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Mehr Sicherheit nach tödlichem Unfall gefordert

Nach dem Tod eines Siebenjährigen in Großerkmannsdorf fordern Stadträte Sicherheitsüberprüfungen vor den Schulen. Das ist der Ermittlungsstand.

Achtung, Kinder: Anwohner weisen Autofahrer mit privaten Schildern auf die Grundschule in Großerkmannsdorf hin. Stadträte wollen jetzt weitere Sicherheitsvorkehrungen.
Achtung, Kinder: Anwohner weisen Autofahrer mit privaten Schildern auf die Grundschule in Großerkmannsdorf hin. Stadträte wollen jetzt weitere Sicherheitsvorkehrungen. © Archiv: Marko Förster

Radeberg. In Großerkmannsdorf ist die Betroffenheit immer noch spürbar: Am Freitag, dem 24. September, war ein siebenjähriger Junge von einem Sattelschlepper erfasst und schwer verletzt worden. Rettungskräfte begannen noch vor Ort mit der Reanimation und brachten das Kind in ein Krankenhaus. Dort erlag der Junge wenig später seinen Verletzungen. Der Unfall ereignete sich auf der Alten Hauptstraße in unmittelbarer Nähe der Evangelischen Grundschule.

Nach Angaben der Polizei sind die Untersuchungen zur Ursache noch nicht abgeschlossen. „Wer den Unfall verursacht hat, kann momentan noch nicht gesagt werden. Hierzu stehen die Ergebnisse eines Gutachtens noch aus“, teilt Anja Leuschner, Sprecherin der Polizeidirektion Görlitz, mit. In einem Punkt sind sich die Beamten sicher: Ein technischer Defekt an dem Fahrrad des Jungen, etwa an den Bremsen, kann als Unfallursache ausgeschlossen werden. „Das Rad befand sich nach aktuellen Erkenntnissen in einem ordnungsgemäßen Zustand“, sagt die Polizeisprecherin.

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Stadträte gedenken Unfallopfer

Bei Einwohnern von Großerkmannsdorf und Radeberg ist die Trauer groß. So gab es auf der jüngsten Sitzung des Stadtrates eine Schweigeminute. Stadträte, Mitarbeiter der Verwaltung und die Besucher erhoben sich von den Plätzen und gedachten des verunglückten Jungen und seiner Angehörigen. Den Vorschlag dazu hatte Dirk Hantschmann (Freie Wähler) gemacht. Er rief die Verwaltung auch auf, die Sicherheitsvorkehrungen vor allen Schulen in der Stadt zu überprüfen. „Wir müssen schauen, ob sich noch etwas verbessern lässt. Vielleicht ist es an einigen Stellen angebracht, Geländer aufzustellen. Kinder könnten so abgehalten werden, unvermittelt die Straße zu betreten. Eventuell hätte auch ein Geländer den Unfall in Großerkmannsdorf verhindern können“, sagte er.

Nach Einschätzung von Roland Schmidt (Freie Wähler) aus Großerkmannsdorf geht von der Verkehrsinsel in der Nähe des Unfallortes eher eine Gefahr aus, als dass sie einen Nutzen hat. „Durch die Insel werden die Fahrstreifen stark eingeengt. Lkw sind gezwungen, ganz rechts zu fahren. Bei Traktoren, die noch etwas breiter sind, ist das noch schwieriger. Wer auf den Gehweg nicht genügend Abstand hält, ist gefährdet“, sagte er. Ein Fußgängerüberweg, also ein Zebrastreifen, würde an der Stelle und eventuell auch vor anderen Schulen für mehr Sicherheit sorgen, so seine Einschätzung.

Tempo 30 auf Ortsdurchfahrt gefordert

Laut Radebergs Oberbürgermeister Gerhard Lemm (SPD) gibt es unter Fachleuten unterschiedliche Ansichten zur Sicherheit auf Fußgängerüberwegen. „Sie können ein trügerisches Gefühl von Sicherheit erzeugen. Der Fußgänger läuft los, ohne nach links und rechts zu schauen, und der Autofahrer hat den Zebrastreifen übersehen. Schon kommt es zum Unfall.“

Lemm kann sich vorstellen, zuständige Verkehrsbehörden einzuladen, um das Thema Fußgängerüberweg in Großerkmannsdorf oder anderswo zu diskutieren. Steffi Dauphin (Freie Wähler) schlug vor, als schnelle erste Vorkehrung vor der Schule eine der Tempotafeln anzubringen. Die Stadt verfügt über mehrere solcher Geräte. Auf ihnen wird Autofahrern die Geschwindigkeit angezeigt sowie ein Smiley oder ein Wutgesicht.

Vor Jahren hat der Ortschaftsrat von Großerkmannsdorf gefordert, in der Nähe der Schule eine Fußgängerampel zu installieren. „Das ist leider abgelehnt worden“, sagt Dr. Karl-Wilhelm Leege, Stadtrat und Ortsvorsteher von Großerkmannsdorf. Auch er sieht die Verkehrsinsel kritisch. „Der Windzug eines schnell vorbeifahrenden Lkw ist groß und kann eine Gefahr darstellen.“ Er habe schon beobachtet, dass die Sattelzüge links an der Verkehrsinsel vorbeigefahren sind. Der Ortschaftsrat will sich jetzt dafür einsetzen, dass das Tempolimit von 30 Kilometern pro Stunde auf die gesamte Alte Hauptstraße ausgeweitet wird. Bisher ist die Geschwindigkeit nur auf Teilbereichen reduziert. „Die Straße ist sehr kurvig und schwer zu übersehen. Da ist Tempo 50 zu viel.“

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Für das durchgehende Tempolimit will er sich schon bei einer unabhängig vom Unfall angesetzten Verkehrsschau an der Kreuzung Alte Hauptstraße/Ullersdorfer Straße einsetzen. „Wir werden darauf dringen, dass das umgesetzt wird.“ OB Gerhard Lemm schätzt, dass ein solcher Schritt am schnellsten umzusetzen wäre. „Es ist unbestritten, dass eine geringere Geschwindigkeit die Unfallgefahr vermindert. Außerdem ist die Maßnahme schnell umgesetzt, es müssen nur die entsprechenden Verkehrszeichen aufgestellt werden“, sagt er. Bei der Alten Hauptstraße handelt es sich um eine Kreisstraße, für die das Landratsamt in Bautzen zuständig ist.

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