merken
PLUS Radeberg

„Wir werden uns nicht an die Bäume ketten“

Das Ottendorfer Kieswerk plant die Erweiterung seines Abbaugebietes. Umweltschützer protestieren dagegen.

Das Kieswerk Ottendorf-Okrilla will sein Abbaugebiet erweitern. Weil dafür zahlreiche Bäume gefällt werden müssen, regt sich Widerstand gegen diese Pläne.
Das Kieswerk Ottendorf-Okrilla will sein Abbaugebiet erweitern. Weil dafür zahlreiche Bäume gefällt werden müssen, regt sich Widerstand gegen diese Pläne. © Marion Doering

Ottendorf. Thomas Gruschka habe kein Herz für die Natur. Und das Thema Klimaschutz sei ihm auch gleich. Das behaupten zumindest Umweltschützer und Mitglieder der Bürgerinitiative „Contra Kiesabbau“, die in den vergangenen Tagen wieder gegen die Pläne des Ottendorfer Kieswerks (KBO) vorgegangen sind.

Vor zehn Jahren hatte der heute 55-Jährige die Geschäftsführung des Kieswerks übernommen. In der Region steht es mittlerweile im Fokus der Öffentlichkeit. Der Grund: Weil das KBO sein Abbaugebiet erweitern will, müssen Wälder auf dem Areal des künftigen Tagebaus Würschnitz-West gerodet werden. Das hat Umweltschützer auf den Plan gerufen, die jüngst gegen die Waldrodungen vor dem Sächsischen Wirtschaftsministerium protestierten. Aktivisten wie Heiko Richter von der Bürgerinitiative „Contra Kiesabbau“ hatten zuletzt versucht, diese Baumfällaktionen zu verhindern. Allerdings vergeblich.

Anzeige
Qualität und Ehrlichkeit zahlen sich aus
Qualität und Ehrlichkeit zahlen sich aus

Der Festschmaus wird wie immer lecker sein, doch die alte Couch läd nicht gerade zum Entspannungsnickerchen ein. Das muss nicht sein. Hier gibt`s die Lösung.

Der 46-jährige Richter wehrt sich seit einigen Jahren gegen die geplante Erweiterung des Abbaugebietes, genau wie die anderen rund 20 Mitglieder der Bürgerinitiative. 127 Hektar Wald sollen zwischen Ottendorf-Okrilla und Würschnitz für den künftigen Kiesabbau gerodet werden. Umweltschützer befürchten, dass durch den Kiesabbau der Grundwasserspiegel des Waldmoores absinken könne, sodass Sachsens größtes zusammenhängendes Waldgebiet zerstört wird. Hier leben aber nicht nur seltene Tiere wie Kreuzottern und Libellen; es grenzt auch an ein unter Naturschutz stehendes Waldmoorgebiet. Geschützte Arten würden zukünftig hier keinen Schutz mehr finden.

Geschäftsführer Thomas Gruschka.
Geschäftsführer Thomas Gruschka. © Kristin Richter

Heiko Richter kann nicht begreifen, warum „man Waldgebiete wie dieses abholzt“. Er glaubt, dass wirtschaftliche Interessen eindeutig Priorität haben. Dass aus dem Ottendorfer Rathaus keine kritischen Stimmen zu den Ausbauplänen zu vernehmen sind, ist aus seiner Sicht aber verständlich: „Etliche Ottendorfer arbeiten im Kieswerk.“ Für die Trasse einer neuen Förderbandanlage in Würschnitz-West waren bereits die ersten Bäume durch den Sachsenforst gefällt worden.

Bei den Rodungsarbeiten und beim künftigen Kiesabbau in dem neuen Abbaugebiet lege das Kieswerk großen Wert auf den Umweltschutz, erwidert Geschäftsführer Thomas Gruschka. Bei der unmittelbaren Wiederaufforstung werde das Unternehmen im Übrigen auch einen sehr sensiblen Umgang mit dem Grundwasser pflegen. 

So will das Werk von der bisherigen Vorgehensweise, Kies unterhalb des Grundwasserspiegels abzubauen, bei Würschnitz-West absehen, dort einen Trockenabbau beantragen und somit mindestens einen Meter über dem Grundwasserspiegel bleiben. Heiko Richter bezweifelt das stark. Denn das Kieswerk sei für die Grundwasser-Überwachung selbst verantwortlich. Was Richter ebenfalls nicht versteht: „Da sind nun die ersten Bäume gefällt und erst jetzt stellt man dort Untersuchungen an, welche Arten dort leben.“

Gruschka weist darauf hin, dass in drei Jahren auf der Abbaustätte Laußnitz 1 nicht mehr gearbeitet werde. Dann werde man sich künftig auf das Areal in Würschnitz konzentrieren, wo jetzt schon teilweise Kies abgebaut wird. Den Vorwurf von Bürgerinitiative und Umweltschützern, dass die KBO-Pläne vom Oberbergamt noch nicht genehmigt worden seien, weist Gruschka zurück. Die für die neue Bandanlage notwendige Waldumwandlung sei bereits im März dieses Jahres vom Staatsbetrieb Sachsenforst genehmigt worden. An dem Verfahren seien das Sächsische Oberbergamt und die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Bautzen beteiligt gewesen.

Kieswerk rechnet mit Protesten

Für die Umweltschützer ist ebenfalls unverständlich, warum sich das Kieswerk nicht schon Jahre vorher mit dem Artenbestand im Gebiet Würschnitz-West beschäftigt hat. „Da leben streng geschützte Arten und die sind noch nicht mal im Rahmenbetriebsplan berücksichtigt worden“, so Richter weiter. Stattdessen berufen sich das Kieswerk sowie das Oberbergamt auf eine Genehmigung aus dem Jahre 1999. Beim KBO wird auf jeden Fall mit weiteren Protesten gerechnet. Geschäftsführer Gruschka weist aber immer wieder darauf hin: „Meine Devise ist, so viel wie nötig, so wenig wie möglich in die Natur einzugreifen.“

Aktuell arbeiten die Behörden am Genehmigungsverfahren für das Gebiet Würschnitz-West. Wer sich an den Erweiterungsplänen des KBO störe, so Gruschka, könne nun Einwände gegen dieses Projekt vorbringen.

Weiterführende Artikel

Moore sind nicht ersetzbar

Moore sind nicht ersetzbar

Das geplante Kiesabbaugebiet Würschnitz-West gefährdet die Existenz einzigartiger geschützter Biotope. Die SZ sprach mit Holger Oertel, Nabu-Fachgruppe Ornithologie.

Kieswerk-Chef widerspricht Naturschützern

Kieswerk-Chef widerspricht Naturschützern

Nach einem SZ-Interview mit Thomas Gruschka beziehen die Kritiker von Würschnitz-West erneut massiv Stellung gegen das Projekt. Nicht kommentarlos.

Für Heiko Richter steht auf jeden Fall fest, dass der Kampf gegen diese Erweiterungspläne der KBO weiter gehen wird. „Wir werden zwar keine Aktionen planen, bei denen wir uns an Bäume ketten“ – schließlich will die Bürgerinitiative mit den Behörden im Gespräch bleiben. „Aber wir werden weiter um die Waldgebiete und um das Waldmoor ringen.“

Mehr Nachrichten aus Radeberg und dem Rödertal lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Radeberg