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Schweinepest setzt Bauern im Rödertal unter Druck

Auch wenn in Sachsen noch kein Fall bekannt ist, leiden Betriebe im Landkreis unter der Tierseuche. Jäger versuchen, den Wildschweinbestand zu verringern.

Die Afrikanische Schweinepest kann durch Wildschweine auf Hausschweine übertragen werden. Meist sterben die Tiere daran.
Die Afrikanische Schweinepest kann durch Wildschweine auf Hausschweine übertragen werden. Meist sterben die Tiere daran. © Symbolfoto: Lino Mirgeler / dpa

Rödertal. Die Afrikanische Schweinepest ist hoch ansteckend. Sie kann unter anderem durch Kontakt der Tiere untereinander oder durch infiziertes Futter übertragen werden. 200 Tage lang bleiben die Viren in Spuren der Tiere aktiv. Für Schweine ist die Krankheit meist tödlich. Groß ist der Schaden, wenn das Virus in Schweinezuchtanlagen eingeschleppt wird.

Nach zahlreichen Fällen in Polen wurden jetzt infizierte Tiere in Brandenburg gefunden. Alles weit weg? Keine Gefahr für die Landwirte im Landkreis Bautzen? Keineswegs, sagt Stefan Triebs, Vorsitzender des Regionalbauernverbandes Kamenz-Bautzen. Die Landwirte leiden schon jetzt unter der Situation. „Der Preis für Schweinefleisch ist in den Keller gegangen“, sagte der Landwirt. Keiner will mehr deutsches Fleisch, China und weitere asiatische Staaten haben Einfuhrstopps verhängt.“ 

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Nach seinen Angaben gab es noch vor einigen Monaten 1,70 Euro für das Kilo Schweinefleisch, jetzt seien es nur noch 1,27 Euro. „Letztlich bleiben pro Tier dem Halter gerade mal 27 Euro übrig. Davon müssen dann Personal, Strom und die anderen Kosten im Betrieb bezahlt werden. Schweinehaltung ist so kaum noch wirtschaftlich zu betreiben.“ 

Lückenloser Zaun um Landwirtschaftsbetriebe

Stefan Triebs bedauert, dass beim Fleischexport nicht nach Regionen unterschieden wird. „Ist in Deutschland nur ein Fall auf getreten, sind vom Ausfuhrstopp alle Betriebe in der Bundesrepublik betroffen. Die Bundesregierung arbeitet an einer regionalen Differenzierung, umgesetzt ist das aber noch nicht.“ Er wünscht sich auch, dass eine Strategie für den Fall ausgearbeitet wird, dass die Afrikanische Schweinepest für längere Zeit in der Region oder sogar in ganz Deutschland grassiert. „Das fehlt nach meiner Einschätzung. Denn die Auswirkungen einer dauerhaften Verbreitung wären gravierend.“ Allein im Landkreis Bautzen wurden nach Angaben des Statistischen Landesamtes im Jahr 2018 rund 85.000 Schweine gehalten. 

Mit einer lückenlosen Umzäunung der Betriebe, Desinfektionswannen an Eingängen und Zufahrten versuchen die Landwirte eine Übertragung auf ihre Bestände zu verhindern. „Diese Dinge wurden auch zum Schutz vor anderen Tierkrankheiten eingerichtet. Jetzt, mit dem Näherrücken der Afrikanischen Schweinepest, sind natürlich die Tierhalter besonders sensibilisiert.“ 

Tote Wildschweine dem Veterinäramt melden

Inzwischen ruft auch das Landratsamt Bautzen dazu auf, keine Fleisch- oder Wurstprodukte in die Natur zu werfen, sondern in verschlossene Mülltonnen. Jeder sollte dem Veterinäramt melden, wenn er tote Wildschweine findet und Fleisch- oder Wurstprodukte aus Risikogebieten wie Polen, Rumänien und eben auch Brandenburg besser nicht mitbringen. Insbesondere Hobbyhalter sollten darauf achten, dass keine Speiseabfälle an Schweine verfüttert werden dürfen.

Auf der anderen Seite versuchen Jäger, der Ausbreitung der Schweinepest vorzubeugen. „Wichtig ist es, den Bestand an Schwarzwild zu reduzieren. Das mindert die Gefahr einer Übertragung auf Wildschweinbestände in Sachsen. Auch die Infektionsgefahr unter den Tieren verringert sich dadurch“, sagt Jäger Andrzej Krysztofinski aus Klotzsche. Er begrüßt, dass jetzt den Jägern mehr Geld bezahlt wird, wenn sie nach dem Abschuss mit dem Veterinäramt zusammenarbeiten und Proben abgeben. 100 Euro gibt es für jedes abgeschossene Tier. Bisher waren es 30 Euro. 

Es gibt ständigen Wildwechsel nach Polen

Krysztofinski rechnet aber nicht damit, dass jetzt die Abschusszahlen sprunghaft ansteigen. „Der Aufwand, ein solches Tier zu erlegen, ist schon beträchtlich. Der Jäger muss mehrmals rausfahren. Da ist viel Zeit notwendig und es ist ungewiss, ob ein Tier zur Strecke gebracht werden kann.“ Er plädiert dafür, eine Prämie gezielter einzusetzen, nämlich dort, wo infizierte Tiere gefunden wurden und weitere Ansteckungen drohen. „In Stadtnähe ist auch die Gefahr größer, dass sich die Schweine an infizierten Speiseresten anstecken. Auch hier ist eine stärkere Bejagung sinnvoll.“ 

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Krysztofinski hofft nicht, dass sich die Krankheit auch nach Sachsen ausbreitet. „Doch die Wahrscheinlichkeit ist hoch. Es gibt ständigen Wildwechsel nach Polen. Jetzt kommen noch die Funde in Brandenburg dazu.“ Der Jäger sieht Sachsen allerdings gut vorbereitet.

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