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Tauziehen um die Hüttermühle geht weiter

Der Radeberger Stadtrat stimmte gegen einen Verkauf des einstigen Gasthauses bei Radeberg. Der Interessent will aber weiterhin kaufen.

Ein Gasthof im Dornröschenschlaf: Die Hüttermühle wurde bis 2010 bewirtschaftet. Dann gaben die Wirtsleute Walter das Geschäft auf. Jetzt will die Stadt die Immobilie verkaufen.
Ein Gasthof im Dornröschenschlaf: Die Hüttermühle wurde bis 2010 bewirtschaftet. Dann gaben die Wirtsleute Walter das Geschäft auf. Jetzt will die Stadt die Immobilie verkaufen. © René Meinig

Radeberg. Makhan Singh hat mit der Hüttermühle bei Radeberg viel vor. Er will das Haus kaufen und zu einer Ausflugsgaststätte umgestalten. Er plant selbst, mit seiner Familie einzuziehen. Es gibt ein Konzept, auch die Finanzierung steht, sagt er. Doch das Vorhaben ist jetzt gescheitert, vorerst jedenfalls. Die Radeberger Stadträte haben den Verkauf abgelehnt.

Schon die Worte von OB Gerhard Lemm (SPD) vor der Abstimmung verhießen für den Interessenten nichts Gutes. „Uns liegt momentan keine Bankbescheinigung vor. Es gibt zwar eine Art Absichtserklärung. Das ist aber keine Sicherheit, wie wir sie gefordert haben“, sagte Lemm. Mit der Bankbescheinigung sollte der Käufer nachweisen, dass er in der Lage ist, eine Million Euro in den nächsten Jahren in die Immobilie zu investieren.

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Für den OB war das nicht das Hauptproblem. „Der Interessent ist gegen ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht des Hüttertalvereins in dem Gebäude. Das ist ein Verstoß gegen die Ausschreibungsbedingungen. In der Ausschreibung ist festgelegt, dass es ein solches Recht geben muss. Ich kann deshalb nicht empfehlen, die Hüttermühle an Herrn Singh zu verkaufen. Mein Vorschlag ist es, den Verkauf abzulehnen.“ Dieser Einschätzung folgten die Stadträte. Einstimmig votierten sie gegen den Verkauf.

OB Lemm: "Die Stadt kann die Mühle nicht sanieren"

Allerdings entbrannte eine Diskussion darüber, wie es mit der idyllisch an der Großen Röder gelegenen Immobilie weitergehen soll. „Wir brauchen eine grundlegende Entscheidung, was mit der Mühle geschehen soll. Will die Stadt sie vielleicht doch behalten oder weiterhin verkaufen. Wenn Letzteres der Fall ist, dann müssen die Konditionen genau festgelegt werden“, sagte CDU-Fraktionschef Frank-Peter Wieth.

Ähnlich sah das Detlev Dauphin, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler. „Darüber sollte in den Ausschüssen zunächst noch einmal ausführlich beraten werden.“ Für Frank Höhme, Fraktionschef von SPD/Linke/Grüne, muss vor einem Verkauf klar sein, was an der Hüttermühle überhaupt möglich ist. „Das Gebäude liegt in einem Naturschutzgebiet. Da sollten die Spielräume für den Investor vorher ausgelotet werden. Kann hier beispielsweise eine Pension betrieben werden?“

Für die Stadt sieht OB Lemm keinen Spielraum, die Hüttermühle aufzubauen. „Dazu fehlt schlicht das Geld in der Stadtkasse“, sagte er. Makhan Singh hält an seinen Kaufabsichten fest. „Ich bin weiter von der Hüttermühle begeistert und würde sie gern erwerben“, sagt er. Dass die Bankbürgschaft nicht vorgelegen hat, sei eine Frage der Zeit gewesen. „So schnell war das nicht möglich“, sagt er. Aber die notwendigen finanziellen Mittel lägen bereit. „Ich werde Barvermögen einbringen und als Sicherheit eine Immobilie aus meinem Besitz.“

Er geht jetzt von Kosten von 1,9 Millionen Euro aus. Zur bisherigen Kalkulationssumme von 1,5 Millionen Euro für die Sanierung der Hüttermühle kommt jetzt noch eine aufwendige Gestaltung des Gartens rings um das Gebäude.

Kompromissbereit beim Thema Aufenthaltsrecht für den Hüttertalverein

Beim Thema Aufenthaltsrecht für den Hüttertalverein schlägt er einen Kompromiss vor. „Der Verein kann sein Holzhaus am Grünen Klassenzimmer in der Nähe der Mühle aufstellen. Ich werde Strom und Wasser bereitstellen, auch das WC kann in der Mühle genutzt werden.“ Die Innenräume würden von ihm selbst benötigt. „Ich plane, eine Pelletheizung einzubauen. Sie braucht viel Platz. Außerdem soll ein Shuttleservice vom Parkplatz zur Mühle eingerichtet werden. Für diese Elektrobuggys ist ebenfalls Platz notwendig. Ich hoffe, wir werden eine Lösung finden.“

Makhan Singh will dazu weitere Gespräche mit der Stadt führen. Die Stadt Radeberg hatte als Eigentümerin die Immobilie im vergangenen Jahr zum Verkauf ausgeschrieben. Der Preis von 120.000 Euro war von einem Gutachter ermittelt worden. Das Grundstück hat eine Größe von knapp 11.500 Quadratmetern, darauf steht das Mühlengebäude mit einigen Anbauten.

Ein Angelteich befindet sich ebenfalls auf der Fläche. Vom Schloss Klippenstein sind es nur wenige Gehminuten. Entlang der Großen Röder bieten sich Spaziergänge an. In der Ausschreibung war unter anderem festgelegt worden, dass der Investor innerhalb von zehn Jahren eine Million Euro in die Sanierung des Hauses stecken muss.

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