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Jüngster Friedensrichter tritt Amt an

Jens Schuster aus Radeberg ist 35 Jahre alt. Menschenführung, Mediation und Streitschlichtung sind auch in seinem eigentlichen Beruf gefragt, sagt er.

Von Rainer Könen
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Radeberg hat einen neuen Friedensrichter. Vor wenigen Tagen wurde Jens Schuster vom Amtsgericht Kamenz vereidigt.
Radeberg hat einen neuen Friedensrichter. Vor wenigen Tagen wurde Jens Schuster vom Amtsgericht Kamenz vereidigt. © Marion Doering

Radeberg. Im Leben eines jeden Menschen gibt es immer wieder mal Phasen, in denen man innehält, reflektiert, sich den Fragen nach dem Lebenssinn stellt. Fragen, die sich auch darum drehen, ob und was man der Gesellschaft zurückgeben kann, die einem so manche Gelegenheiten gegeben hat, sich beruflich und persönlich zu entwickeln. An diesem Punkt war vor einiger Zeit der Radeberger Jens Schuster gekommen. Da war in ihm mehr und mehr das Bedürfnis gewachsen, „mich gesellschaftlich stärker zu engagieren“.

Und warum nicht dort, wo man lebt? Sein Zuhause ist Radeberg. Da traf es sich ganz gut, dass ihm in den vergangenen Monaten beim Durchblättern des örtlichen Amtsblattes immer wieder diese Annonce der Stadtverwaltung aufgefallen war: Friedensrichter gesucht. Denn aufgrund des Fortzugs der bisherigen Friedensrichterin Irmgard Böhme war diese Stelle in der Stadt seit mehr als einem Jahr vakant. Schuster, der in Dresden im Landesamt für Schule und Bildung als Schulreferent arbeitet, hatte hin und her überlegt, ob er sich für dieses Amt bewerben sollte. Nach einigem Überlegen stand für ihn fest, dass das Amt des Friedensrichters eines ist, „bei dem ich meine Lebenserfahrungen einbringen kann“. Jüngst wurde er am Amtsgericht Kamenz vereidigt. Dort gab es auch den ein oder anderen Tipp für seine ehrenamtliche Friedensrichter-Tätigkeit.

Referent im Landesschulamt

Der gebürtige Dresdner Schuster wuchs in Radeberg auf. Hier besuchte er die Schule, machte sein Abitur. In Dresden studierte er Informatik und Mathematik auf Lehramt. Nach dem Studium ging er in den Schuldienst, unterrichtete am Gymnasium in Dresden-Striesen, in diesem Jahr wechselte er ins Landesamt für Schule und Bildung und arbeitet in Dresden nun als Schulreferent. „Da habe ich jetzt einen klassischen Nine-to-five-Job“, meint der sportbegeisterte Schuster, der im Volleyball- und Kegelverein aktiv ist, sowie mit seiner Frau regelmäßig eine Dresdner Tanzschule besucht. Und, auch das gehört wohl in diese Phase des Sich-weiter-Entwickelns - seit kurzer Zeit lernt er auch das Klavierspielen. Wie das für Vertreter seiner Generation fast Usus ist, sei er auch „ein totaler IT-Fan“.

Dass es beim Friedensrichteramt ums Zuhören, ums Schlichten geht, darum, den Streitparteien als neutraler Partner zur Seite zu stehen, all das weiß er. Und sonst? „Am Kamenzer Amtsgericht hat man mir geraten, mich mit den erforderlichen Gesetzestexten vertraut zu machen“. Macht er in diesen Tagen. Seine bisherigen Erkenntnisse: „Die sind spannend zu lesen.“ Warum? Weil die so eine eigene Sprachform haben, so Schuster. Das fasziniere ihn. Friedensrichter werden in Radeberg vom Stadtrat für den Zeitraum für fünf Jahre gewählt und vom Vorstand des zuständigen Amtsgerichts bestätigt. Zu den behandelnden Gebieten gehören das Vermögensrecht, Teile des Strafrechts, das Nachbarschaftsrecht und Fragen der Ehr-Verletzungen.

Schuster ist in Radeberg erst der dritte Friedensrichter, der seit der Wende diese Position ausfüllt. Und er ist der bisher jüngste, der in der Stadt dieses Amt ausübt. Was er keinesfalls als Nachteil betrachtet. Der Grund: „Ich habe in meinem Leben ja auch schon einiges erlebt.“ Er ist davon überzeugt, dass sein Alter sicher auch von Vorteil ist, denn „ich bin näher an den jüngeren Generationen dran, kann deren Probleme gut verstehen“. Schuster lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern (12 und 14 Jahre) in Radeberg. Vor drei Jahren war die Familie von Dresden in die Bierstadt gezogen. Hatten sich hier ein Haus gebaut. Die familiären Beziehungen zur Stadt sind da, reichen weit zurück. Er erzählt von seinen Urgroßeltern, die dort eine Gärtnerei hatten.

Seine erste offizielle Sprechstunde, so es denn die pandemische Entwicklung zulässt, wird Jens Schuster am Montag, 17. Januar 2022, von 16 bis 18 Uhr abhalten. Im Fraktionszimmer des Rathauses. Bereitet er sich vor? Nun, derzeit beschäftigt er sich mit Gesetzestexten, ansonsten ist er neugierig, mit welchen Streitigkeiten er konfrontiert werden wird. Fest steht für ihn aber schon jetzt, dass ihm das, was in seinem Job gefragt ist - Menschenführung, Mediation und Streitschlichtung - im Friedensrichter-Amt sicher auch zugutekommen wird. Und sein reichhaltiger Lebens-Erfahrungsschatz dürfte sicher ebenfalls hilfreich sein, um bei den Fällen Lösungen zu finden. Die Sprechstunden finden alle 14 Tage immer montags, jeweils in den ungeraden Kalenderwochen statt.

Terminvereinbarungen über das Ordnungsamt unter der Telefonnummer 03528/450 244 oder 03528/450 249. Wichtig: Bei den Terminen gilt die 3G-Regel.