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Radeberg: Wohnprojekt nimmt wichtige Hürde

Auf das ehemalige Polypack-Gelände in der Radeberger Innenstadt kommt ein großer Neubau. Ein Kritikpunkt daran bleibt.

Die Stadt Radeberg hat grünes Licht für den Neubau an der Pulsnitzer Straße gegeben. Die Visualisierung zeigt das Projekt in einem frühen Planungsstadium.
Die Stadt Radeberg hat grünes Licht für den Neubau an der Pulsnitzer Straße gegeben. Die Visualisierung zeigt das Projekt in einem frühen Planungsstadium. © TBP Generalplaner

Radeberg. Das Aufatmen war hörbar. Eins der wohl prägendsten Gebäude in der Radeberger Innenstadt hat von der Stadt grünes Licht bekommen. Auf dem Gelände des ehemaligen Reisfaserwerkes an der Pulsnitzer Straße kann der mehrstöckige Wohnkomplex errichtet werden. Bis zuletzt hatte es Verhandlungen mit dem Investor gegeben. Am Ende stimmten 17 Stadträte für das Vorhaben, einer enthielt sich, und es gab vier Gegenstimmen.

Nach den Plänen des Investors werden zahlreiche moderne Wohnungen in drei Stockwerken entstehen. Sie sind über mehrere Treppenhäuser erreichbar (siehe Entwurf). Stellplätze entstehen in einer Tiefgarage. Nach den vorliegenden Plänen soll ein Gebäude mit Balkonen entstehen, das sich an der Straße hinzieht und mit zwei Flügeln einen U-förmigen Komplex bildet. Der Innenhof ist zur Großen Röder hin geöffnet.

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Es soll viel Grün geben, ein kleiner Teich und ein Bachlauf sind geplant. Laut den jetzt verabschiedeten Plänen wird das Gebäude anders als im obigen Entwurf auf den Hauptgebäuden geneigte Dächer haben. Das letzte Geschoss ist um mindestens 2,5 Meter zurückgesetzt, nur bei den Treppenhäusern ist das nicht erforderlich. Zum Schutz der Bewohner vor Straßenlärm soll es weitreichende Vorkehrungen geben. Balkone, Loggien oder Terrassen der Wohnungen müssen an der straßenabgewandten Seite angeordnet oder mit lärmschützender Verglasung ausgestattet werden. Schlafräume müssen ebenfalls an der von der Pulsnitzer Straße abgewandten Seite angeordnet oder mit einer schallgedämmten Belüftung versehen werden.

Geplante Zufahrt in der Kritik

Das Areal am Mühlgraben war jahrzehntelang eine Gewerbefläche. Zuletzt waren hier die Firma Polypack und das Reisfaserwerk angesiedelt. Auch wenn die Zustimmung groß war, die Mehrheit der Stadträte hat offenbar weiterhin Bauchschmerzen mit der Zufahrt. Geplant ist, die Haupteinfahrt in der Kurve am Beginn der August-Bebel-Straße anzulegen. Hier wird die Straße verbreitert, und es wird für die Bewohner des neuen Hauses eine Linksabbieger-Spur eingerichtet.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Frank-Peter Wieth hat Bedenken: „Wir sehen die Gefahr, dass es nach Fertigstellung bei der Zufahrt zur Tiefgarage zum Rückstau auf die Staatsstraße kommt, der dann wiederum den innerstädtischen Verkehr beeinflusst“, so Wieth.

Andere Stadträte bemängeln, dass die Zufahrt in einer Kurve liegt und womöglich schwer einsehbar ist. Mit dem Investor ist vereinbart, dass die Zufahrt nach Fertigstellung des Baus überprüft wird. Ob es dann an der Stelle neu geplant wird oder ob die von einem Gutachter vorgeschlagene Variante zwei umgesetzt wird, ist unklar.

Darin hatte der Verkehrsexperte vorgeschlagen, die Einmündung der Straße An den Leithen, schräg gegenüber der Dr.-Külz-Straße, umzugestalten. Dort sollten nach seinem Vorschlag zwei Linksabbiegerspuren eingerichtet werden, eine für Autos aus Richtung Norden, die andere in der Gegenrichtung.

Hohe Nachfrage nach Wohnungen in Radeberg

Allerdings war diese Variante schon im Vorfeld verworfen worden, da sie deutlich teurer ist als die jetzt beschlossene in der Kurve. Nach Berechnungen der Gutachter würde Variante zwei rund 800.000 Euro kosten, Variante eins 200.000 Euro. Laut Radebergs OB Gerhard Lemm (SPD) ist es wenig wahrscheinlich, dass es zu dieser Umgestaltung der Kreuzung kommt. „Das läge in der Zuständigkeit des Freistaates, und hier sind wie überall die Kassen durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht allzu üppig gefüllt.“

Besonders intensiv hat sich der Fraktionschef der Freien Wähler, Detlef Dauphin, mit dem Projekt auseinandergesetzt. „Es ist gut, dass wir zuletzt mit dem Investor den Vertrag noch einmal Punkt für Punkt durchgegangen sind. Das Gebäude wird für das Stadtbild Radebergs prägend sein. Höhe, Zufahrt, Emissionen, alles ist wichtig. Das war sicher im Sinne des Investors und ganz sicher auch im Sinne der Stadt“, sagte er.

Die CDU-Fraktion begrüßt den gefundenen Kompromiss. „Positiv sehen wir, dass ein innerstädtisches Gelände für den hohen Bedarf an Wohnraum genutzt werden kann, ohne weitere Flächen im Außenbereich in Anspruch zu nehmen“, sagte Frank-Peter Wieth. „Mit dem Vorhaben wird eine innerstädtische Baulücke geschlossen.“

In Radeberg ist die Nachfrage nach Wohnungen hoch. Mehrere Wohnhäuser werden derzeit in der Innenstadt gebaut oder sind geplant. So entstanden an der Otto-Bauer-Straße mehrere Gebäude. Erste Mietverträge waren unterschrieben, bevor auch nur eine Werbeanzeige geschaltet wurde. Die Mietpreise zogen an. Neun Euro pro Quadratmeter Kaltmiete und mehr wurden an der Otto-Bauer-Straße verlangt, was aber noch unter den Preisen in Dresden liegen soll. Bei neu gebauten Eigentumswohnungen ist zuletzt der Preis auch immer weiter gestiegen. So wurden in der im vergangenen Jahr fertiggestellten Anlage an der Langbeinstraße 3.400 Euro pro Quadratmeter ausgewiesen. Dennoch war die Nachfrage hoch.

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