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Rocky Horror trifft Hänsel und Gretel

Die Landesbühnen Sachsen setzen in der neuen Saison auf Kultstücke und Klassiker. Außerdem wird digital, grün und inklusiv Theater gespielt.

Intendant Manuel Schöbel plant mit den Landesbühnen Sachsen eine üppig bestückte Spielzeit.
Intendant Manuel Schöbel plant mit den Landesbühnen Sachsen eine üppig bestückte Spielzeit. © Robert Michael

Von Hannah Küppers

Mit einem Schiller-Zitat starten die Landesbühnen Sachsen in diesem September in die neue Saison: „Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit“. Ein Motto, das mit der Hoffnung verbunden ist, die geplanten 26 Premieren mit möglichst viel Freiheit in der Spielzeit 2021/22 präsentieren zu können. Viele Inszenierungen warten nämlich, nach vielen coronabedingten Verschiebungen, bereits im dritten Anlauf auf ihre Erstaufführung – zum Beispiel die „Rocky Horror Show“. Die Bühnenaustattung ruht seit zwei Jahren im Lager, während die Darsteller ihre Figur halten, wie Intendant Manuel Schöbel mit einem Augenzwinkern erwähnt.

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Auch wenn jahrhundertealte Zitate der neuen Spielzeit ihr Motto geben und altbekannte Werke auf die Landesbühnen in Sachsen kommen, greift das Theater Themen auf, die mitten aus der Gesellschaft und dem Jetzt gegriffen sind. Die Digitalisierung ist nicht zuletzt in der Corona-Zeit ein wichtiges Thema für Kulturschaffende geworden, um dem Publikum trotz der Beschränkungen zum Beispiel durch Online-Streams Zugang zu Aufführungen zu verschaffen. Auch an Podcasts und einem digitalen Adventskalender versuchten sich die Landesbühnen während der Lockdowns. In diesen digitalen Welten, die sich das Theater in den letzten Monaten zum Teil aus Mangel an Alternativen erobert hat, bleibt es aber auch in der kommenden Spielzeit aktiv.

Im Alten Schlachthof wollen die Landesbühnen nach corona-bedingten Verschiebungen nun 2022 das Kultstück "Rocky Horror Show" auf die Bühne bringen.
Im Alten Schlachthof wollen die Landesbühnen nach corona-bedingten Verschiebungen nun 2022 das Kultstück "Rocky Horror Show" auf die Bühne bringen. © Amac Garbe; Freier Fotojournalis

Ein Video-Spiel, ein „interaktives Theater-Game“ steckt gerade in seiner Planungsphase und es wird Tanzworkshops geben, die auf der Video-Plattform TikTok virtuell stattfinden können. Ein weiteres prominentes Thema, das auch die Landesbühnen zur Sprache bringen wollen, ist die Nachhaltigkeit. Nicht nur, dass Intendant Manuel Schöbel sich mit dem neuen Ausstattungsleiter Ralph Zeger jemanden ins Team geholt hat, der ein Spezialist für Nachhaltigkeit im Theaterbetrieb ist und die Landesbühnen auf ihrem Weg zu einem „grünen Theater“ begleiten soll. Es wird auch schon in dieser Saison eine vollkommen emissionsfreie Produktion geben: Das Stück namens „Petty Einweg“, das den Weg einer Pet-Flasche vom Supermarkt bis in den Walmagen verfolgt.

Nussknacker ohne Klischees

Barrierefreiheit ist ein Thema, das vor allem dem künstlerischen Leiter der Tanzcompagnie Wagner Moreira wichtig war. Der Chefchoreograf hat ein Stück mit dem Titel „Difference?“ entworfen, das für alle Menschen gedacht ist, die sich normalerweise selbst als Störfaktor empfinden und nicht ins Theater trauen, weil sie vielleicht während der Aufführung herumlaufen, klatschen oder mitsingen würden. Dieses Projekt wird als eine Koproduktion mit dem Europäischen Zentrum der Künste im Festspielhaus in Hellerau zu sehen sein. Auch in sein Tanztheater des Nussknackers hat Moreira behinderte Menschen einbinden wollen und der Tanzcompagnie Tänzerinnen mit Trisomie 21 hinzugefügt. Moreira wollte die wohlbekannte Geschichte des Nussknackers und dessen Figuren von seinen Klischees befreien und fragt sich, welche Nüsse er mit diesem Konzept wohl knacken wird.

Auch im Festspielhaus Hellerau werden die Landesbühnen in der neuen Saison gastieren.
Auch im Festspielhaus Hellerau werden die Landesbühnen in der neuen Saison gastieren. © PR

Ganz ähnliche Fragen beschäftigen auch die jungen Theater-Fans in der Saison 2021/2022. In drei neuen Werkstätten können Kinder und Jugendliche wöchentlich zusammenkommen und sich im Theaterspielen üben. „Triple A – All Ages and Abilities“ wird ein inklusives Tanzprojekt sein. Bei der Werkstatt „Real Digital“ sind Fragen zwischen Robotern, Handys und Realität die Grundlage für eine neue Stückentwicklung.

Auch Vorstellungen für die kleinen Gäste, die ihre ersten Theatererfahrungen machen dürfen, hat das Figurentheater anzubieten. „Das rote Paket“, eine Erzählung über das Schenken, wird das diesjährige Stück zu Weihnachten sein. Ein ebenfalls für die kleinen Theaterbesucher nie zu oft gespieltes Stück kündigt der Operndirektor Sebastian Ritschel mit der Märchenoper „Hänsel und Gretel“ von Humperdinck an. Ritschel freut sich in seiner letzten Saison in Sachsen, bevor er Intendant am Theater in Regensburg wird, auch noch auf die Erstaufführung von „Der Prozess“. Eine „Corona-Idee“, wie er sagt, die nun anders als in der Inszenierung vor vier Jahren auf die Bühne kommt.

"Lehrreiche Reisen in die Vergangenheit“

Mit den zahlenmäßig meisten Premieren wartet das Schauspiel auf, das insgesamt neun neue Produktionen vorbereitet hat. Bekannte Werke sind dabei wie „Alice im Wunderland“, das im Dresdner Societaetstheater zu sehen sein wird, oder Theodor Fontanes „Effi Briest“. Aber auch das Schauspiel „Atmen“ von Duncan Macmillan steht im Spielplan, in dem sich eine Familie fragt, ob sie in Zeiten des Klimawandels noch die Verantwortung übernehmen möchte, Kinder in die Welt zu setzen. Auch das wieder ein mitten aus der Gegenwart gegriffenes Thema, mit dem die Landesbühnen genauso wie mit „lehrreichen Reisen in die Vergangenheit“ 2021/22 ihr Publikum anregen wollen, wie Intendant Manuel Schöbel verspricht.

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