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Radeberg: Rennen ums Bürgermeister-Amt hat begonnen

Der erste Bewerber für die Nachfolge von OB Lemm gibt seine Kandidatur bekannt. Wie sich die Parteien vorbereiten.

Wer zieht als neuer Bürgermeister ins Radeberger Rathaus? Der erste Bewerber hat sich gemeldet. Nach der Sommerpause wollen wollen die Parteien weitere Kandidaten bekanntgeben.
Wer zieht als neuer Bürgermeister ins Radeberger Rathaus? Der erste Bewerber hat sich gemeldet. Nach der Sommerpause wollen wollen die Parteien weitere Kandidaten bekanntgeben. © [email protected]

Radeberg. So früh hatten wohl die wenigsten damit gerechnet: Der erste Kandidat für die Wahl des neuen Bürgermeisters in Radeberg hat sich zu Wort gemeldet: Frank Höhme will das Rathaus erobern. In einem Jahr, im Juni 2022, wird ein neuer Oberbürgermeister gewählt. Der Neue tritt in große Fußstapfen, der jetzige OB Gerhard Lemm (SPD) hat die Geschicke der Stadt 27 Jahre geprägt. Zur nächsten Wahl tritt er nicht mehr an. Ein Pfund, mit dem Frank Höhme wuchern kann, ist seine Bekanntheit. Der Radeberger ist Chef der Freiwilligen Feuerwehr. Seit 2014 sitzt er im Stadtrat, zunächst für die SPD, trat dann aus der Partei aus, da er mit einigen Beschlüssen der Landes- und Bundesregierung nicht einverstanden ist, wie er sagt. Seitdem arbeitet er als Parteiloser im Stadtrat, ist Chef der Fraktion SPD, Linke/Grüne.

In keiner Partei zu sein, sieht Frank Höhme als Vorteil. „Das verpflichtet mich nicht, Parteiprogrammen zu folgen. Ich kann mich ohne Einschränkungen der Politik vor Ort widmen.“ Was seine politischen Ziele angeht, bleibt er noch vage. Er will die Stadt wirtschaftlich weiterentwickeln. Dabei soll die Lebensqualität für die Einwohner erhalten und verbessert werden. Der Familienvater setzt auf eine offene und intensive Kommunikation mit Einwohnern, Firmen und der Verwaltung. Details seines Wahlprogramms will er in den nächsten Wochen mitteilen.

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Frank Höhme (parteilos) kandidiert für das Bürgermeisteramt in Radeberg.
Frank Höhme (parteilos) kandidiert für das Bürgermeisteramt in Radeberg. © privat

Seine Kandidatur hatte sich in den vergangenen Wochen angedeutet. Immer wieder gab es Gerüchte. Außerdem war er stark in Sozialen Netzwerken aktiv und schrieb über stadtpolitische Themen. „Mein Umfeld wusste, dass ich mich bewerben will. Das hat sich immer mehr herumgesprochen. Es war für mich der Grund, jetzt an die Öffentlichkeit zu gehen. Ich wollte klar Position beziehen.“ Ob es ein Vorteil ist, sich so frühzeitig aus der Deckung zu wagen, kann er nicht sagen. „Vielleicht habe ich einen Bonus, weil ich mich als Erster zu Wort gemeldet habe. Gut ist, dass ich jetzt viel Zeit habe, mit Bürgern ins Gespräch zu kommen.“ Da er als Einzelbewerber kandidiert und nicht von einer Partei aufgestellt wird, muss Frank Höhme Unterstützer finden, die sich im Einwohnermeldeamt registrieren lassen.

CDU will parteilosen Kandidaten

Die anderen Parteien im Radeberger Stadtrat sind mit ihrer Kandidatenkür noch nicht ganz so weit. Die CDU als stärkste Kraft und mit einem Stimmenanteil von knapp 26 Prozent Gewinnerin der Kommunalwahlen 2019 will ihren Kandidaten bei einer Nominierungsveranstaltung küren. „Es gibt Vorschläge. Den Kandidaten oder die Kandidatin werden wir im Sommer festlegen und Ende August oder Anfang September bekannt geben“, sagt Frank-Peter Wieth, CDU-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat. Eins ist dabei sicher: Der Kandidat wird ebenfalls parteilos sein. „Wir wollen, dass unser Kandidat eine breite Unterstützung bekommt, auch über Parteigrenzen hinaus. Uns ist vor allem fachliche Kompetenz wichtig. Wir wollen, dass die Stadt gut geführt wird“, sagt er.

Die Freien Wähler, mit knapp 20 Prozent drittstärkste Kraft bei den Kommunalwahlen 2019, werden nach Angaben von Fraktionschef Detlev Dauphin keinen eigenen Kandidaten aufstellen. „Wir hatten einen aussichtsreichen Bewerber, er hat jedoch aus familiären Gründen wieder zurückgezogen“, sagt er. Im Rennen um das Bürgermeisteramt wollen die Freien Wähler dennoch ein Wörtchen mitreden. „Uns ist natürlich wichtig, dass Radeberg weiterhin gut verwaltet wird. Deshalb planen wir, die Kandidaten einzuladen und mit ihnen über ihre Vorstellungen zu sprechen. Dann wird sich zeigen, wen wir offiziell unterstützen.“

Der Fragenkatalog an die Bewerber dürfte dann umfangreich sein. Sollen Wohngebiete entwickelt werden, muss es weitere Gewerbegebiete geben, wie soll die Verkehrsführung aussehen? „Die Liste ist lang. Wir wollen wissen, wie die Kandidaten sich Radeberg in fünf oder zehn Jahren vorstellen. Wir brauchen jemanden, der eine positive Vision von der Stadt hat. Die Amtszeit ist mit sieben Jahren lang, in der Zeit kann der neue Bürgermeister schon einiges bewegen. Deshalb ist die Entscheidung auch so wichtig für die Stadt“, sagt Dauphin. Die AfD wurde bei den zurückliegenden Kommunalwahlen mit gut 21 Prozent zweitstärkste Kraft. Ein Bürgermeisterkandidat könnte vermutlich auch etliche Stimmen auf sich vereinen, doch noch ist unklar, ob die Partei einen Bewerber ins Rennen schickt. „Die Entscheidung ist noch nicht gefallen. Wir sind darüber noch in der Diskussion“, sagt AfD-Stadtrat Toralf Otto.

Die Diskussion ist auch bei den Grünen noch nicht abgeschlossen, wie Rolf Daehne sagt. „Es haben noch nicht alle Gremien abschließend darüber beraten. Ein Einzelbewerber muss ja diesen Prozess nicht durchlaufen, bei einer Partei ist das etwas umfangreicher“, sagt der ehemalige Stadtrat und jetzige Sprecher der Radeberger Grünen. Im September werden sie ihre Entscheidung bekannt geben.

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