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Rödertal: Handwerksbetriebe suchen Fachkräfte

In vielen hiesigen Handwerksbetrieben fehlt Fachpersonal. Wie groß das Problem ist und mit welchen Ideen erfolgreiche Betriebe dem Mangel entgegenwirken.

Dachdeckermeister Andreas Henker sucht einen neuen Lehrling für seinen Betrieb.
Dachdeckermeister Andreas Henker sucht einen neuen Lehrling für seinen Betrieb. © Marion Doering

Rödertal. Andreas Henker hat bisher noch niemanden gefunden. Der 58-Jährige ist Dachdeckermeister, sein Betrieb befindet sich im Radeberger Ortsteil Großerkmannsdorf. Seit geraumer Zeit sucht er einen Lehrling. „Es wird zunehmend schwieriger, jemanden zu finden, der für diese Arbeit geeignet ist“, erklärt Henker, der sechs Mitarbeiter hat.

Dass sich die Begeisterung für dieses Handwerk bei jungen Leuten in Grenzen hält, liege auch daran, dass etliche diesen Beruf unattraktiv fänden. „Weil man bei uns körperlich arbeiten muss“, so der Dachdeckermeister weiter. Das wollten viele nicht.

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Tatsächlich wird im Landkreis Bautzen der Fachkräftemangel im Handwerk zunehmend zum Problem. Wie Pressereferent Daniel Bagehorn von der Dresdner Handwerkskammer berichtet, werde bei einem Großteil der rund 4.600 Handwerksbetriebe qualifiziertes Fachpersonal gesucht. Besonders trübe sieht es etwa in der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnikbranche aus. Oder im Gesundheitshandwerk. Ganz zu schweigen vom Lebensmittelhandwerk. Hier werden Azubis händeringend gesucht.

Anruf bei Martin Kunath. Der Bäckermeister im Wachauer Ortsteil Leppersdorf ist das, was man als einen Bäcker aus Leidenschaft bezeichnet. Lehrlingsmangel in der Backstube? Kennt er. Das sei in seiner Zunft ein Dauerthema. Er selbst hat bisher Glück gehabt. „Ich habe in all den Jahren immer jemanden bekommen“, so der 71-Jährige.

Sein derzeitiger Azubi kommt aus der Familie: seine Enkeltochter. Aber natürlich kann Kunath die Realität nicht ausblenden. An jedem Werktag frühmorgens in der Backstube zu stehen, das sei etwas, womit sich in der heutigen Zeit kaum noch jemand anfreunden könne. Bürojobs seien halt gefragter.

Handwerksbetriebe müssen sich etwas einfallen lassen

Der Fachkräftemangel ist bundesweit zu einem Problem geworden, im Land fehlen mittlerweile Zehntausende von Handwerkern. In allen Bereichen. Was hier und da auch branchenspezifische Gründe hat. Aber allen Handwerksberufen ist gemein: Es fehlt Nachwuchs. Müssen die Betriebe sehen, dass sie mit neuen Ideen und attraktiveren Konditionen Auszubildende gewinnen.

Hinzu kommt in vielen Regionen der demografische Wandel, der das Handwerk trifft. Überdurchschnittlich viele ältere Beschäftigte scheiden aus, zu wenige Junge kommen nach. Und ja, mit ein Grund für den Fachkräftemangel, erfährt man von hiesigen Handwerksbetrieben, sei auch „die zunehmende Akademisierung in der Gesellschaft“. Ein Universitätsabschluss ist für viele eine bessere Wahl als eine Ausbildungsstelle im Handwerk.

Bei der Suche nach geeignetem Fachpersonal zeigte man sich beim Ottendorfer Bauunternehmen Heinz Lange GmbH bisher immer kreativ. Regelmäßig werden dort Infotage durchgeführt, Ferienjobs und Praktika angeboten. Geschäftsführerin Janet Lange weist auf die sogenannten „Baggertage“ hin, die einmal im Monat auf dem Firmengelände durchgeführt werden und richtig gut ankämen.

Das 1987 gegründete Unternehmen - derzeit sind dort 90 Mitarbeiter, davon 14 Lehrlinge und zwei Studenten beschäftigt - sucht einen Betonbauer. Nach Auffassung von Geschäftsführerin Janet Lange müssten die Firmen neue Wege gehen, um auf sich aufmerksam zu machen. Lange weiter: „Unternehmen sollten mehr Leidenschaft in die Öffentlichkeitsarbeit legen“. Mehr Werbung in eigener Sache betreiben. Es gebe Firmen in der Region, die zeigten sich in dieser Hinsicht bereits eifrig, seien auf Instagram und Youtube aktiv, so die Geschäftsführerin.

Der Anteil der offenen Stellen in der Handwerksbranche, für die es keine geeignete Fachkraft gibt, lag bisher im Jahresschnitt bei rund 36 Prozent, und damit deutlich höher als in der Gesamtwirtschaft, die auf gut 27 Prozent kommt. Wird sich das nicht bald ändern, dürften das Bürger und Wirtschaft sicher zunehmend im Alltag spüren.

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Dachdeckermeister Andreas Henker versucht sich derweil in Zweckoptimismus. Er hofft darauf, dass das schon noch was werden wird mit einem neuen Lehrling für seinen Betrieb. Denn, so Henker, der Dachdeckerberuf sei doch vielseitig, einer, bei dem man ja auch täglich an der frischen Luft sei. Und was ebenfalls nicht unwichtig sei: ein krisenfester Job.

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