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Fahrrad-Schrauber händeringend gesucht

Die Branche wächst in der Coronazeit enorm, da wird es auch in den Radwerkstätten personell eng. Auch im Rödertal?

Kirsten Schmidt betreibt das Ottendorfer Zweirad- und Fahrzeughaus „Bike & Fun“. Er freut sich über reichlich Kunden.
Kirsten Schmidt betreibt das Ottendorfer Zweirad- und Fahrzeughaus „Bike & Fun“. Er freut sich über reichlich Kunden. © René Meinig

Radeberg. Kunden beraten, Ersatzteile verkaufen, Räder reparieren. In jedem Frühjahr dasselbe Bild. Die Fahrradwerkstätten sind voller Räder, weil viele ihre Zweiräder durchchecken lassen. In Zeiten wie diesen wünscht sich Falk Degenkolb mehr als zwei Hände. Degenkolb ist Werkstattleiter beim Ottendorfer Zweirad- und Fahrzeughaus „Bike & Fun“. Wenn das Thermometer frühlingshafte Temperaturen anzeigt, herrscht in den hiesigen Radläden Hochbetrieb. Dann steht für die Mitarbeiter im Service und Werkstatt die stressigste Zeit im Jahr an.

Erst recht in dieser Zeit, in der die Fahrradbranche regelrecht boomt. In der aber auch ziemlich deutlich wird, woran es ihr seit längerem mangelt: an Personal, insbesondere an qualifizierten Fahrradmechanikern. Ja, er kenne dieses Problem. Das „viele Radhändler ständig händeringend nach Mitarbeitern“ suchten, so Falk Degenkolb. Gemeinsam mit Inhaber Kirsten Schmidt und einem Mechaniker sorgt er dafür, dass das Geschäft bei Bike & Fun läuft. Dass es in den Radwerkstätten personell vielerorts nicht so gut aussieht, hängt auch damit zusammen, dass die rund 600 Fahrradmechaniker, die jedes Jahr ausgebildet werden, die personelle Lücke bei weitem nicht füllen können. Was nicht verwundert, schließlich suchen alljährlich weit über 5.000 Fahrradhändler in Deutschland qualifiziertes Werkstattpersonal.

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Tausende Stellen unbesetzt

Laut des Verbund Service und Fahrrad sind in der Branche tausende von Stellen unbesetzt. Folglich müssen Fahrradhändler andere Wege gehen, um den personellen Mangel anderweitig zu kompensieren. So arbeiten in etlichen Radwerkstätten Quereinsteiger, die oft auch aus Kfz-Berufen kommen. Eine Lösung sei vielleicht, so ein Mitarbeiter des Radeberger Fahrradgeschäftes „Collos Radsport“, radaffine Auszubildende aus anderen Handwerksberufen für einen Werkstattjob zu begeistern. Allerdings sollte man technisch recht versiert sein, schließlich wird das Reparieren der E-Bikes und Pedelecs zunehmend komplizierter, wie man in dem Radeberger Radsportgeschäft erfährt.

Qualifizierte Radschrauber braucht es in der Tat, wenn man sich die Zuwachszahlen bei den E-Bikes anschaut. So wurden in Deutschland im vergangenen Jahr fast zwei Millionen E-Bikes verkauft. Im Vergleich zu 2019 war das eine Steigerung von über 50 Prozent. Weil die Ausbildung immer anspruchsvoller wird, wurde vor einigen Jahren aus dem Zweiradmechaniker ein Zweiradmechatroniker. André Stübner, der Geschäftsführer des Fahrradfachgeschäftes „TM Tretmühle“ in Weixdorf, berichtet davon, dass „wir bisher genügend Leute für eine Fahrradmechatroniker-Ausbildung gewinnen konnten.“ Man sei so gesehen „personell gut aufgestellt“, so Stübner weiter.

Professionelle Ausbildung gefragt

Der Arbeitsplatz von Oliver Wolf ist rund 80 Quadratmeter groß, seine Werkstatt nimmt die Hälfte seines Geschäftsraumes ein. Wer in Großröhrsdorf ein Rad hat, eines kaufen will oder sein Zweirad wieder fit machen will, steuert in der Regel den örtlichen Rad-Doktor an. So heißt Wolfs kleiner Laden. Angesprochen auf den Fachkräftemangel in seiner Branche, glaubt Wolf, dass dieser mit den wenigen ausgebildeten Fahrradmechatronikern, die Jahr für Jahr auf den Radmarkt kommen, dauerhaft nicht zu lösen sei.

Angesichts der zunehmenden Beliebtheit für E-Bikes und Pedelecs, die ja nur von Spezialisten gewartet werden können, vertritt er die Auffassung, dass es mit dem Beruf des Fahrradmechatronikers womöglich bald vorbei sei. Nicht zuletzt auch, weil sich in der heutigen Zeit kaum noch jemand für dieses Berufsbild interessiere. Ein aussterbendes Handwerk sei das, so der Großröhrsdorfer Wolf. Um mit der Nachfrage nach modernen Bikes Schritt zu halten, müsse sich die Branche modernisieren, vor allem im Werkstattbereich. Davon ist nicht nur der Großröhrsdorfer überzeugt. Oliver Wolf nimmt an, das der klassische Fahrradmechatroniker künftig vom professionellen Motorradschrauber ersetzt werden wird. Irgendwie auch naheliegend, wenn man sich manche E-Bikes betrachtet. Die optisch nicht mehr sehr weit weg sind von einem Motorrad.

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