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Kommt der Fußgänger-Tunnel in Radeberg?

Der Stadtrat hatte sich schon für eine Unterführung unter der Dresdener Straße ausgesprochen. Jetzt steigen die Kosten. Welche zwei Varianten diskutiert werden.

Unter der Brücke am Kaiserhof in Radeberg soll der Fußgängertunnel verlaufen. Er soll beim Neubau der Brücke angelegt werden.
Unter der Brücke am Kaiserhof in Radeberg soll der Fußgängertunnel verlaufen. Er soll beim Neubau der Brücke angelegt werden. © Christian Juppe

Radeberg. Teurer Tunnel oder ärgerlicher Umweg: Hinter den Kulissen wird heftig gerungen, wie Fußgänger und Radfahrer am besten über die Dresdener Straße in Radeberg kommen. Gesucht wird eine Lösung für eine Verbindung zwischen den Parks an der Großen Röder gegenüber dem Kaiserhof.

Für die beste Variante hatte der Stadtrat gestimmt: Beim geplanten Neubau der Brücke Dresdener Straße wird gleich ein Tunnel für Fußgänger und Radfahrer mit angelegt. Spaziergänger und Radler könnten dann bequem am Flussufer von einem Park zum anderen gelangen. Sicher und ohne Umweg und ohne Wartezeiten an einer Ampel. Diese Variante ist allerdings teuer. Rund 760.000 Euro sollte die Stadt nach ersten Berechnungen für die vielleicht 40 Meter lange Unterführung bezahlen.

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Rund eine halbe Million Euro teurer

Jetzt liegen neue Schätzungen vor, die noch deutlich darüber liegen. Nach Angaben von Jürgen Wähnert soll die Stadt jetzt knapp 1,2 Millionen Euro für Planung und Bau der Unterführung bezahlen. Schon bei der ersten Berechnung hatten etliche Stadträte Bauchschmerzen. Wegen der neuen Zahlen sucht die Stadt nach Alternativen. Diskutiert werden offenbar zwei neue Varianten. Erste Möglichkeit: In der Nähe des Kaiserhofs soll eine neue Ampel für Fußgänger eingerichtet werden. Sie wird mit der Kreuzungsampel an der Brauerei synchronisiert, um einen möglichst ungehinderten Verkehrsfluss zu ermöglichen. In der Straßenmitte würde eine Verkehrsinsel angelegt.

Wo genau die Überquerung hinkommt, ist noch unklar. Genau im Kurvenbereich befand sich bereits früher eine Verkehrsinsel. Sie wurde jedoch beseitigt, da Lkw mitunter wegen des engen Kurvenradius drüber fuhren. Nachteile dieser Variante: Fußgänger und Radfahrer müssten den Umweg vom Röderufer hoch zur Straße nehmen. Durch die Synchronisation mit der Ampel an der Brauerei entstehen womöglich lange Wartezeiten, bis die Anlage auf Grün umschaltet. Vorteil: Der Übergang ist sicher und vergleichsweise günstig in der Umsetzung.

Landschaftsarchitekt gegen neue Ampel

Zweite Variante: Fußgänger sollen die bestehende Ampel an der AOK-Filiale nutzen. Hier wäre der Umweg noch weiter, die Verbindung würde wohl kaum genutzt werden. Allerdings: Die Kosten für die Stadt wären sehr gering. Nach Angaben von Jürgen Wähnert werden die Stadträte auf ihrer nächsten Sitzung am 28. Juli über die Varianten diskutieren. „Dazu wird ihnen ein umfangreicher Vergleich vorgelegt“, sagt der Stadtsprecher. Inzwischen hat sich Henning Kuschnig zu Wort gemeldet. Der Landschaftsarchitekt aus Lotzdorf ist Mitglied der Arbeitsgruppe Stadtgrün, die sich um das Grüne Band entlang der Röder kümmert. Er steht einer zusätzlichen Fußgängerquerung skeptisch gegenüber.

„Die Dresdener Straße ist die am stärksten befahrene Straße in der Innenstadt. Jeder Fußgängerverkehr, der nicht über die Straße führt, also wie beim Tunnel unterirdisch erfolgen kann, trägt zur Verkehrssicherheit und -flüssigkeit bei“, teilt er in einem Schreiben an die SZ mit. „Eine Fußgängerampel im Kurvenbereich würde eine dritte und gefährlichere Querung mit erheblichen Wartezeiten bedeuten.“ Er plädiert für die Tunnellösung. „Der Neubau der Brücke bietet die einmalige Chance, die durch die Straße getrennten Teile des Grünen Bandes für den Fußgängerverkehr zu verbinden.“ Durch den Tunnel würde im ansonsten gefährlichen Kurvenbereich eine gefahrlose Unterquerung möglich, so der Landschaftsarchitekt.

Die neue Unterführung würde in erster Linie dem Freizeitverkehr entlang des Grünen Bandes dienen, das als Verbindung zwischen Hüttertal und Seifersdorfer Tal entwickelt wird. Die Ampeln an der AOK und an der Brauerei müssten deshalb bestehen bleiben. „Der neue Röderpark zu beiden Seiten der Dresdener Straße ist der zentrale Baustein in der Stadtmitte“, so Kuschnig. „Eine zweite Chance für die direkte Verbindung wird es in den nächsten 100 Jahren nicht geben. Auch wenn die Kosten für diese einmalige Maßnahme schmerzlich hoch sind, müssen wir die Funktion und den Nutzen für das Grüne Band als Ganzes in die Entscheidung einbeziehen“, lautet seine Aussage.

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