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Gedanken einer Kassiererin zu Corona

Im ersten Lockdown gehörten Menschen wie die Radeberger Verkäuferin Maren Merz zu den Helden des Alltags. Die 54-Jährige blickt auf das Coronajahr zurück.

Die Euphorie um Alltagshelden wie die Kassiererin Maren Merz vom Radeberger Edeka-Markt legte sich schnell. Zurück blieben gereizte Kunden.
Die Euphorie um Alltagshelden wie die Kassiererin Maren Merz vom Radeberger Edeka-Markt legte sich schnell. Zurück blieben gereizte Kunden. © René Meinig

Radeberg. Im vergangenen Frühjahr gehörten Menschen wie Maren Merz zu den Helden des Alltags. Da bekam die 54-Jährige, die im Radeberger Edeka-Einkaufsmarkt als Verkäuferin arbeitet, erstmals mit, was es bedeutet, wenn man in der Pandemie-Zeit das ist, was man als „systemrelevant“ bezeichnet. Ihre Berufsgruppe zählte nach dem Ausbruch des Coronavirus zu den unentbehrlichen Menschen, die das eingeschränkte Alltagsleben in der Krisenzeit am Laufen hielten. Die Euphorie um die Alltagshelden legte sich in Deutschland recht schnell.

Wie schaut die Radeberger Verkäuferin auf das zurückliegende Coronajahr? Wie sind die Leute derzeit drauf, wenn sie den Einkaufsmarkt im Radeberger Stadtzentrum betreten? Viele seien mittlerweile mächtig genervt von all den Beschränkungen in dieser Coronazeit, erklärt sie. Wenn sie an der Kasse sitze, sei sie manchmal richtig erschüttert. Erschüttert darüber, wie sich die Freundlichkeit vieler Kunden in den vergangenen Monaten verloren hat. „Die meisten sind nur noch gereizt und müde und oft uneinsichtig.“

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„Masken schaffen Distanz, darunter leidet die Kommunikation“

Seit sieben Jahren arbeitet sie im Radeberger Edeka-Einkaufsmarkt, ist dort eine von 80 Mitarbeitern. Den Job, den sie macht, den hat sie immer gerne gemacht. Etliche Kunden kennt sie. Zu Vor-Corona-Zeiten war hier und da ein kleiner Plausch möglich. Und jetzt?

Der Kontakt zur Kundschaft sei mittlerweile ein völlig anderer geworden. Sie zeigt auf ihre Maske, die sie auch während des Gesprächs trägt. „Masken schaffen Distanz, darunter leidet die Kommunikation.“ Sie erinnert sich noch an den Beginn des ersten Lockdowns im vergangenen Frühjahr, als sie das erste Mal mit einer Maske an der Kasse saß.

Die Mund-Nasen-Bedeckung, die Trennscheibe, sie schüttelt sich: „Echt, das war beklemmend“. Dazu die Angst, dass das stundenlange Maskentragen vielleicht zur Atemnot führen könne. Aber „man hat sich an alles gewöhnt“, erzählt sie. Ging ja nicht anders.

Es gebe Tage, da brauche es Nerven wie Drahtseile

Bis vor einem Jahr hätte sie sich nicht vorstellen können, dass in ihrem Job einmal so viel Einfühlungsvermögen gefragt sein würde. Ein Verständnis für die coronabedingte Launenhaftigkeit der Kundschaft zu entwickeln, wirklich, das sei echt nicht einfach. „An der Kasse müssen wir oft einiges wegstecken“, umschreibt sie das, was sich da an manchen Tagen im Kassenbereich abspielt.

Hässliche Szenen seien das. „Die Leute schaukeln sich da an Kleinigkeiten hoch.“ Etwa, wenn jemand keine Maske trage, oder der Mindestabstand im Kassenbereich nicht eingehalten werde. „Wir müssen die Leute schon darauf hinweisen, dass das nicht geht.“ Ssolch öffentliche Zurechtweisung kommt nicht immer gut an. Ergebnis: Der allgemeine Coronafrust schwappt aufs Kassenpersonal über.

Kassiererin freut sich über jedes Dankeschön

Ihre Arbeit sei in der Coronazeit zweifelsohne stressiger, seelisch belastender geworden. Was sie sich in diesen Zeiten wünscht, wenn sie an der Kasse sitzt, das sei einfach mal ein schlichtes „Dankeschön“, ein freundliches Lächeln, obwohl, das sieht man ja nicht hinter der Maske. Jedenfalls eine positive Reaktion, die einen angespannten Arbeitstag wieder zu einem guten und erfüllten macht.

Sie erzählt davon, dass ihr vor einiger Zeit jemand an der Kasse Pralinen geschenkt habe. Einfach so. Und sich bedankt habe für ihre Arbeit, die sie in dieser Zeit leiste. „Diese Geste hat mich über den ganzen Tag getragen, das hat so immens gutgetan.“ Von solchen Momenten müsse man dann lange zehren.

Zum Schluss erzählt sie, dass sie sich, wie alle, so sehr nach einem normalen Leben sehnt. Einem ohne Corona, ohne Maske und all das. Aber „ich fürchte, so wie es jetzt ist, wird es leider noch eine lange Weile bleiben“. Mindestens bis zum nächsten Jahr. So bleibt wenigstens die kleine Hoffnung auf eine nette Geste, ein Lächeln der Kunden, das zwar trotz Maske hängen bleibt, aber dennoch ein klein wenig motiviert.

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