merken
PLUS Radeberg

„Radeberger Innenstadt muss attraktiver werden“

Das ist ein Ergebnis der Bürgerumfrage. Defizite sehen die Teilnehmer auch beim Thema Verkehr.

Laut einer Umfrage wünschen sich Einwohner von Radeberg eine attraktivere Innenstadt. Laut Entwicklungskonzept kostet die Umsetzung mehr als eine Million Euro.
Laut einer Umfrage wünschen sich Einwohner von Radeberg eine attraktivere Innenstadt. Laut Entwicklungskonzept kostet die Umsetzung mehr als eine Million Euro. © Symbolfoto: Thorsten Eckert

Radeberg. Wie soll Radeberg in einigen Jahren aussehen? Darüber haben sich jetzt mehr als 300 Einwohner Gedanken gemacht und an einer Umfrage der Stadtverwaltung teilgenommen. Sie soll das vor wenigen Wochen verabschiedete Stadtentwicklungskonzept Radeberg ergänzen. Einige Ergebnisse der Umfrage überraschen, andere decken sich mit früheren Wünschen. Wo stimmen Pläne des Entwicklungskonzeptes mit den Ideen der Radeberger überein? Wo könnte eine Umsetzung gelingen?

Innenstadt: Cafés und Restaurants fehlen

Die Teilnehmer der Umfrage sind sich einig: Die Radeberger Innenstadt muss mehr bieten. Bei der Frage: „Lädt die Innenstadt zum Verweilen ein?“, kreuzten die meisten die Antwort „Trifft eher nicht zu“ an. Ihnen ist es wichtig, ein Stadtzentrum mit einem vielfältigen Angebot an Waren und Dienstleistungen vorzufinden. Fast 70 Prozent der Teilnehmer wünschen sich das.

Anzeige
Einen besseren Preis wird es nicht geben!
Einen besseren Preis wird es nicht geben!

Im Autohaus Dresden steht Inventur an: Über 500 hochwertige Neu- und Gebrauchtwagen warten auf einen Käufer. Es gilt: „Wir räumen auf – Sie räumen ab!“

Dieses Defizit sehen auch die Autoren des Stadtentwicklungskonzeptes. Besonderes Manko ist für sie, dass außer einem Café rund um den Marktplatz keine Restaurants zu finden sind. Auch gebe es in der Innenstadt vor allem Bistros und Imbisse, keine gehobene Gastronomie.

Das Umfrageergebnis dürfte dem weitreichendsten Vorschlag der Studie Rückenwind geben: der Einrichtung einer Fußgängerzone und der Umgestaltung des Marktplatzes. Der viel diskutierte Marktbrunnen soll endlich errichtet werden. Der obere Teil des Marktplatzes wird zum verkehrsfreien Bereich. Insgesamt soll der Markt grüner werden, aber auch weiterhin für die Marktstände und für größere Veranstaltungen wie das Stadtfest nutzbar sein.

Die Umsetzung ist für die Jahre 2025 bis 2027 vorgesehen. Mehr als eine Million Euro wird das kosten. Parallel zu diesen Arbeiten wird 2026 die Oberstraße zwischen Markt und Pulsnitzer Straße zur Fußgängerzone umgestaltet. Dort und auf dem Markt wären Freisitze möglich, mit denen Touristen und Kunden auf den Markt gelockt würden. Autos, die die Hauptstraße entlangkommen, könnten noch bis zum Marktplatz fahren, werden dann aber über die Pirnaer Straße wieder zurückgeleitet.

Stadtverkehr: Defizite beim Parken und bei Radwegen

Hier stechen zwei Umfrageergebnisse ins Auge. Die Teilnehmer sind mit der Parksituation in der Innenstadt unzufrieden. Außerdem ist ihrer Meinung nach das Radwegenetz schlecht ausgebaut. Der Aussage „Im Stadtgebiet stehen ausreichend Parkplätze zur Verfügung“ stimmen die meisten Teilnehmer (ca. 32 Prozent) „überhaupt nicht“ zu. Damit sind sie auf einer Linie mit den Autoren des Stadtentwicklungskonzeptes.

Auch sie machten ein Defizit bei den Parkplätzen aus. Besonders entlang der Hauptstraße und den umliegenden Straßen haben Anwohner, Kunden und Mitarbeiter oft wenig Möglichkeiten zum Parken. Im Stadtentwicklungskonzept wird deshalb vorgeschlagen, an der Oberstraße, oberhalb des Edeka-Supermarktes, ein Parkhaus zu errichten und den Parkplatz zu erweitern. Die Größe der Fläche ist ausreichend, und das Grundstück befindet sich in der Hand der Stadt. Das Parkhaus soll vor allem für Beschäftigte, Anwohner und Besucher gedacht sein.

Mit dem Bau könnte schon im nächsten Jahr begonnen werden, 2024 ist die Fertigstellung geplant. Mit Grundstückskauf und Parkplatzerweiterung soll alles rund 2,6 Millionen Euro kosten. Beim Thema Radfahren sind die meisten Umfrageteilnehmer (ca. 33 Prozent) mit der Aussage „Das Radwegenetz ist gut ausgebaut“ nicht einverstanden. „Stimme eher nicht zu“ haben sie angekreuzt.

Auch die Autoren des Stadtentwicklungskonzepts sehen Defizite. So bemängeln die Autoren, dass keine separaten Fahrradwege vorhanden sind. Es existieren zahlreiche Insellösungen, aber kein zusammenhängendes Netz. Die Autoren sehen teils dringenden Handlungsbedarf. Besonders eine innerstädtische Verbindung über die Pirnaer Straße und den Markt wird gefordert.

Wohnen: attraktiver Standort, aber zu wenige Bauflächen

Beim Thema Wohnen sticht ein Ergebnis heraus. Die Hälfte der Teilnehmer ist mit ihrer gegenwärtigen Wohnsituation „voll zufrieden“. Auch geben viele an, dass Radeberg ein attraktiver Wohnstandort ist. Allerdings wird bemängelt, dass das Angebot für Zuzügler zu gering ist, es fehle an Wohnbaustandorten und auch an Mietwohnungen. Die Autoren des Entwicklungskonzeptes wissen ebenfalls, die Radeberger Innenstadt ist als Wohngebiet überaus beliebt.

Die Zahl der Bewohner ist zwischen 2009 und 2019 um mehr als 40 Prozent gestiegen, in der Gesamtstadt waren es nur rund zwei Prozent. Sie schlagen vor, dass auf Brachflächen oder anstelle von hässlichen Ruinen in der Stadt – beispielsweise an der Hauptstraße oder an der Pirnaer Straße – neue Gebäude entstehen könnten. Auch Häuser, die wegen ihres schlechten baulichen Zustandes nicht mehr saniert werden können, sollen weg und wenn möglich durch Neubauten ersetzt werden. Das würde die Innenstadt insgesamt attraktiver machen.

Die nächsten Schritte: Ergebnisse werden ausgewertet

Laut Stadtsprecher Jürgen Wähnert werden die Ergebnisse jetzt ausgewertet und bei den Beratungen zur Stadtentwicklung verwendet. „Wir werden sehen, welche Wünsche sich umsetzen lassen.“

Mehr zum Thema Radeberg