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Radeberger Notfallsanitäter: "Feiertage sind skurrile Tage"

Karl Lehmann ist Notfallsanitäter beim DRK Radeberg-Pulsnitz. Dort arbeitet er auch an den Feiertagen auf dem Rettungswagen. Ein Erfahrungsbericht.

Von Rainer Könen
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Rettungssanitäter Karl Lehmann kommt gerade vom Einsatz zurück in die Radeberger Rettungswache.
Rettungssanitäter Karl Lehmann kommt gerade vom Einsatz zurück in die Radeberger Rettungswache. © Marion Doering

Radeberg. Ein Blinddarm kennt keinen Heiligabend, ein Herzinfarkt kein Silvester. Überhaupt kann man sagen, dass Krankheiten sich um Feiertage keinen Deut scheren. Wen es etwa an Weihnachten erwischt, der ist besonders betroffen, denn schließlich sind die Festtage eine Zeit, in der die Familie zusammenkommt, nach Möglichkeit alles harmonisch verlaufen soll. Ein krankheitsbedingtes Malheur stört da den festlichen Rahmen. Aber - wer an Weihnachten oder zum Jahreswechsel die Rufnummer 112 wählt, der tut das wirklich nur, „wenn es nicht mehr anders geht, es einem richtig schlecht geht“, so die Erfahrungswerte des Radeberger Notfallsanitäters Karl Lehmann.

Der 25-Jährige arbeitet in der Radeberger DRK-Rettungswache und muss, wenn andere Menschen feiern, arbeiten. In diesem Jahr hatte er an Heiligabend und am ersten Weihnachtsfeiertag Dienst. Nachtdienst, um genau zu sein. Wenn die Rettungskräfte an Weihnachten oder Silvester zum Einsatz gerufen werden, sei das ein „besonderes Notfallfeeling“, so Karl Lehmann.

Ganze Familie schaute Rettungskräften bei der Arbeit zu

Der Radeberger erinnert sich noch gut an das zurückliegende Jahr, da musste er ebenfalls an Weihnachten arbeiten. So seien sie zu einer älteren, an Diabetes leidenden Frau gerufen worden, die wohl wegen des Weihnachtsstresses ihren Zuckerspiegel aus den Augen verloren hatte. Völlig unterzuckert sei sie gewesen, sagt Lehmann, der die Szenerie an dem Heiligabend als „skurril“ empfand. Ein weihnachtlich geschmücktes Wohnzimmer, mit Christbaum und einem von Geschenken umlagerten Gabentisch. Aus dem Radio tönte Weihnachtsmusik. Auf dem Sofa lag die ältere Frau, während am Wohnzimmertisch die ganze Familie saß und den Rettungskräften bei der Arbeit zuschaute. Sehr befremdlich sei das gewesen.

Aber, so Karl Lehmann, irgendwie auch nicht verwunderlich. Denn man sei ja plötzlich in eine familiäre Weihnachtsatmosphäre eingetaucht, in der die Rettungskräfte wie Fremdkörper wirkten.

Rettungssanitäter Karl Lehmann im Schulungsraum der Rettungswache Radeberg.
Rettungssanitäter Karl Lehmann im Schulungsraum der Rettungswache Radeberg. © Marion Doering

An Silvester zu arbeiten, das sei natürlich noch mal was ganz anderes, meint der Sanitäter. Für Rettungskräfte sei die zwölfstündige Nachtschicht stressig. Betrunkene, Menschenmengen, Böller- und Verkehrsunfälle, das Gefahrenpotential am Jahreswechsel sei weitaus höher als an Weihnachten, so Lehmann. Auch in diesem Jahr?

Eher nicht, glaubt der 25-Jährige. Die aktuelle Corona-Schutzverordnung erlaube ja kein Böllern in der Öffentlichkeit, keine Menschenansammlungen, keine Partys. Heißt: Mit den verordneten Be- und Einschränkungen werde das sicher „ein ruhiger Jahreswechsel“, glaubt Lehmann, der bisher jedoch nicht an Silvester arbeiten brauchte. Wie es da auf der Rettungswache beziehungsweise bei den Einsätzen zugeht, das weiß er nur vom Hörensagen. Der Grund: „Ich mag lieber an Weihnachten arbeiten“, so der Radeberger. Ja auch, weil es da ein wenig entspannter als an anderen Diensttagen zugehe. Dafür habe er Silvester immer frei gehabt.

Silvester bis zu zehn Einsätze in der Nacht

Seit knapp fünf Jahren ist der gebürtige Radebeuler in diesem Job. Eigentlich habe er Medizin studieren wolle, aber „das ist jetzt kein Thema mehr für mich“, meint Lehmann. Die Arbeit des Notfallsanitäters sei eine, die ihm „richtig gut“ gefalle. Er spricht von Vielfalt, von Abwechslung. Er hoffe, dass er diesen Job noch lange ausüben könne.

Die Zahl der Einsätze während einer Schicht ist unterschiedlich. Im Schnitt sind es am Tag vier bis sechs Einsätze, in der Nacht zwischen zwei und vier. An Weihnachten seien es meist ganz wenige, so Lehmann. Zum Jahreswechsel können es für ein Rettungskräfte-Team bis zu zehn Einsätze in der Nachtschicht werden. Da piept der Pager der Einsatzkräfte häufiger, wenn die Funkzentrale einen Einsatz meldet. Da heißt es in Sekundenschnelle umschalten. Vom Entspannungs- in den Notfallmodus wechseln.

Aber das habe man ja in dem Job gelernt, so der Notfallsanitäter, der bei dieser Gelegenheit gern einen bei Rettungskräften oft genutzten Satz zitiert: „Solange wir keine Arbeit haben, geht es der Bevölkerung gut“. Gut möglich, dass es für Kollegen von Karl Lehmann ein nicht ganz so stressiger Dienst zum Jahresende wird.