teilen
Folgen
Sören Lutze betreibt das Radeberger Spielzeuggeschäft "Spielosseum". Auch dort gibt es bei einigen Spielzeugen schon Engpässe.
Sören Lutze betreibt das Radeberger Spielzeuggeschäft "Spielosseum". Auch dort gibt es bei einigen Spielzeugen schon Engpässe. © René Meinig

Rödertal. In diesen Tagen wünscht sich auch in Radeberg so mancher Einzelhändler magische Kräfte. „Wäre schön, wenn ich zaubern könnte“, erzählt ein in der Stadt ansässiger Fahrradhändler. Ein wenig Abrakadabra und schon wäre sie futsch, die Leere in den Regalen, gäbe es im Geschäft wieder die bei der Kundschaft so gefragten E-Bikes. Aber die Realität sieht leider anders und recht trübe aus.

Denn natürlich kämpft auch der Inhaber des Radgeschäftes mit dem, was das ganze Jahr über schon ein großes Problem für den Einzelhandel war und im nun beginnenden Weihnachtsgeschäft problematisch werden dürfte: den Auswirkungen der weltweiten Lieferengpässe. In seinem Fall: mit fehlenden Fahrradartikeln und Rädern.

„Es staut sich einiges auf den weltweiten Lieferwegen“

Im bevorstehenden Weihnachtsgeschäft dürfte es folglich auch bei etlichen der hiesigen Einzelhändler Lücken in den Regalen geben, kämpfen doch fast alle stationären Einzelhändler in der Republik mit Lieferengpässen. Der Grund: Wichtige Häfen liegen aufgrund der Corona-Krise lahm, Lieferungen werden verschoben, Container sind rar und kosten mehr, Rohstoffe fehlen und werden teurer – all das und mehr belastet längst auch den Händler vor Ort.

Und wenn Konsumgüter gar nicht erst produziert und geliefert werden können, können sie auch nicht verkauft werden. Aus einer Umfrage des Ifo-Instituts geht hervor, dass rund 74 Prozent der deutschen Einzelhändler über Lieferprobleme und Engpässe bei bestimmten Produktgruppen klagen. Vor allem die in Fern-Ost produzierte Spielwaren dürften in diesem Jahr auf dem Gabentisch zur Rarität werden.

Im Radeberger „Spielosseum“ gibt es normalerweise eine Menge Spielzeug für die Kids. Mitinhaberin Sigrid Lutze erzählt, dass sie schon recht zeitig im Jahr Spielsachen geordert habe. Aber sie erklärt auch, dass es bei bestimmten Artikeln Engpässe gebe. „Es staut sich derzeit einiges auf den weltweiten Lieferwegen“, so Sigrid Lutze. Aber sie beruhigt: In ihrem Laden gebe es immer noch genügend Auswahl an Spielwaren fürs anstehende Weihnachtsgeschäft.

Beim Handelsverband Sachsen geht man davon aus, dass sich der Einzelhandel auf zunehmend unberechenbare Transportwege, auf plötzlich auftretende Produktionsengpässe und damit auch auf steigende Beschaffungskosten einstellen muss. Laut Handelsverbands-Geschäftsführer David Tobias könnten insbesondere auch neue Modelle gefragter Produkte knapp werden. Aber das habe man ja schon zu Vor-Corona-Zeiten im Weihnachtsgeschäft erlebt.

Leere Regale sind nicht zu erwarten

Im Radeberger Toom-Baumarkt erfährt man, dass sich der Betrieb schon das ganze Jahr über mit Materialienknappheit herumschlagen muss. Beatrice Friede, die stellvertretende Baumarkt-Leiterin, erzählt, dass das Unternehmen bereits zu Jahresbeginn zahlreiche Produkte geordert habe. Weihnachtsbäume etwa. „Wenn die alle verkauft werden, dann sind sie ausverkauft, dann gibt es keine mehr bei uns“, so Friede.

Mangelware seien derzeit vor allem Zimmertüren und, das hebt sie ebenfalls hervor, es habe in diesem Jahr Monate gegeben, da habe man kaum Holz bekommen können. Wie es weitergehen wird? Schwierig zu sagen, meint sie, auf jeden Fall dürften sich die Lieferprobleme wohl bis weit ins nächste Jahr hinziehen.

Auch in der Elektrobranche sieht es alles andere als rosig aus. Bei Elektro-Klemm, einem Radeberger Fachbetrieb für Elektroinstallationen, gibt es ebenfalls Engpässe, die man aber bisher noch gut habe kompensieren können, so der Geschäftsführer Hartmut Klemm.

Bei allen Problemen, mit denen der hiesige Einzelhandel derzeit zu kämpfen hat, versucht der Handelsverband Sachsen aber sowohl Händler wie Kunden zu beruhigen. Im Hinblick auf das bevorstehende Weihnachtsgeschäft bestehe kein Grund zur Sorge, so Geschäftsführer David Tobias. Die Suche nach einem passenden Weihnachtsgeschenk sei auch in diesem Jahr gesichert. Und: Dass Menschen bei ihrem Weihnachtseinkauf vor leeren Regalen stehen werden, das sei nicht zu erwarten. Allerdings werden sie teurer werden, die Weihnachtsgeschenke. Aber, Weihnachten ist ja auch nur einmal im Jahr.