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Im Trilex: Streit um Corona-Maske eskaliert

Ein Mann ohne Mund-Nasen-Schutz soll bei Radeberg den Zug nach Dresden verlassen. Dabei ist er im Recht.

In einem Trilex-Zug zwischen Radeberg und Dresden ist es zum Streit über die Maskenpflicht gekommen. Ein Mann mit Schwerbehindertenausweis wurde aufgefordert auszusteigen, doch er weigerte sich.
In einem Trilex-Zug zwischen Radeberg und Dresden ist es zum Streit über die Maskenpflicht gekommen. Ein Mann mit Schwerbehindertenausweis wurde aufgefordert auszusteigen, doch er weigerte sich. © Symbolfoto: Matthias Weber

Radeberg/Dresden. Es war spät an jenem Freitag. Jan Wollmann wollte schnell nach Hause mit dem Trilex-Zug, 0.30 Uhr von Radeberg nach Dresden. Dass die Fahrt viel länger dauern würde als geplant, ahnte er da nicht. Er suchte sich einen Platz und alles schien wie immer. „Als dann der Fahrkartenkontrolleur kam, forderte er mich auf, eine Schutzmaske aufzusetzen. Sonst müsse ich aussteigen. Doch ich bin von der Maskenpflicht befreit. Ich leide an Panikattacken und habe einen entsprechenden Schwerbehindertenausweis“, sagt der Dresdner.

Bedrohliche Situation erlebt

Der Schaffner ließ sich nicht überzeugen. „Er sagte, wenn ich keine Maske habe, könne ich zum Schutz der anderen Fahrgäste nicht weiter mitfahren.“ Minutenlang ging der Wortwechsel hin und her. „Beim Halt in Langebrück ist noch der Fahrer des Zuges dazugekommen. Auch er hat darauf bestanden, dass ich aussteige.“ Andere Fahrgäste waren ebenfalls auf die Auseinandersetzung aufmerksam geworden. „Das war für mich eine bedrohliche Situation. Ich hörte, dass man mich anpacken und raussetzen will“, sagte der Dresdner. In seiner Not wählte er die 110. Dort bei der Polizei konnte man ihm nicht weiterhelfen. „In Zügen sei man nicht zuständig, wurde mir gesagt.“ Ohne dass der Streit gelöst war, fuhr der Triebwagen weiter. In Klotzsche der nächste Stopp. Wieder die Aufforderung an den vermeintlich renitenten Fahrgast, er soll aussteigen. „Wegen der großen Verspätung waren andere Fahrgäste immer mehr verärgert. Ich konnte ja aber nichts dafür. Ich war ja im Recht.“

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Dann hatte die Dienststelle offenbar die Polizei informiert. Mehrere Beamte kamen in den Zug. „Sie wussten offenbar besser Bescheid. Sie haben den Schaffner überzeugt, dass es für Schwerbehinderte mit gültigem Ausweis eine Ausnahme von der Maskenpflicht gibt. So konnte ich bis nach Dresden mitfahren. Mit etwa einer Stunde Verspätung sind wir angekommen. Mich hat die ganze Auseinandersetzungen sehr aufgeregt und viel Kraft gekostet“, sagt er. 

Es ist nicht das erste Mal, dass Jan Wollmann Kommentare als vermeintlicher Maskengegner über sich ergehen lassen muss. Auch in Straßenbahnen und Bussen in Dresden wird er oft angesprochen. „Wenn das freundlich erfolgt, versuche ich, das zu erklären. Es gibt aber auch Anfeindungen. Die sind schwer erträglich.“ Dabei könne er es niemanden verdenken, sagt er. „Mir sieht man es ja nicht an, dass ich schwerbehindert bin und deshalb keine Maske tragen kann. Dass da Fragen auftauchen, kann ich verstehen“, sagt Jan Wollmann.

Entschuldigung vom Bahnunternehmen

 So schlimm wie in dem Zug von Radeberg nach Dresden sei es noch nie gewesen. Deshalb habe er sich auch an die Behindertenhilfe bei der Stadt Dresden gewandt. Dort ist man entsetzt. In einer Mail an Jan Wollmann wird ihm versichert, dass der Vorfall beim Behindertenbeauftragten des Freistaates angesprochen wird. Außerdem würden die sächsischen Behindertenbeauftragten bereits über eine öffentlichkeitswirksame Kampagne beraten, die auf die Befreiung von der Maskenpflicht für einige Personengruppen hinweist. Jan Wollmann wird zudem empfohlen, künftig den entsprechenden Absatz aus der Sächsischen Coronaschutzverordnung bei sich zu tragen. Damit könne es eventuell gelingen, derartige Auseinandersetzungen zu vermeiden und Anschuldigungen zu entkräften, bevor es zu einer Eskalation kommt.

Jörg Puchmüller, Sprecher von Trilex, kann sich für den Vorfall bei dem Fahrgast nur entschuldigen. „Wir bedauern sehr, dass es zu dieser Eskalation gekommen ist. Natürlich ist es so, dass Menschen mit entsprechendem Schwerbehindertenausweis keine Maske in den Zügen tragen müssen.“ Der Schaffner war offensichtlich nicht richtig informiert. „Wir haben den Vorfall zum Anlass genommen, um unsere Mitarbeiter noch einmal über die Details der Coronaschutzverordnung hinzuweisen, insbesondere auf die Ausnahmeregelungen zur Maskenpflicht. Das soll nicht noch einmal vorkommen“, sagte Jörg Puchmüller. Jan Wollmann hofft, dass die Vorschriften jetzt auch von allen Bahn-Mitarbeitern richtig angewandt werden. „Ich fahre die Strecke Dresden – Radeberg öfter. Einen solchen Zwischenfall möchte ich kein zweites Mal erleben.“

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