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Heftige Diskussion um Tunnelprojekt in Radeberg

Der Stadtrat hat entschieden, wie die beiden Parks an der Dresdner Straße verbunden werden sollen. Das Votum fiel denkbar knapp aus.

Fußweg als Tunnel unter der Brücke hindurch anlegen oder per Ampel über die stark befahrene Dresdener Straße leiten? Vor dieser Entscheidung standen die Radeberger Stadträte auf ihrer jüngsten Sitzung.
Fußweg als Tunnel unter der Brücke hindurch anlegen oder per Ampel über die stark befahrene Dresdener Straße leiten? Vor dieser Entscheidung standen die Radeberger Stadträte auf ihrer jüngsten Sitzung. © Christian Juppe

Radeberg. Um diese Entscheidung war keiner zu beneiden: Entweder in der leeren Stadtkasse bis zu zwei Millionen Euro zusammensuchen oder für eine unbefriedigende Lösung stimmen. Eine, die womöglich Jahrzehnte Bestand haben wird. Am Mittwochabend ging es im Stadtrat um das wohl meistdiskutierte Vorhaben in Radeberg, der Verbindung der Parks links und rechts der Dresdner Straße. Tunnel oder Fußgängerüberweg standen zur Auswahl.

Oberbürgermeister Gerhard Lemm (SPD) wies gleich zu Anfang auf das wohl gewichtigste Argument hin, das gegen einen Tunnel spricht: die hohen Kosten. Nach neuen Berechnungen des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) würde er statt 760.000 Euro fast doppelt soviel kosten: 1,4 Millionen Euro. „Um das Geld aufzubringen, müssten wir einen Nachtragshaushalt aufstellen“, sagte der OB.

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Die oberirdische Querung der stark befahrenen Dresdner Straße in der Kurve am Kaiserhof hat aber ebenfalls Nachteile. „Die Kurve ist für Autofahrer schlecht einsehbar. Durch die Kopplung mit der Ampel am Brauereiberg entstehen an dieser Fußgängerampel lange Wartezeiten. Kinder laufen dann, womöglich ohne die Grünphase abzuwarten, über die Straße.“

Und es gab eine dritte Variante: Anstatt in der Kurve eine neue Querung einzurichten, könnte auch die bisherige Ampel an der AOK-Filiale bestehen bleiben.

Fraktionschef Freie Wähler: "Tunnelvariante wird noch teurer"

Detlev Dauphin, Fraktionschef der Freien Wähler, sprach sich gegen die Tunnelvariante aus. „Die Haushaltslage Radebergs hat sich verschlechtert und schon die 1,4 Millionen Euro sind eine zu hohe Summe. Ich prophezeie, dass es dabei nicht bleiben wird. Wegen der stark gestiegenen Baupreise kommen sicher 20 Prozent obendrauf. Dann landen wir bei rund 1,7 Millionen Euro für einen Tunnel, von dem niemand weiß, wie er angenommen wird“, sagte er.

Lutz Schöffl (Die Linke) erklärte, er habe eine kleine Umfrage unter Mitgliedern seiner Partei gemacht. „Von den 15 Befragten haben sich 14 gegen den Tunnel und für die Beibehaltung der Ampel an der AOK ausgesprochen“, sagte er. „Ich glaube, auch die Mehrheit der Radeberger würde so entscheiden.“

CDU-Fraktionschef Frank-Peter Wieth wies auf die finanzielle Situation der Stadt hin. „Die Kassenlage in Radeberg wird künftig nicht mehr so gut sein wie in den vergangenen Jahren. Bund und Land werden ihre Fördermittel für Kommunen kürzen. Wir haben wichtigere Vorhaben wie den Neubau der Grundschule Süd, die viel Geld kosten.“

Gabor Kühnapfel von der Fraktion SPD/Linke/Grüne sah ebenfalls die hohen Kosten, plädierte dennoch für den Bau des Tunnels. „Das ist die sicherste Lösung. Die oberirdische Querung birgt die Gefahr von Unfällen“, sagte er. An der AOK sei der Fußweg so schmal, dass Radfahrer dort kaum entlangkommen würden, so der parteilose Stadtrat. „Mit dem Tunnel schaffen wir eine dauerhaft gute Lösung. Durch die geplante Erneuerung der Brücke Dresdener Straße über die Große Röder haben wir die einmalige Möglichkeit, diesen Tunnel zu errichten.“

CDU-Stadträtin: "Dresdener Straße ist für Fußgänger gefährlich"

Nach seinen Worten soll das Grüne Band entlang der Großen Röder einmal von Wallroda über den Gelbkehain bis ins Seifersdorfer Tal reichen. „Hier an der Dresdener Straße wird es zerschnitten. Das Projekt Grünes Band sollte uns die Investition wert sein.“ Nach den Worten von Jürgen Kindermann hat auch die AfD-Fraktion lange über das Vorhaben diskutiert. „Wir sind einstimmig gegen den Tunnel. Diese Variante ist zu teuer.“

Ingrid Petzold (CDU) warb wiederum für den Tunnel. „Wir haben als Stadtrat für das Grüne Band gestimmt. Mit den oberirdischen Varianten ist ein problemloser Übergang von einem Park zum anderen nicht möglich. Hier wird das Grüne Band unterbrochen. Spaziergänger und Radfahrer werden über eine der am stärksten befahrenen Straßen in Radeberg geschickt. Ich sehe, wie gefährlich es ist, sie zu überqueren“, sagte sie. Spaziergänger und Radfahrer würden nie den Umweg über die Ampel am Brauereiberg oder an der AOK machen. „Entweder sie laufen abseits der Ampeln über die Straße oder sie meiden den Bereich überhaupt. Von einem Grünen Band kann dann keine Rede mehr sein.“

Auch der CDU-Stadtrat Matthias Hänsel warb für den Tunnel. „Das ist eine Entscheidung nicht nur für heute und morgen, sondern auch für künftige Generationen. Wir sollten nicht nur das Geld im Blick haben, auch die Entwicklung der Innenstadt“, sagte er. Die Beibehaltung der Ampelquerung an der AOK lehnte er ab. „Wir müssen etwas tun. Ich bleibe deshalb bei der Tunnelvariante.“

Am Ende konnten sich er und die anderen Tunnelbefürworter nicht durchsetzen. Mehrheitlich stimmten die Stadträte gegen den Tunnel und für die Fußgängerquerung an der AOK. Dafür votierten zwölf Stadträte, neun waren dagegen.

Damit bleibt alles wie bisher. Die Ampel an der AOK bleibt erhalten. Die zusätzliche Querung in der Kurve am Kaiserhof wird es nicht geben. Jetzt kann das Lasuv die Sanierung der Brücke Dresdener Straße weiter im Detail planen. Wann sie saniert wird, ist aber noch unklar.

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