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Schweinepest: Bundespolizei bildet Suchhunde aus

Bei Ottendorf lernen die Tiere besondere Fähigkeiten. Sie allein werden aber nicht reichen, um der Seuche in Sachsen zu begegnen.

Jäger Reiner Seidel (li.) nimmt mit seinem Hund Einar Karlsonson, ein Deutscher Kurzhaar, an der Ausbildung zum Suchhund teil. Andreas Kiefer ist Diensthundelehrwart Bundespolizei Koblenz. Er leitet den Kurs.
Jäger Reiner Seidel (li.) nimmt mit seinem Hund Einar Karlsonson, ein Deutscher Kurzhaar, an der Ausbildung zum Suchhund teil. Andreas Kiefer ist Diensthundelehrwart Bundespolizei Koblenz. Er leitet den Kurs. © Christian Juppe

Ottendorf-Okrilla. Ein abgelegenes Waldstück in der Heide zwischen Ottendorf und Laußnitz: Hier stören keine Radfahrer, Wanderer oder Pilzsucher. Eine Grundvoraussetzung für die Arbeit von Andreas Kiefer. Er ruft die acht Jäger zusammen, gibt erste Anweisungen für die Arbeit mit den Hunden. Schon am Dialekt ist zu hören, er kommt nicht aus der Gegend. Er ist Polizeihauptkommissar der Bundespolizeidirektion Koblenz und ein deutschlandweit gefragter Mann.

Der Grund, dass er gegenwärtig von Bundesland zu Bundesland reist, ist die sich ausbreitende Afrikanische Schweinepest. Sollte der Erreger auf den Hausschweinbestand überspringen, wären Massentötungen der Tiere notwendig. Der Schaden würde allein in Sachsen in die Milliarden gehen, sagt er.

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Der Polizeibeamte kann mit seinem Wissen dazu beitragen, dass es nicht dazu kommt. Er bringt Hunden bei, tote Wildschweine im Wald aufzuspüren. Wildschweine, die womöglich an der Schweinepest verendet sind. Ziel ist es, sie zu finden, bevor sich weitere Tiere anstecken und der Erreger immer weiter verbreitet wird.

Begonnen hat alles im Saarland. „Im Nachbarland Belgien waren erste Fälle der Schweinepest aufgetreten. Es galt unbedingt zu vermeiden, dass die Krankheit sich auch auf deutscher Seite verbreitet. Was fehlte, war eine geeignete Ausbildung für die Hunde. Deshalb wurden wir damals angefragt.“

Erst Saarland dann Mecklenburg-Vorpommern

Mit seiner Expertise als Diensthundelehrwart arbeitete er ein Programm aus, bei dem die Vierbeiner lernen, die verendeten Wildschweine aufzuspüren. Das dauert 30 Trainingstage. „Diese lange Zeit ist notwendig, um den Tieren diese spezielle Art der Suche beizubringen und dann durch Wiederholen das Gelernte auch zu festigen“, sagt er. Sein Lehrgang im Saarland sprach sich herum. „Der Landwirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern rief an, ob ich das im Rahmen einer Amtshilfe nicht auch Jägern in seinem Bundesland beibringen kann. Dann fragte das Sächsische Sozialministerium an. Jetzt bin ich hier.“

Über den Jagdgebrauchshundeverband konnten sich die Jäger bewerben. Acht wurden ausgewählt, darunter drei Frauen. Ihre Hunde mussten besondere Kriterien erfüllen: unbedingter Gehorsam und starker Jagd- und Beutetrieb.

Hundeführer und Vierbeiner der Rassen Deutsch Kurzhaar, Labrador, Kleiner Münsterländer oder Parson Russel Terrier warten gespannt auf die Anweisungen. Die Aufgabe: Aus einer langen Reihe identisch aussehender Holzkisten die mit dem Stück Wildschweinkadaver herausfinden. Einar Karlsonson gelingt das auf Anhieb. Der Deutsche Kurzhaar bleibt an der Kiste stehen und wartet auf die Anweisungen von Reiner Seidel. Zur Belohnung bekommt er einen Ball, dem er kurz hinterherjagen darf.

Jäger aus Leipzig bei der Ausbildung dabei

Reiner Seidel ist aus Leipzig hergekommen. Der Inhaber einer Firma ist Jäger. Ihm sind Vorkehrungen gegen die Afrikanische Schweinepest wichtig. „Ich glaube, wir können uns nicht ausmalen, was ein Ausbruch der Tierseuche bedeuten würde. Die Schäden wären immens. Wir als Jäger haben da eine Verantwortung. Sonst ist das nicht beherrschbar.“

Zweiter Durchgang. Diesmal werden die Kisten geschlossen. Wieder scheint es für Einar kein Problem zu sein, die Richtige in wenigen Sekunden herauszufinden. Wieder wird er belohnt. Dann geht es ins Gelände. „Auf einer Fläche von einem Hektar ist ein Stück Kadaver versteckt. Die Hunde müssen es finden“, sagt Andreas Kiefer. Einar läuft los. Mal Nase am Boden, mal hocherhoben. Entfernt er sich zu weit von Reiner Seidel, pfeift er kurz, schon ändert der Hund seine Richtung. Auch hier ist nach wenigen Minuten das Stück gefunden. Geduldig wartet der Jagdhund, bis Herrchen bei ihm ist, den Ball hervorholt und die Erlaubnis zum kurzen Austoben gibt.

Der Hundeführer freut sich über die neuen Fähigkeiten seines Vierbeiners. „Das ist eine zusätzliche Ausbildung für ihn. Die Meinung einiger, wonach diese Kadaversuche andere Fähigkeiten des Hundes beeinträchtigt, teile ich nicht. Auch die Ansicht nicht, das könnten Jagdhunde schon durch ihre gewöhnliche Ausbildung. Das ist eine neue Aufgabe für den Hund, die er erst erlernen muss.“

Das sieht auch Andreas Kiefer so: „Die Suche nach den toten Wildschweinen unterscheidet sich von der gewöhnlichen Jagd enorm. Der Hund bewegt sich dann meist auf einer Fährte, er jagt dem Wild hinterher. Hier gibt es weder Bewegung noch eine Fährte. Das tote Wildschwein bildet eine Art Geruchswolke, die der Hund aufspüren muss. Das erfordert diese besondere Ausbildung.“

Er schätzt, dass die jetzt ausgebildeten acht Hunde für Sachsen nicht ausreichen werden. „50 Tiere braucht so ein Bundesland, um wirksam gegen die Seuche vorgehen zu können.“ Währenddessen sind die anderen Jäger mit ihren Hunden im Wald unterwegs, bringen ihnen bei, nach den Fundstücken zu suchen. Zehn Hektar wurden abgesteckt. Immer wieder werden die Flächen gewechselt. Nach den 30 Tagen erhalten die Jäger ein Zertifikat.

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„Dann können sie in den Risikogebieten der Afrikanischen Schweinepest eingesetzt werden.“ Für Andreas Kiefer heißt es am Abend Fahrt in eine Ferienwohnung in Langebrück. Dort wohnt er während der Ausbildung. Bis zum nächsten Kurs. In welchem Bundesland das sein wird, weiß er noch nicht.

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