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Peterkeller statt Sechsgeschosser

Knut Peltner aus Weinböhla ist eigentlich Physiker, doch seit 37 Jahren kümmert er sich auch um die Denkmale im Ort.

Seit 1983 in der Spur – Knut Peltner aus Weinböhla gehört zu den ehrenamtlichen Denkmalpflegern im Kreis, die sich für den Erhalt historischer Gebäude einsetzen.
Seit 1983 in der Spur – Knut Peltner aus Weinböhla gehört zu den ehrenamtlichen Denkmalpflegern im Kreis, die sich für den Erhalt historischer Gebäude einsetzen. © Norbert Millauer

Weinböhla. Als Knut Peltner anfing, standen nicht mehr als sechs, sieben Denkmale auf seiner Liste für Weinböhla – das prominenteste war der Zentralgasthof. Heute sind es 107. Dabei hat keine wundersame Denkmal-Vermehrung stattgefunden - die Zeiten haben sich nur einfach geändert.

Knut Peltner ist als ehrenamtlicher Denkmalpfleger für Weinböhla zuständig. Aber eigentlich ist er ja Physiker. Nach dem Studium an der TU Dresden arbeitete er zunächst im Prüffeld des dortigen Mikroelektronik-Unternehmens Robotron. Dann ging er zum Druckmaschinenhersteller Planeta nach Radebeul. „Dort habe ich im Rechenzentrum an der Hardware gearbeitet“. 

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Nach der Wende bleibt er in der Firma, aber wechselt in die Software-Entwicklung. Mit alten Häusern und Fabriken, mit Kirchen und Denkmälern hat das alles nichts zu tun. Aber ein Arbeitskollege, der sich um Niederau und Weinböhla gekümmert hat, hat ihn gefragt, ob er ihm Letzteres nicht abnehmen würde. „Ich habe gesagt: Gut mich interessieren alte Dinge. Außerdem standen auf der Liste, die er mir gezeigt hat, nur sieben Denkmale drauf.“ Das war 1983.

Dann ging es los. In DDR-Zeiten wurden die ehrenamtlichen Beauftragten zwei Mal im Jahr geschult - von Baustilkunde bis zu Rechtsfragen. An sie konnten sich Hauseigentümer wenden, um Auskunft über Geschichte und Wert von Gebäuden nachzufragen oder rechtliche Festlegungen zu erfragen. Die Ehrenamtlichen halfen bei Grabungen mit oder dokumentierten Denkmale.

Was Knut Peltner betrifft, so wurde nicht der Zentralgasthof sein wichtigstes Denkmal in Weinböhla, sondern das alte Weingut am Kirchplatz mit dem Peterkeller. „1986 sollte der jetzige Peterkeller verkauft werden und dann sollten dort Sechsgeschosser gebaut werden.“

Mit Gleichgesinnten von der Ortschronik-Gruppe konnte das verhindert werden. Sie machten sich an die Arbeit und „von 1986 bis 1989 haben wir das Objekt saniert. Wir waren vielleicht 15 Leute, die jeden Sonnabend gearbeitet haben, während andere ihr Gemüse zur Sammelstelle geschafft haben.“ 

Sogar die DDR-Satire-Zeitschrift „Eulenspiegel“ habe sich über sie lustig gemacht. „Sie schrieben, dass wir wohl noch in 1.000 Jahren bauen werden.“ Aber: „1989 konnten wir das historische Weingut mit einem kleinen Museum eröffnen.“ Als Denkmalpfleger ist der Peterkeller auch deshalb Knut Peltners Hauptprojekt geworden, weil er es buchstäblich auch mit körperlichem Einsatz vertreten musste.

Nach der Wende sei der damalige Meißner Denkmalpfleger Hans-Jürgen Pohl nach Weinböhla gekommen und mit ihm durch die Straßen gegangen und sie hätten geschaut, was auf die neue Denkmalliste kommen müsste. Anfang der 1990er Jahre veröffentlichte dann das Landesdenkmalamt die im Wesentlichen noch heute gültige „Liste der Kulturdenkmale in Sachsen“. 

Schaut man unter Weinböhla nach, so finden sich der „weitgehend erhaltene sächsische Kleinstadtbahnhof“, der König-Albert-Turm und das Wolfsdenkmal als prominente Zeugnisse der Vergangenheit, aber auch eine Vielzahl von Stadthäusern, denen der Laie ihre Denkmalwürdigkeit nicht so schnell ansieht. 

Dass inzwischen die meisten davon saniert sind, hat mit den eingangs erwähnten veränderten Zeiten zu tun. Etwas anderes hat sich jedoch nicht geändert: „Es besteht immer die Gefahr, dass Sachzeugen unwiederbringlich verloren gehen“, so Knut Peltner.

n drei Jahren macht er die 40 Jahre als ehrenamtlicher Denkmalpfleger voll und überlegt, sich zurückzuziehen. Olav Helbig, der neue Kreisdenkmalpfleger wünscht sich, dass es wieder mehr Bürger wie Knut Peltner gibt, die sich um die Zeugnisse der Vergangenheit kümmern, um sie für die nachfolgenden Generationen zu erhalten.

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