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Rödertal: Fasching trotz Corona?

Wegen Corona wird der Karneval im Rödertal nicht in der gewohnten Form stattfinden. Ein wenig soll aber trotzdem gefeiert werden. Was die Clubs planen.

Traditionell findet vor dem Radeberger Rathaus die Schlüsselübergabe statt. Das wird auch in diesem Jahr wieder so sein, versprechen die Organisatoren. Andere Faschingsveranstaltungen im Rödertal werden wohl ausfallen.
Traditionell findet vor dem Radeberger Rathaus die Schlüsselübergabe statt. Das wird auch in diesem Jahr wieder so sein, versprechen die Organisatoren. Andere Faschingsveranstaltungen im Rödertal werden wohl ausfallen. © Archivbild: Thorsten Eckert

Radeberg. Von einer Katerstimmung ist man beim Lomnitzer Carneval Club (LCC) derzeit noch ziemlich weit weg. Warum auch. Beim rund 120 Mitglieder zählenden Club gibt man sich in diesen Tagen zuversichtlich. Ist ja eine Eigenschaft, mit der gerade Vollblut-Karnevalisten wie Robert Krause überreich gesegnet sind. Krause ist Präsident des LCC, der in dieser Funktion besonders viel Optimismus und Hoffnung zeigt. Zeigen muss. Gerade in diesen pandemischen Zeiten. Erkundigt man sich bei ihm, wie weit der Club mit den Vorbereitungen für die bevorstehende Session sei, erfährt man, dass „wir aktuell planen, es machen zu wollen“. Übersetzt heißt das so viel wie: Wir würden zwar gerne am 11.11. in die Fünfte Jahreszeit starten, wissen aber nicht, ob es überhaupt möglich ist. 

Denn die Corona-Krise dürfte wohl auch im Rödertal zum Karnevalskiller werden. Man kann davon ausgehen, dass die närrische Zeit im Rödertal in diesem Jahr auf jeden Fall völlig anders ablaufen wird als in den Jahren zuvor, Covid-19 sicher jeden Anflug von übergroßer Ausgelassenheit und Frohsinn bremsen dürfte. Zu groß ist bei vielen die Angst vor den Coronaviren. 

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So ahnt die hiesige Narrenzunft, dass wohl bereits lange vor Aschermittwoch alles vorbei sein wird. LCC-Präsident Krause erzählt, dass man sich in einem merkwürdigen Zustand befinde. Einerseits bereite man alles für die bevorstehende Session vor, anderseits habe man ständig die Pandemie und deren Auswirkungen im Hinterkopf. Mental sei das unangenehm, so der 32-Jährige, der auf die Gardetanzgruppen des Vereins hinweist. „Die haben das ganze Jahr trainiert und dürfen nun ihre Show nicht vorführen.“ Tanzveranstaltungen seien ja verboten. 

Faschings-Karaoke im Volksheim?

Derzeit überlegt man beim LCC, ob man im Volksheim vielleicht einen närrischen Karaoke-Abend veranstalten kann. Man müsse abwarten, wie sich die Pandemie entwickeln werde, so Krause, und - ganz wichtig - wie Anfang November die neue Sächsische Corona-Schutzverordnung aussehen werde, die vielleicht mehr zulässt als die im August erlassene Verordnung mit den weitreichenden Verboten, den vielen Hygieneregeln und Kontaktbeschränkungen, was ja alles nicht vereinbar mit der Karnevalskultur ist. 

Ein paar Kilometer weiter hat man beim Ottendorfer Carnevals Club die Session bereits abgehakt. „Der Karneval wird wohl bei uns ausfallen“, meint Präsident Marcus Stephan. Und damit auch alle elf Veranstaltungen des Clubs. Denn, so Stephan, „ein halbvoller Saal rentiert sich für uns einfach nicht“. Die Situation „macht einen schon ziemlich traurig“, findet er. 

Ausgelassen feiernde Menschen, die tanzen und singen, all das, was man mit Karneval gemeinhin verbindet, ist in diesen Pandemiezeiten undenkbar. Das weiß man auch beim Langebrücker Karnevalsverein Latollka. Die im Bürgerhaus geplanten Veranstaltungen im November und im kommenden Februar werden nicht stattfinden, erklärt Hans-Egbert Korb, der fast drei Jahrzehnte Präsident des Vereins war. Karneval mit Mindestabstand und Maskenpflicht, „uns war klar, dass eine sterile Faschingsparty nicht funktionieren wird“, so der 70-Jährige. 

Aber Karnevalisten sind ja kreative Menschen. So werden die Langebrücker die Schlüsselübergabe auf dem Areal der in der Dresdner Heide gelegenen Gaststätte Hofewiese zelebrieren. Allerdings nicht am 11.11. sondern am 14. November. Das sei ein Samstag, so Alt-Präsident Korb, und da, ist er sicher, „kommen bestimmt mehr Menschen als an einem Wochentag“. Im Februar wolle man dort auch eine kleine karnevalistische Freiluftveranstaltung durchführen. „Hängt aber vom Wetter ab“, so Korb. Und vom pandemischen Geschehen. Wenn im Winter „die Coronazahlen hochgehen“, so Korb, hätten ohnedies die wenigsten Lust auf Fasching. 

Schlüsselübergabe am Radeberger Rathaus

In Arnsdorf geht es in der Narrenzeit ebenfalls hoch her. Als Frank Eisold, der Chef des örtlichen Karnevalsclubs, jüngst von der Absage des Sitzungs- und Straßenkarnevals in den rheinischen Hochburgen erfuhr, stand für ihn fest, dass diese Entscheidung auch Auswirkungen auf das närrische Treiben in Sachsen haben wird. Der Karneval im Freistaat sei zwar anders strukturiert als im Rheinland, wo der Straßenkarneval dominiere, so Frank Eisold. Aber die im hiesigen Karneval so beliebten Discoveranstaltungen seien ja verboten. 

Folglich, so Eisold, werde man nach aktuellem Stand im November keine Veranstaltung mit Gästen durchführen. Alles sei in der Schwebe, alles unsicher, man befinde sich, wie andere Karnevalsvereine in der Region sozusagen „zwischen Baum und Borke“, wisse nicht, wie man an die bevorstehende Session herangehen solle. Man werde vorerst wie gewohnt planen, die neue Corona-Schutzverordnung abwarten. Erst dann werde man Entscheidungen treffen. 

Beim Großerkmannsdorfer Karnevalsverein wird man, wie in den Jahren zuvor auch, traditionell in die 54. Session gehen. Mit der Schlüsselübergabe im Radeberger Rathaus, einer kleinen Feier auf dem Marktplatz. „Findet auf jeden Fall statt“, betont Präsident Carsten John. Aber sonst sei vieles offen. Man arbeite zwar an Hygienekonzepten, bereite sich auf die Themen der Session vor, wisse aber, dass die kommende Faschingszeit auf jeden Fall Einschränkungen mit sich bringen werde, so John weiter. Der will sich von Corona aber den Frohsinn nicht verderben lassen. „Irgendwie“, davon ist der Großerkmannsdorfer überzeugt, „wird es mit dem Karneval hier bei uns schon weitergehen“.

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