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So will Radeberg das Parkplatzproblem lindern

Bauherren müssen mehr Stellplätze anbieten. Wer das nicht kann, zahlt höhere Ablösesummen.

In der Radeberger Innenstadt fehlen Stellflächen. Der Parkplatz an der Oberstraße ist meist komplett belegt.
In der Radeberger Innenstadt fehlen Stellflächen. Der Parkplatz an der Oberstraße ist meist komplett belegt. © René Meinig

Radeberg. Die Stadt Radeberg ist bei Zuzüglern beliebt, mehrere Wohnprojekte sind allein in der Innenstadt geplant: An der Langbeinstraße, an der Otto-Bauer-Straße, an der Oberstraße, an der Kreuzung Pulsnitzer Straße/An den Leithen. Allein in den Jahren zwischen 2009 und 2019 ist die Zahl der Bewohner um mehr als 40 Prozent gestiegen.

Bei allen Vorteilen, die die Zuzüge für die Stadt bedeuten, es erhöht sich damit aber auch das Parkplatzproblem. Bauherren müssen zwar schon jetzt eine bestimmte Anzahl Stellplätze einplanen. Allerdings war in der bisherigen Verordnung eine Spanne festgelegt. „Dabei ist stets nur der untere Mindestwert zur Anwendung gekommen“, wie OB Gerhard Lemm (SPD) mitteilt. Jetzt hat die Stadt die Zahl genau festgelegt. So sind für Wohnungen mit einer Wohnfläche von mehr als 85 Quadratmetern zwingend zwei Stellplätze vorgeschrieben. Bisher war es mindestens ein Stellplatz.

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In den Ortsteilen steigen Ablösesummen am meisten

Bei Bürogebäuden ist der Anstieg größer. So musste bisher in Radeberg pro 40 Quadratmeter mindestens ein Platz zur Verfügung gestellt werden, jetzt sind es pro 30 Quadratmetern. Beispielsweise bei einem Bürohaus mit einer Nutzfläche von 400 Quadratmetern waren es bisher zehn, so kommen jetzt drei weitere hinzu.

Auch die sogenannte Ablösesumme, die ein Bauherr zahlen muss, wenn er beispielsweise aus Platzgründen nicht ausreichend Parkplätze anbieten kann, wurde angehoben. Während bisher 3.000 Euro für die Ablöse eines Stellplatzes in der Innenstadt gezahlt werden mussten, sind es jetzt im Stadtkern zwischen Pulsnitzer Straße und Wasserstraße 3.450 Euro. In den übrigen Stadtgebieten wurden bisher 2.250 Euro verlangt. Jetzt sind es 3.340 Euro im äußeren Stadtgebiet, beispielsweise in der Südvorstadt oder in Lotzdorf.

Stark fällt die Anhebung in den Ortsteilen Ullersdorf, Großerkmannsdorf und Liegau-Augustusbad aus. Hier werden künftig mehr als 1.000 Euro pro Stellplatz als Ablöse verlangt. Von 2.250 Euro steigt der Satz auf 3.530 Euro. Die Stadtverwaltung behält sich vor, den Satz alle zwei Jahre zu ändern. „In dem Zeitraum werden wir uns die Bodenrichtwerte ansehen und gegebenenfalls Anpassungen vornehmen“, sagt OB Gerhard Lemm. Heißt also, wenn der Bodenrichtwert steigt, könnte auch die Ablösesumme steigen. Die Veränderungen gelten für künftige Bauvorhaben.

Erlöse sollen Parkhaus mitfinanzieren

Die CDU im Radeberger Stadtrat ist für die Neuerungen. „Es ist notwendig, dass Bauherren ausreichend Stellplätze zur Verfügung stellen. Zugleich ist es wichtig, die Schwellen für Ablösezahlungen an die Stadt Radeberg bei Nichterfüllung dieser Stellplatzpflicht zu erhöhen“, sagteFrank-Peter Wieth, CDU-Fraktionschef. Andernfalls würde sich die Parkplatzsituation für Anwohner und Gäste weiter verschärfen.

Auch Detlev Dauphin, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, begrüßt die Änderungen. „Wir als Freie Wähler haben darauf gedrungen, dass die zwei Stellplätze erst ab einer Wohnungsgröße von 85 Quadratmetern notwendig sind. Sinnvoll ist auch die Anpassung der Ablösesummen. Das Geld soll ja dazu beitragen, beispielsweise das Parkdeck in der Innenstadt zu finanzieren“, sagt Dauphin.

Erst kürzlich hatte die Stadt Radeberg eine Studie in Auftrag gegeben. Darin wurde der Parkplatzbedarf ermittelt. Die Autoren erfragten die für jedes Haus vorhandenen Stellplätze. Sie recherchierten wie viele Parkplätze pro Geschäft oder Firma zur Verfügung stehen.

Besonders entlang der Hauptstraße ist der Bedarf hoch. Aber auch an den umliegenden Straßen haben Anwohner, Kunden und Mitarbeiter oft wenig Möglichkeiten. So in Teilen der Kirchstraße, der Pulsnitzer Straße oder der Röderstraße. Dem wurden die öffentlichen Parkplätze gegenübergestellt, so die große Parkfläche an der Oberstraße und der Parkplatz an der Langbeinstraße.

Mehr Parkplätze an der Oberstraße

Aber auch straßenbegleitende Parkflächen rechneten die Autoren ein. Ebenso wurden die Brachflächen dazugezählt, auf denen derzeit Autos parken. Die beiden größten befinden sich an der Pirnaer Straße und an der Langbeinstraße gegenüber von Schloss Klippenstein. Dennoch reicht das Angebot der Parkflächen laut der Studie nicht aus. Rechnerisch fehlen in der Innenstadt 523 Stellplätze.

Im Februar dieses Jahres verabschiedete der Stadtrat das Stadtentwicklungskonzept. In dem ist festgelegt, dass oberhalb des Edeka-Supermarktes ein Parkhaus entsteht und der Parkplatz erweitert wird. Das Parkhaus ist vor allem für Beschäftigte, Anwohner und Besucher gedacht. Mit dem Bau könnte schon im nächsten Jahr begonnen werden, 2024 ist die Fertigstellung geplant. Statt der jetzt verfügbaren 96 Plätze könnten dann bis zu 232 Stellplätze an der Oberstraße genutzt werden. Mit Grundstückskauf und Parkplatzerweiterung soll alles rund 2,6 Millionen Euro kosten.

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