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Große Hilfsbereitschaft nach Autodiebstahl

Diana Schietzel wurde in Radeberg der Skoda geklaut. Von dem Auto hängt ihre Existenz ab, deshalb suchte sie sogar selbst danach. Dann kommt unerwartete Hilfe.

Am Niedergraben in Radeberg hatte Diana Schietzel ihren Skoda Octavia abgestellt. Vergangene Woche wurde er gestohlen.
Am Niedergraben in Radeberg hatte Diana Schietzel ihren Skoda Octavia abgestellt. Vergangene Woche wurde er gestohlen. © Ove Landgraf

Radeberg. Nach einer schönen Feier kam für Diana Schietzel aus Radeberg die große Enttäuschung. Sie hatte am Wochenende vor einer Woche mit Verwandten, Bekannten und Freunden die Jugendweihe ihrer Tochter gefeiert. Ganz groß, mit gutem Essen. Die Utensilien, unter anderem mehrere Warmhaltegeräte, hatte sie nach der Feier in ihren Skoda Octavia geladen und wollte sie am Dienstag zum Besitzer, einer Fleischerei, zurückbringen. Am Montagabend nach einem gemütlichen Essen beim Italiener kam sie mit ihrer Tochter noch am Skoda vorbei, der in der Nähe ihrer Wohnung am Niedergraben stand. „Ich dachte noch bei mir, kann nichts passieren. Er steht nicht im Parkverbot und behindert auch keinen“, sagt die Radebergerin. 

Doch als sie am nächsten Mittag ins Auto steigen will, ist der Wagen weg. „Ich dachte erst, das ist ein Scherz und ich habe mich gefragt, ob ich ihn nicht doch woanders abgestellt hatte.“ Nein der Octavia blieb verschwunden. Diana Schietzel hat dann die Polizei angerufen. Die Fahndung wurde herausgegeben. „Danach habe ich auch auf Facebook Bilder von meinem Auto hochgeladen. Vielleicht hat ja jemand etwas bemerkt“, sagt die alleinerziehende Mutter, die neben ihrer Tochter noch ihren behinderten Sohn betreut.

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Tatsächlich meldet sich am Abend eine Zeugin, die das Auto mit dem auffälligen Aufkleber „Heimkinderausfahrt.de“ gesehen hat. Diana Schietzel organisiert diese Ausfahrten jedes Jahr mit. „Die Frau schilderte, wie sie in Tschechien kurz hinter der Grenze bei Sebnitz in einem Nagelstudio gesessen hat. Dort ist ihr der parkende Wagen aufgefallen. Bei dem Aufkleber habe sie noch gedacht, schön, dass es so etwas gibt“. Als die Zeugin dann aber googelte, fiel ihr auf, dass der Wagen als gestohlen gemeldet ist. Daraufhin schrieb sie Diana Schietzel an. „Ich habe mich dann gleich mit einem Bekannten aufgemacht. Zusammen sind wir nach Tschechien gefahren. Vielleicht steht er ja noch da, dachten wir.“ 

Doch ohne Erfolg. Auch eine zweite Suchaktion am nächsten Tag blieb erfolglos. Dann der Ärger mit dem Papierkram. „Die Versicherung zahlt erst in vier Wochen, das Auto könnte ja noch gefunden werden. Dann musste ich extra nach Kamenz fahren, um den Wagen abzumelden“, sagt sie.„Ich war verzweifelt. Ich brauche das Autos jeden Tag, um damit zur Arbeit zu fahren. Ich arbeite bei der DVB im Schichtdienst. Gerade nachts fahren kaum Busse oder Bahnen. Mein Beruf und damit meine Existenz hängt an dem Auto“, sagt die 45-Jährige.

Dann die Überraschung. Ohne dass Diane Schietzel es zunächst wusste, starteten ihre Kollegen eine Spendenaktion. Bei Paypal wurde ein entsprechendes Konto eingerichtet und es wurde im Internet zu Spenden aufgerufen. Inzwischen sind fast 3.000 Euro darauf eingegangen. Auch völlig Unbekannte haben gespendet.

Auto kostenlos zur Verfügung gestellt

Außerdem, und das hilft ihr in der gegenwärtigen Situation ganz besonders, stellte die Autowerkstatt Bosch Carservice Help ihr für zwei Wochen oder länger ein Auto kostenlos zur Verfügung. „Für mich war es selbstverständlich, dass ich helfe. Diana Schietzel hat großes Pech gehabt. Ich konnte sie schnell und unbürokratisch unterstützen, das habe ich getan“, sagt Geschäftsführer Lutz Leuthold.

Organisiert hat das Tom Weber, ein Bekannter. „Diana ist selber immer sehr hilfsbereit. Außerdem musste sie in der Vergangenheit gesundheitlich viel durchstehen. Da war es für mich selbstverständlich, auch ihr zu helfen“, sagt er. Er beschrieb den Vorfall auf seiner Facebookseite. „Da hat sich Lutz Leuthold gemeldet. Ihn kenne ich auch seit Jahren. Er bot an, das Auto zur Verfügung zu stellen. Zusammen mit Diana bin ich hingefahren. Sie hat sich riesig gefreut.“

In der gleichen Nacht stahlen die Diebe einen weiteren Skoda Octavia in Ottendorf-Okrilla. Der schwarze Kombi stand an der Buchenstraße. Handelte es sich um dieselbe Diebesbande, oder waren es unterschiedliche Täter? Nach Angaben der Polizei gehört die Marke Skoda zu den beliebtesten in der organisierten Kriminalität. Laut Katharina Korch von der Görlitzer Polizeidirektion würden die Spuren der Autodiebes-Banden nach Polen und Tschechien und weiter nach Osteuropa führen.

Ermittlern der Sonderkommissionen Kfz und Argus und Beamten in Polen und Tschechien ist es gelungen, in diesem Jahr bereits 40 Tatverdächtige zu ermitteln. Im vergangenen Jahr wurden im Bereich der Polizeidirektion Görlitz 449 Fahrzeuge gestohlen. In diesem Jahr sind die Fallzahlen bisher etwas niedriger.

Hoffnungen, dass Diana Schietzel ihren Skoda wiederbekommt, gibt es kaum. Laut Polizei werden die Autos meist in Einzelteile zerlegt. Vielleicht kommt ja aber über das Spendenkonto genügend Geld zusammen für ein Neues. 

Paypal-Spendenkonto: #Wir gemeinsam für Diana Schietzel

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