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Radeberg
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Wie familienfreundlich ist die Radeberger Innenstadt?

Tempo 20 in der Hauptstraße, kostenloses Parken ja oder nein - die Radeberger Innenstadt steht im Fokus einiger Diskussionen. Doch wie bewerten Familien die Aufenthaltsqualität der Stadt? Ein Spaziergang mit Familienvater Alexander Kraft.

Von Verena Belzer
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"Man kann die Kinder hier keine Sekunde aus den Augen lassen": Alexander Kraft, hier mit Sohn Arthur und den Zwillingsmädchen Amelie und Annabell, bemängelt die Aufenthaltsqualität der Radeberger Innenstadt.
"Man kann die Kinder hier keine Sekunde aus den Augen lassen": Alexander Kraft, hier mit Sohn Arthur und den Zwillingsmädchen Amelie und Annabell, bemängelt die Aufenthaltsqualität der Radeberger Innenstadt. © René Meinig

Radeberg. Die Radeberger Innenstadt steht aktuell mal wieder im Zentrum kontroverser Debatten. Wie hoch ist ihre Attraktivität? Wie hoch ihre Aufenthaltsqualität?

Schon während des Oberbürgermeister-Wahlkampfs im vergangenen Jahr wurde die Frage hitzig diskutiert, ob die Innenstadt autofrei werden sollte. Der damalige Kandidat und heutige OB Frank Höhme (parteilos) hatte sich klar positioniert: "Eine autofreie Innenstadt macht die Läden kaputt", hatte er bei einem Spaziergang mit Sächsische.de gesagt. Höhmes Vision für den Marktplatz damals: Die halbe Fläche als Parkplatz, die andere als Freizeitort mit Brunnen, Bänken und einem Frischemarkt. Ein knappes Jahr später ist der Markt immer noch voller Autos.

Doch wie denken Familien über die Innenstadt? Sind sie gerne hier - oder meiden sie womöglich die Gassen von der Hauptstraße bis zum Markt?

Autos schränken Aufenthaltsqualität ein

"Wir kommen wöchentlich in die Stadt", berichtet Alexander Kraft, der mit seiner Frau und den drei Kindern nahe der Dresdener Straße wohnt. "Wir gehen hier gerne in die Bibliothek, zu Rossmann, kaufen Schuhe oder essen ein Eis."

Gründe gebe es schon, hierher zu kommen. Doch dann kommt ein großes Aber: "Wir halten uns hier nicht länger auf als nötig", sagt Alexander Kraft. "Was aktuell absolut gegen einen Aufenthalt im Innenstadtbereich spricht, sind die vielen fahrenden und parkenden Autos. Da kann man seine Kinder keine Sekunde aus den Augen lassen und fühlt sich auch durch den Verkehr und einparkende Autos, durch Lärm, Dreck und Sichteinschränkungen selbst unwohl."

Unattraktiver Markt wegen parkender Autos

Ideen, wie man die Aufenthaltsqualität verbessern könnte, hat der Familienvater einige: "Die Innenstadt muss wesentlich attraktiver werden, um sich dort länger aufzuhalten. Mehr Sitzmöglichkeiten, mehr Grün, vielleicht sogar musikalisches Hintergrundrauschen, ein paar Spielgeräte für die Kinder. Gepaart mit Gastroangeboten in den Sommermonaten im Freien könnte das funktionieren."

Und eines ist für Alexander Kraft ebenfalls absolut unverständlich: "Wie man einen so schönen öffentlichen Platz wie den Markt nur für Autos reservieren kann, das verstehe ich nicht." Das sei absolut unattraktiv. Es seien ja im Ansatz Sitzgelegenheiten da - nur wer wolle gerne mit Blick auf parkende Autos seine Freizeit verbringen?

Schulleiterin der Grundschule Stadtmitte wünscht sich dauerhaft Tempo 20 auf der Hauptstraße

Die Stadtverwaltung und insbesondere die neue Ordnungsamtschefin Mandy Thümer ist zumindest, was die Autos angeht, bereits aktiv geworden. Ab Mai wird für sechs Monate lang Tempo 20 auf der Hauptstraße ab Höhe Schulstraße getestet.

Die Reaktionen darauf fielen überwiegend positiv aus - und auch Alexander Kraft findet die Maßnahme sinnvoll. "Dann muss ich mir definitiv weniger Sorgen um die Kinder machen." Sohn Arthur geht ab dem kommenden Schuljahr in die erste Klasse der Grundschule Stadtmitte. Und auch deren Schulleiterin Susanne Krohn befürwortet die Geschwindigkeitsreduzierung.

"Ich wünsche mir, dass es nicht nur bei einem Versuch bleibt, sondern dauerhaft Bestand hat", sagt sie. Ihre Schüler sind nur einen Steinwurf von der Hauptstraße unterwegs und dementsprechend oft hier unterwegs. "Es geht nur mit einem Miteinander im Verkehr."

Kostenloses Parken ein Alleinstellungsmerkmal Radebergs?

Ob sich Alexander Kraft eine komplett autofreie Innenstadt wünscht? "Das wäre schön", sagt er. "Kann ich mir aber nicht vorstellen, dass das passiert." Ihm würde es schon reichen, wenn die Autos nicht auf dem Markt parken würden, sondern etwas weiter außerhalb und die Bürger dann zu Fuß in die Stadt laufen.

Er könne es auch überhaupt nicht verstehen, wie in Radeberg immer mal wieder das Argument die Runde macht, das kostenlose Parken in der Innenstadt sei das Alleinstellungsmerkmal der Stadt. "Das ist doch nicht zukunftsfähig. Man kann sich als Stadt nicht nur über die Parkplätze definieren." Radeberg habe viel mehr zu bieten: "Man hat hier alles. Vereine, Nahversorgung, Freizeitmöglichkeiten, das nahe Hüttertal."

Zum Thema kostenloses Parken hat auch kürzlich erst Grünen-Stadtrat Ulrich Hensel einen Vorstoß gemacht und ein neues Parkraumkonzept gefordert. Demnach solle Parken in der Innenstadt gebührenpflichtig werden.

Forum Stadtentwicklung ruft Bürger zu Vorschlägen auf

Wer sich ebenfalls intensive Gedanken rund um das Thema Innenstadt macht, ist das Forum Stadtentwicklung Radeberg, das kürzlich eine Podiumsdiskussion auf Schloss Klippenstein organisiert hat. Ergebnisse der Veranstaltung "Innenstadt beleben" sind auf der Homepage des Forums nachzulesen. "Einigkeit herrschte dabei schnell darüber, dass der aktuelle Zustand unserer Innenstadt in mehreren Punkten verbesserungswürdig ist", berichtet Organisator Rolf Daehne.

Besonders häufig sei der Wunsch nach mehr und attraktiver Außengastronomie geäußert worden. "Wichtig ist es ebenfalls vielen Bürgerinnen und Bürgern, mehr Platz und Sicherheit für Fußgänger und Radler zu schaffen und nicht zuletzt dem Marktplatz deutlich mehr Aufenthaltsqualität zu verleihen."

Hinweise und Vorschläge zur Belebung der Innenstadt können alle Bürger nach wie vor online einreichen und öffentlich zur Diskussion stellen.