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Radeberg: Neues Leben fürs frühere Hotel „Heiterer Blick“

Bei einer Zwangsversteigerung hat das Haus in Radeberg den Besitzer gewechselt. Was die Eigentümerin jetzt plant.

Petra Knop (55) ist neue Eigentümerin des einstigen Hotels Heiterer Blick in Radeberg.
Petra Knop (55) ist neue Eigentümerin des einstigen Hotels Heiterer Blick in Radeberg. © René Meinig

Radeberg. Das ehemalige Hotel Heiterer Blick an der Straße nach Leppersdorf war zuletzt einer der schlimmsten Schandflecke in Radeberg. Das etwas abseits gelegene Grundstück war zur illegalen Müllkippe geworden. Offenbar hatte hier jeder, der nicht wohin wusste mit seinem Abfall, ihn hier abgeladen. Meterhoch türmten sich Bauschutt und Müllsäcke.

Jetzt plötzlich ist das Areal wie verwandelt. Zahlreiche wildgewachsene Bäume und Sträucher sind verschwunden, vor allem aber ist der Müll weg. Haben die Rodungen mit dem Bau der Schnellstraße S177 zu tun, die in unmittelbarer Nähe vorbeiführt? Kümmert sich ein neuer Eigentümer um das Grundstück? „Beides“, sagt Eigentümerin Petra Knop. „Ein Teil der Rodungen an der Straße haben in der Tat mit den Straßenbauarbeiten zu tun“, erklärt sie. Denn die jetzige Verbindungsstraße nach Leppersdorf wird in einen Wirtschaftsweg umgewandelt und eine Böschung angelegt. „Deshalb wurde auf einem schmalen Streifen der Wildwuchs beseitigt.“

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20 Tonnen Müll beseitigt

Petra Knop hat das Areal auf einer Zwangsversteigerung im Amtsgericht Bautzen erworben. "Dort kam es 2017 unter den Hammer“, sagt die energiegeladene Frau. „Es hat mich gewundert, dass damals so viele Interessenten für die Immobilie geboten haben. Von einem wusste ich, dass er dort einen Stellplatz für Wohnmobile einrichten wollte. Für etwas über 5.000 Euro habe ich den Zuschlag erhalten.“ Der Kaufpreis sei ja noch vergleichsweise niedrig gewesen. Laut Gutachten aber waren die Lasten riesig: Schon die Müllberäumung sollte 150.000 Euro kosten.

Bevor Ferienanlage errichtet wurde stand auf dem Gelände bei Radeberg die Gaststätte "Heiterer Blick". Sie wurde abgerissen.
Bevor Ferienanlage errichtet wurde stand auf dem Gelände bei Radeberg die Gaststätte "Heiterer Blick". Sie wurde abgerissen. © privat

„Das war dann auch eine Mammutaufgabe. Wir haben bis jetzt rund 20 Tonnen Abfall weggeschafft. Da wir viel selber gemacht haben, wurde es lange nicht so teuer wie veranschlagt.“ Allein die Säuberung ist ein Riesenverdienst von Petra Knop und ihren Helfern. Denn das Gelände hat eine reiche Tradition. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde hier Lehm abgebaut und Ziegel wurden gebrannt. Schon wenige Jahre später muss sich das Areal zum Ausflugsziel entwickelt haben. Auf einer Postkarte von 1908 ist ein großes Gebäude abgebildet, darunter die Angaben „Radfahrer-Station, Restauration ,Zur großen Hoffnung‘“.

Ferienhaus für den VEB Kraftverkehr Merseburg

Aufnahmen aus den 60er Jahren zeigen eine Gaststätte „Heiterer Blick“. Sie wurde abgerissen. An der Stelle errichtete der VEB Kraftverkehr Merseburg 1978 für seine Mitarbeiter ein Ferienhaus. 1989 wurde es dann zum Hotel, dem ersten, das nach der Wende in Radeberg zu finden war. Der Bedarf war damals groß. Zahlreiche Monteure, die die Großbetriebe in der Region errichteten, wollten untergebracht werden. 1999 wurde der „Heitere Blick“ durch die Treuhand-Anstalt dann an einen Geschäftsmann aus Aalen verkauft. Er baute einen Gebäudeflügel mit weiteren Zimmern an. „Rund 120 Betten soll das Haus gehabt haben“, sagt Petra Knop. Offenbar lief es nicht so, wie der Eigentümer dachte, es begann der Niedergang des Hotels. Das Haus stand leer, Müll wurde illegal entsorgt.

