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Weitere Spürhunde im Kampf gegen die Schweinepest

Mit weiteren Kadaverspürhunden will Sachsen die Schweinepest bekämpfen. Acht Hundeführer wurden nun in Ottendorf-Okrilla ausgezeichnet.

Im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) wurden Spürhunde ausgebildet, um tote infizierte Wildschweine aufzuspüren.
Im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) wurden Spürhunde ausgebildet, um tote infizierte Wildschweine aufzuspüren. © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Ottendorf-Okrilla. Eine vergammelte Wildschweinschwarte ist zweifelsohne eine olfaktorische Herausforderung. Für Menschen, aber erst recht für Hunde. Doch Robby ignoriert den scharfen Geruch, der ihm da entgegenweht. Der Labrador-Retriever geht mit seinem Herrchen von Kiste zu Kiste, bleibt an einer stehen, schnüffelt aufgeregt und legt sich hin. Kadaver gefunden, ruft Hundeführer Torsten Rietzschel.

Der Dippoldiswalder gehört zu den acht Jägern, die am Mittwoch in einem Waldstück der Laußnitzer Heide ausgezeichnet wurden. Aus den Händen von Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) gab es Medaillen und Urkunden für die acht teilnehmenden Jäger, die in den vergangenen Wochen mit ihren Tieren das Aufspüren von Wildschweinkadavern trainiert hatten.

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Damit hat Sachsen nun weitere ausgebildete Kadaversuchhunde, um die Afrikanische Schweinepest (ASP) besser bekämpfen zu können. Diese für Wildschweine tödliche Krankheit hatte sich ja in den vergangenen Monaten vor allem im Osten Deutschlands ausgebreitet. Doch wie Ministerin Petra Köpping betonte, sei der Kampf gegen die ASP „keine Angelegenheit der ostdeutschen Bundesländer, sondern eine, die ganz Deutschland“ betreffe.

Hundeführer Torsten Rietzschel mit Labrador Robby, der zum Spürhund ausgebildet wurde.
Hundeführer Torsten Rietzschel mit Labrador Robby, der zum Spürhund ausgebildet wurde. © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Acht Hundegespanne hatten sich für den 30-tägigen Kurs gemeldet. Mit dabei auch Jacqueline Mette. Die 41-Jährige, die in einem kleinen Ort im Tharandter Wald lebt, schilderte, dass für sie die größte Herausforderung gewesen sei, ihren Hund, einen kleinen Münsterländer, so zu konditionieren, dass er beim Auffinden einer Wildschweinschwarte nicht sofort weglaufe, sondern neben ihr sitzenbleibe.

Für dieses im Mai gestartete Pilotprojekt des Freistaates habe es anfangs in der Jägerschaft Vorbehalte gegeben, so Silke Kippenberg. Sie leitete dieses Projekt, das vom Jagdgebrauchshundeverband in Zusammenarbeit mit dem Sachsenforst organisiert wurde. Einer der Gründe für die Skepsis: Viele Jäger fanden, dass man das Ausbildungsziel in einer so kurzen Zeit nicht erreichen könne. Doch es gelang. Auch, weil man für diesen Lehrgang mit Andreas Kiefer einen ausgewiesenen Fachmann gewinnen konnte.

"Echte Infektionsbomben"

Der 50-Jährige ist Diensthundelehrwart bei der Bundespolizei, hat schon in anderen Bundesländern Hunde und Herrchen für die Suche nach Kadavern trainiert und hatte die Trainingsarbeit für das sächsische Projekt übernommen. Kiefer zeigte sich mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Er wies noch einmal darauf hin, wie immens wichtig diese Kadaverspürhunde im Kampf gegen ASP seien. Könnten diese doch die Wildschweinkadaver in einem großen und unwegsamen Gelände weitaus schneller finden als Suchtrupps. Und Schnelligkeit sei ja, um ein weiteres Ausbreiten der ASP zu verhindern, auf jeden Fall nötig. Denn diese Wildschweinkadaver, so einer der Lehrgangsteilnehmer, seien „echte Infektionsbomben“.

In dem Lehrgang wurden die Hunde darauf trainiert, tote Wildschweine zu finden, wurden in Übungsgebieten der Laußnitzer Heide Wildschweinteile versteckt, die von den Vierbeinern aufgespürt werden mussten. Dass die Hunde bei der Fallwildsuche oft weite Strecken zurücklegten, konnte man nach der Suche exakt belegen, alle Tiere trugen einen GPS-Sender.

Hundeführer mit den frisch ausgebildeten Kadaverspürhunden. Sie sollen tote infizierte Wildschweine auch im Dickicht und in schwer zugänglichem Gelände aufspüren.
Hundeführer mit den frisch ausgebildeten Kadaverspürhunden. Sie sollen tote infizierte Wildschweine auch im Dickicht und in schwer zugänglichem Gelände aufspüren. © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Die Kadaverspürhunde werden von September an eingesetzt, zwei Teams sollen Gebiete von bis zu 100 Hektar am Tag durchstreifen. Mensch und Tier müssen an einem Tag schon mal bis zu 30 Kilometer zurücklegen. Klar, dass „man da topfit sein sollte“, meint Jacqueline Mette. Aber das sei ihr Hund und sie ebenfalls, so die Jägerin. Wie wichtig die Vierbeiner im Kampf gegen die ASP sind, zeigt auch, dass eine tierische Spürnase zehn menschliche Fallwildsucher ersetzt.

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Aktuell gibt es in Sachsen mehr als 443 bestätigte ASP-Fälle, der erste wurde im Oktober des vergangenen Jahres festgestellt. Die gefährdeten Gebiete, in denen infizierte Wildschweine gefunden wurden, erstrecken sich derzeit auf große Teile des Landkreises Görlitz und die östlichen Gemeinden des Landkreises Bautzen. Hiesige Jäger schätzen, dass es in Ostsachsen etwa 15.000 bis 20.000 Wildschweine gibt. Ein Viertel, so die Vermutung, könnte mit ASP infiziert sein. Da gibt es in der nächsten Zeit also eine Menge Arbeit für die acht sächsischen Jäger und ihre frisch ausgebildeten Kadaverspürhunde.

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