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Wer wird der neue Bürgermeister von Arnsdorf?

Am Sonntag wählen die Arnsdorfer ihren neuen Bürgermeister. Drei Männer stehen zur Wahl. Wir stellen die einzelnen Kandidaten in Kurz-Interviews vor.

V.l.: Frank Eisold (CDU), Detlef Oelsner (parteilos, von AfD nominiert) und Ilko Keßler (SPD, nominiert vom Bürgerform) wollen Arnsdorfs Bürgermeister werden.
V.l.: Frank Eisold (CDU), Detlef Oelsner (parteilos, von AfD nominiert) und Ilko Keßler (SPD, nominiert vom Bürgerform) wollen Arnsdorfs Bürgermeister werden. © Marion Doering; Rene Meinig; privat

Arnsdorf. Seit Monaten ist der Bürgermeisterstuhl in Arnsdorf nicht besetzt. Am Sonntag sind die Einwohner der Gemeinde aufgerufen, einen neuen Bürgermeister zu wählen. Kandidaten sind Frank Eisold (CDU), Ilko Keßler (SPD) – er wurde vom Bürgerforum 1990 nominiert – und Detlef Oelsner. Der parteilose Bewerber wird von der AfD ins Rennen geschickt. Sollte am Sonntag keiner der drei Bewerber die absolute Mehrheit auf sich vereinigen können, dann findet am 11. Oktober eine Stichwahl statt.

Frank Eisold (CDU): „Gemeinsam den Schulcampus voranbringen“

CDU-Bürgermeisterkandidat Frank Eisold ist 47 Jahre alt. Der Wirtschaftsingenieur ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er ist Präsident des Karnevalsclubs Arnsdorf.
CDU-Bürgermeisterkandidat Frank Eisold ist 47 Jahre alt. Der Wirtschaftsingenieur ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er ist Präsident des Karnevalsclubs Arnsdorf. © Marion Doering

Frank Eisold sieht sich in der Gemeinde Arnsdorf fest verankert. Seit mehr als 20 Jahren lebt er hier und engagiert sich als Präsident des Karnevalsclubs für den Ort. Bisher hat er aber weder im Gemeinderat noch im Ortschaftsrat mitgearbeitet.

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Herr Eisold, Sie haben bisher keine Erfahrung in politischen Ämtern sammeln können. Warum glauben Sie, Bürgermeister zu können?

Ich bin aufgrund meiner beruflichen und ehrenamtlichen Erfahrungen in der Lage Menschen zusammenzuführen und gemeinsam mit Ihnen Lösungen zu erarbeiten. Als ortsansässiger Bürger sind mir die Probleme und Wünsche der Einwohner bekannt. In jedem neuen Job muss man in den ersten Wochen viel lernen und sich weiterbilden. Dazu bin ich mit vollem Einsatz bereit. Der Wahlkampf hat gezeigt, dass die Partner im Landkreis und Freistaat mich bei der Einarbeitung voll unterstützen werden.

Bei ihrer Nominierung hatten Sie davon gesprochen, dass der Zusammenhalt in Arnsdorf besser werden soll. Wie wollen Sie das schaffen?

Es wird eine neue Qualität der Offenheit und Transparenz gegenüber den Bürgern geben. Ich werde Möglichkeiten schaffen, wie sich jeder Bürger mit seiner Meinung einbringen kann. Es soll neben obligatorischen Ortsrundgängen und regelmäßigen Bürgersprechstunden auch Abende in den Vereinen, Feuerwehren, Jugendclubs und Bürgerrunden geben, in denen wir gemeinsam die Wünsche und deren Realisierungsmöglichkeiten analysieren werden.

Arnsdorf ist finanziell noch immer in einer schwierigen Lage. