merken
PLUS Radeberg

Neuer Chef bei Radeberger

Ab nächstem Jahr leitet Olaf Plaumann die Geschicke der Brauerei. Ein Anfang in unruhigen Zeiten.

Olaf Plaumann (li.) wird ab kommendem Jahr auf dem Chefsessel bei Radeberger sitzen. Der bisherige Geschäftsführer Axel Frech verabschiedet sich in den Ruhestand.
Olaf Plaumann (li.) wird ab kommendem Jahr auf dem Chefsessel bei Radeberger sitzen. Der bisherige Geschäftsführer Axel Frech verabschiedet sich in den Ruhestand. © Marion Doering

Radeberg. Kaum große Events, weniger Touristen: Corona hat gravierende Auswirkungen auf die Gastrobranche und auf Brauereien. Ausgerechnet in diesen schwierigen Zeiten wechselt die Radeberger Exportbierbrauerei ihren Chef aus. Axel Frech geht, Olaf Plaumann kommt. Eine Folge des Corona-Knicks?

Er wäre gerne noch länger geblieben, räumt Axel Frech selber ein. Aber nein, mit Corona hat der Wechsel nichts zu tun, sagt er. „Ich hätte noch weitergemacht, ich kann mir keine bessere Arbeit vorstellen. Es ist für mich erfüllend, ein Unternehmen wie die Radeberger Exportbierbrauerei leiten zu können. Mit 66 Jahren bin ich allerdings schon in einem Alter, wo andere längst im Ruhestand sind, und irgendwann ist es Zeit, an einen Nachfolger zu übergeben“, sagt er.

Klinik Bavaria Kreischa
Perspektiven Schaffen - Teamgeist (Er-) leben
Perspektiven Schaffen - Teamgeist (Er-) leben

Wir sind die KLINIK BAVARIA Kreischa - eine der führenden medizinischen Rehabilitationseinrichtungen in Ostdeutschland.

Vor 31 Jahren kam Axel Frech in die Exportbierbrauerei. Die Binding-Gruppe hatte die Radeberger Brauerei von der Treuhand gekauft. „Es gab damals viele Bewerber. Binding hatte den Vorteil, dass sie keine eigene Biermarke auf dem deutschen Markt hatte und Radeberger Pilsner somit nicht zum Konkurrenten im eigenen Unternehmen wurde. Außerdem war die Kasse von Bindung gut gefüllt“, erinnert sich Axel Frech. Binding investierte dann auch kräftig. „Es entstand Europas modernste Brauerei. Wir konnten den Absatz um das Fünffache steigern, ein rasanter Erfolg. Wir stiegen zu den bekanntesten Biermarken Deutschlands auf, gewissermaßen in die Bundesliga.“

Begrenzte Besucherzahl bei Festen mindert den Umsatz

Dann der Ritterschlag. 2002 wurde die Binding-Brauereigruppe in Radeberger-Gruppe benannt. „Das hat uns sehr gefreut und war auch eine Anerkennung der Arbeit, die wir hier geleistet haben.“ Natürlich bekam auch die Stadt Radeberg ein gehöriges Stück vom Erfolg ab. „Unser Stadtwappen ist Dank der Brauerei eins der am weitesten verbreiteten in ganz Deutschland. Es ist auf jeder Flasche zu finden. Mehr Marketing geht nicht“, sagt Radebergs Oberbürgermeister Gerhard Lemm (SPD). Und das wird auch so bleiben, sagt Olaf Plaumann. Er übernimmt zum Jahreswechsel den Chefposten bei Radeberger. Auch er kennt das Unternehmen seit Langem.

Geboren in Wuppertal, kam er nach dem Studium im Jahr 1999 an die Dresdener Straße. „Unter anderem leitete ich den Bereich Event/Sponsoring. Derzeit betreue ich den Bereich Gastronomie in Sachsen und Brandenburg.“ Er weiß genauso gut wie sein Noch-Chef um die derzeitigen Schwierigkeiten. „Bei Restaurants lief die Außengastronomie über den Sommer immer besser. Da waren wir als Brauerei sehr zufrieden, Innengastronomie war schwieriger. Uns fehlt aber auch die Nachfrage, beispielsweise in den Hotels oder an den Flughäfen. Da sind wir noch nicht auf dem Vor-Corona-Niveau“, sagt er.

Auch bei den Festen ist die Nachfrage noch nicht wie 2019. „Viele Events finden zwar statt, doch meist mit beschränkter Besucherzahl vor den Bühnen. Das sehen wir jetzt beim Stadtfest in Dresden und das war auch beim Bierstadtfest in Radeberg so. Wir merken das beim Absatz. Für uns bleibt der Aufwand hingegen gleich, egal wie viele Besucher kommen.“

Das Prunkstück der Sammlung historischer Dokumente der Exportbierbrauerei: Die Urkunde von 1797 regelte das Brauwesen der damaligen Zeit. Sie wurde als Leihgabe an das Schloss Klippenstein übergeben.
Das Prunkstück der Sammlung historischer Dokumente der Exportbierbrauerei: Die Urkunde von 1797 regelte das Brauwesen der damaligen Zeit. Sie wurde als Leihgabe an das Schloss Klippenstein übergeben. © Marion Doering

Er und auch Axel Frech sind dennoch zuversichtlich. „Ich rechne damit, dass 2022 wieder ein normales Jahr wird“, sagt der Noch-Geschäftsführer. Darauf vorbereitet sei das Unternehmen. „In den zurückliegenden Monaten wurde in Radeberg viel investiert und es wird weitergehen“, sagt Axel Frech. So hat das Unternehmen im vergangenen Jahr eine neue Abfüllanlage in Betrieb genommen. Im Januar wurden dann erste einzelne große Komponenten per Schwerlasttransport angeliefert. Ein erster Probebetrieb fand im März statt.

Danach wurde die Anlage immer weiter komplettiert, justiert und stufenweise zur Gesamtleistung hochgefahren. Das Besondere an der Anlage: Sie kann mit unterschiedlichen Flaschengrößen, also mit 0,5- und 0,33-Liter-Flaschen umgehen und auch ganz unterschiedliche Kästen befüllen. So sind 24er-, 20er- und 11er-Größen kein Problem. Auch Sixpacks aus Pappkarton werden verarbeitet.

Brauerei-Archiv mit großem Aufwand aufgearbeitet

„Axel Frech überlässt mir ein sehr gut laufendes Unternehmen. Besser geht es nicht“, sagt Olaf Plaumann. Ganz wichtig für alle Radeberger und ihre Gäste: Gemeinsam mit dem Gewerbeverein, mit der Stadt wird das Unternehmen weiterhin das Bierstadtfest veranstalten. „Sollte Corona nichts dagegen haben, findet es 2022 statt“, sagt Olaf Plaumann. Außerdem wird es im Herbst ein zweites großes Event geben. „Wir begehen als Unternehmen unser 150-jähriges Jubiläum, das werden wir mit einem großen Brauereifest feiern. Den genauen Termin werden wir noch festlegen.“

Axel Frech hat sich in den vergangenen Wochen um eine Sache gekümmert, die nur indirekt mit der Produktion und dem Verkauf von Radeberger Pilsner zu tun hat. „Wir haben den Schatz, den unser Unternehmenschronist Ludger Hiller uns hinterlassen hat, aufarbeiten lassen. Er umfasst eine unglaubliche Fülle an wertvollen Dokumenten. Dafür haben wir uns professionelle Hilfe geholt, unter anderem beim Wirtschaftsarchiv in Leipzig. Dort wurden die Schriftstücke säurefrei konserviert und so enkelfest gemacht“, sagt Axel Frech. Das Unternehmen investierte dafür eine sechsstellige Summe. „Das war uns wichtig. Die Brauerei hat eine lange Tradition. Diese Dokumente und Utensilien verweisen darauf.“

Das Prunkstück dieser Sammlung hat die Brauerei an das Museum Schloss Klippenstein übergeben. Es ist eine mehrseitige Urkunde von 1797, die das Brauwesen der damaligen Zeit regelt. Die trägt das Siegel von Kurfürst Friedrich August III., dem ersten König von Sachsen. Für Katja Altmann, Leiterin von Schloss Klippenstein, ist das ein herausragendes Stück. „Das ist eine sehr seltene Urkunde. Diese Dauerleihgabe kann nicht hoch genug einschätzt werden. Darum beneiden uns andere Städte.“

Mehr zum Thema Radeberg