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So sind Wehren im Rödertal auf eine Flut vorbereitet

Die Wetterkatastrophen im Westen Deutschlands haben auch die Einsatzkräfte überrascht. Wie schnell könnten die Feuerwehren im Rödertal reagieren?

Frank Höhme leitet die Feuerwehr Radeberg. Anwohner sollten eine Warnapp nutzen, rät er.
Frank Höhme leitet die Feuerwehr Radeberg. Anwohner sollten eine Warnapp nutzen, rät er. © Marion Doering

Radeberg. Eine gute Vorbereitung gibt Sicherheit. Zu wissen, was einen erwartet, was auf einen zukommen kann, das ist auch für Feuerwehrleute etwas, was hilft. Allerdings: „Wie soll man sich auf so ein gigantisches Hochwasser vorbereiten, wie man es jüngst im Westen Deutschlands gesehen hat?“, fragt Sven Opitz. Natürlich sei bei den Einsätzen dort nicht alles rund gelaufen. Wie auch. Erfahrungswerte mit solchen Jahrhundertfluten, die habe man ja kaum, beschreibt es der Arnsdorfer Wehrleiter. Opitz war angesichts der furchtbaren Bilder der Hochwasserkatastrophe erschüttert.

Schwere Regenfälle hatten vergangene Woche ganze Ortschaften in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Bayern zerstört. Aktuellen Prognosen zufolge werden sich Starkregenereignisse deutschlandweit häufen und damit auch die Einsätze der Feuerwehr. Stellt sich die Frage, wie die hiesigen Wehren mit solchen Extremwetterereignissen umgehen, wie gut sind sie vorbereitet.

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2002 gehörte Tobias Kröner zu den Einsatzkräften in Dresden, als die Elbe weite Teile der Stadt unter Wasser setzte. Damals bekam der Ottendorfer Gemeindewehrleiter einen Eindruck, welche Schäden eine Flut anrichten kann, bei Gebäuden wie auch Menschen.

Für die Ottendorfer Wehr stand jüngst der Röderpegel bei Radeberg verstärkt im Blickpunkt. Alarmstufe 2. Nicht dramatisch, aber Grund genug, um in der Großgemeinde Kontrollfahrten durchzuführen. „Bei Starkregen ist der Pegel unsere Orientierung, sehen wir, was auf uns zukommen könnte“, so der Gemeindewehrleiter. Ist die Ottendorfer Wehr auf Flutkatastrophenszenarien vorbereitet?

Es gebe ein Hochwasserschutzkonzept, die Gemeinde sei gut aufgestellt für den Ernstfall und die Ottendorfer Feuerwehr sei es ebenfalls, so der Gemeindewehrleiter. Kröner weist auf die Spezialisierung der Ortsfeuerwehren hin. Bei Hochwasser sei in der Großgemeinde die Grünberger Wehr gefragt. Nicht nur wegen des Schlauchboots, das diese besitze, sondern auch wegen des rettungstechnischen Equipments für einen solchen Einsatz.

Leppersdorf jetzt sicherer gegen Hochwasser

Ereignisse wie die im Westen Deutschlands sind für freiwillige Feuerwehren eine Herausforderung. Weniger wegen der steigenden Anzahl, vielmehr wegen der Art der Einsätze. Denn laut Meteorologen sind die Extremwettereinsätze in den vergangenen Jahren bundesweit gestiegen. Hinzu kommt, dass das Wetter immer unberechenbarer werde.

Dies hat Dominik Thamsen in den vergangenen Jahren häufiger registriert. Thamsen ist in der Wachauer Gemeinde fürs Feuerwehrwesen zuständig, leitet die Wehr im Ortsteil Wachau. Er habe schon oft beobachtet, dass Orte wie Lomnitz oder Leppersdorf von Starkregen betroffen seien, während ein paar Kilometer weiter die Sonne geschienen habe. Seiner Auffassung nach sind Unwetterereignisse, wie man sie jüngst in der Eifel oder Bayern erlebt habe, schwer vorhersehbar. Im Prinzip könne man da nur reagieren statt zu agieren.

So habe man in Leppersdorf aus dem Hochwasser der zurückliegenden Jahre gelernt. Im Ernstfall lasse man bei einem Unwetter den Dorfteich ab, als Pufferzone für starke Regenmengen. In gewisser Weise sei es für Einsatzkräfte bei Extremwetterlagen meist „ein reines Glücksspiel“, rechtzeitig Vorkehrungen zu treffen. Grundstückseigentümern in der Region rät Thamsen jedenfalls, Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. „Man sollte genügend Sandsäcke im Haus haben.“

Radebergs Wehrleiter Frank Höhme findet, dass natürlich auch immens wichtig sei, die Bevölkerung bei Unwetterlagen eindringlich zu warnen. Wenn beispielsweise Starkregen drohe, so Höhmes Rat, solle man unbedingt Radio und TV einschalten oder die Warn-App Nina des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe nutzen.

Ansonsten, so Wehrleiter Höhme, sei die Radeberger Feuerwehr für Katastrophenszenarien „relativ gut ausgerüstet“. Man wisse sich zu helfen, der Ausbildungsstand sei gut. Und in der Landesfeuerwehrschule gebe es mittlerweile Ausbildungsbereiche, werden Wehrleute für Einsätze in Hochwassergebieten eigens geschult und trainiert.

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