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Pilzesammeln: „So etwas habe ich noch nicht erlebt“

In den Rödertaler Wäldern rund um Radeberg sind derzeit viele Pilzsammler unterwegs. Das hat auch mit Corona zu tun.

Pilzberater Eckart Klett aus Liegau-Augustusbad ist derzeit ein gefragter Mann. Mehr als 80 Beratungen hat er in diesem Jahr bereits durchgeführt. So viele waren es zu diesem Zeitpunkt noch nie.
Pilzberater Eckart Klett aus Liegau-Augustusbad ist derzeit ein gefragter Mann. Mehr als 80 Beratungen hat er in diesem Jahr bereits durchgeführt. So viele waren es zu diesem Zeitpunkt noch nie. © Archiv: Thorsten Eckert

Radeberg. Seine Visitenkarten stehen derzeit hoch im Kurs. Das sei ein deutliches Zeichen für das gestiegene Interesse an einer Pilzberatung, meint Eckart Klett. Der in Liegau-Augustusbad lebende 70-Jährige gehört zu den Pilzsachverständigen in der Lausitz, die immer dann in den Blickpunkt rücken, wenn die Pilzsaison startet und Menschen im Wald Maronen, Herbsttrompete, Schopf-Tintling oder Pfifferlinge für eine schmackhafte Mahlzeit sammeln.

Doch die diesjährige Pilzsaison, die laut Klett „bereits im Mai“ begonnen hat, sei ganz anders als in den Vorjahren, erklärt er. Die Witterungsbedingungen in diesem Jahr seien für Pilze ideal, der feuchte Sommer habe dafür gesorgt, dass diese förmlich aus dem Boden schießen. Klett gerät bei seinen Exkursionen mittlerweile ins Staunen. Denn die Parkplätze in den hiesigen Waldgebieten sind rappelvoll, zahlreiche mit Körbchen ausgestattete Menschengruppen sieht er durch die Wälder im Rödertal streifen. Toll findet der Liegauer, dass zunehmend Kinder und Jugendliche das Pilzesuchen für sich entdeckt haben. „Das habe ich in der Form so auch noch nicht erlebt.“ Und das heißt schon was - schließlich hat der gebürtige Pirnaer einen Großteil seines Lebens den Pilzen gewidmet, seit 13 Jahren arbeitet er als Pilzberater.

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Nächster "Pilzschub" jetzt im Oktober erwartet

Dass in diesem Jahr vor allem junge Familien die Lust am Pilze suchen entdeckt haben, erfüllt ihn ebenfalls mit Freude. Denn insgeheim hofft Klett darauf, vielleicht den ein oder anderen jungen Erwachsenen für die Mykologie, für die Tätigkeit eines Pilzsachverständigen, begeistern zu können. Ein weiteres Kriterium für diese ungewöhnliche Pilzsaison: „Ich habe schon mehr als 80 Beratungen gemacht“, so Eckart Klett. So viele waren es zu diesem Zeitpunkt noch nie. Dabei stehe die Saison noch vor der Hoch-Zeit. Klett ist davon überzeugt, dass er seinen Beratungsrekord aus dem vergangenen Jahr, da war sein Expertenrat in 122 Fällen gefragt, ganz sicher überbieten wird.

Ein Grund für das gestiegene Interesse an der Pilzsuche sei die Corona-Krise. „Da haben die Leute mehr Zeit, halten sich häufiger in der Natur auf.“ Stichwort Waldbaden - das Spazierengehen durch den Wald. Ein Trend, der durch die Pandemie noch Schwung bekommen habe. Man kann sich frei bewegen, entschleunigen.

Manch einer schaut dann natürlich auch, welche Pilze am Wegesrand wachsen. Allerdings kann man dabei kräftig daneben liegen und, wenn es besonders schlecht läuft, sich eine Pilzvergiftung zuziehen. Dann ist der Rat von Pilzberatern wie Eckart Klett in Krankenhäusern und bei Ärzten gefragt.

Vor seinem Haus steht eine Infotafel, auf der neben Terminen für Waldexkursionen auch Giftnotrufnummern vermerkt sind. Auch ein Pilzbriefkasten findet sich dort, Interessenten können ihre Pilze ablegen, zu denen sie Fragen haben.

Wer in diesen Tagen in den Wäldern unterwegs ist, wird sich allerdings etwas wundern, denn: gegenwärtig findet man kaum welche. Es herrsche „eine Flaute“, wie das Klett beschreibt. Das sei aber nicht ungewöhnlich. Der Grund: Da „bereitet sich ein neuer Pilzschub vor“. Denn die beste Pilzzeit ist ja der Oktober. Fest steht dann, dass der Beratungsbedarf weiter steigen wird.

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Wer übrigens mehr über Pilze erfahren möchte, hat dazu am 10. Oktober die Gelegenheit. An diesem Tag findet auf der Hofewiese in der Dresdner Heide eine Pilzausstellung statt. In der Zeit von 10 bis 17 Uhr werden Eckart Klett und sein Kollege Steffen Schulze die Besucher über die Welt der Pilze informieren. Eine Gelegenheit, die man nutzen sollte, so der 70-jährige Klett. Sei diese Pilzausstellung doch die einzige, die in diesem Jahr in der Region veranstaltet werde. Die Besucher können sich auch Tipps von den Experten holen, etwa an welchen Stellen man in den Wäldern Pilze „für eine schmackhafte Mahlzeit“ findet, sagt Eckart Klett.

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