Im Oktober 2009 keimte dann kurzzeitig Hoffnung, das Hotel samt Grundstück sollte im Amtsgericht Dresden versteigert werden. Aber für den damals festgesetzten Verkehrswert von knapp 400.000 Euro fand sich kein Käufer für die illegale Müllkippe. 2014 wollte dann der Freistaat die Immobilie kaufen, als Renaturierungsfläche für die Asphaltversiegelung durch die neue Schnellstraße. Doch die Verhandlungen mit dem Eigentümer führten nicht zum Erfolg. Seit dem wuchsen die Müllberge weiter.

Das einstige Ferienheim "Heiterer Blick" kurz vor der Fertigstellung 1978. Der Kraftverkehr Merseburg hatte es errichten lassen.
Das einstige Ferienheim "Heiterer Blick" kurz vor der Fertigstellung 1978. Der Kraftverkehr Merseburg hatte es errichten lassen. © privat

Was will aber Petra Knop mit dem rund einen Hektar großen Gelände? Was macht man mit den Mauern des einstigen Hotels: solider DDR-Plattenbau, zwei Stockwerke hoch, dazu ein großer Schornstein und diverse Nebengebäude. „Ich bin dabei, hier einen großen Naturgarten anzulegen, mit einer Streuobstwiese und einem Kräutergarten“, sagt sie. Später will die 55-Jährige vielleicht etwas Gemüse anbauen. „Es wird quasi mein Kleingarten. Er ist vielleicht etwas groß geraten. 5.000 Quadratmeter hätten auch gereicht. So habe ich aber Platz für all meine Wünsche.“

Verkehrslärm soll verschwinden

Einige Hühner sollen ebenfalls hier untergebracht werden, zuvor aber lässt Knop einen Wildzaun errichten. „Sonst würden die Hühner nicht lange überleben. Fuchs und Waschbär sind nicht weit. Denn unmittelbar hinter der Grundstücksgrenze beginnt dichter Wald, durchzogen vom Hofegrundbach. „Ich hatte auch schon Rehe auf dem Grundstück. Hier einen Garten einzurichten, gefällt mir sehr.“

Das Beste kommt aber noch, sagt sie. Denn in ein, zwei Jahren wird auf dem Grundstück von dem jetzigen Verkehrslärm nichts mehr zu hören sein. „Vor meinem Tor verläuft dann die schmale Wirtschaftsstraße, die vielleicht von Radfahrern und ab und zu von Autos genutzt wird. Die Schnellstraße rückt weiter weg vom Grundstück. Sie liegt in einer Senke. Dazu wird noch ein Wall aufgeschüttet. Ich werde also nichts mehr von den Autos hören.“ Den vorderen Teil des Areals will sie für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Ein kleiner Park mit Rastbänken. „Die Lage ist ideal. In der Nähe führt ein Wanderweg vorbei. Über eine neue Brücke sind Spaziergänger aus Friedrichstal schnell hier, dazu die Radfahrer.“

Nein, allein will sie das alles nicht schaffen. „Ich hatte einen Aufruf gestartet. Jetzt helfen mir mehrere Familien, die Freude daran haben, hier den Garten einzurichten.“ Und was wird aus dem leeren Hotelgebäude? „Das bleibt erstmal stehen. Die Abrisskosten wären extrem hoch. Vielleicht werde ich die Mauern mit Rankpflanzen begrünen. Innen werde ich eventuell in einem Raum ein kleines Museum einrichten. Es soll die Geschichte des Grundstücks zeigen. Aber das ist Zukunftsmusik.“

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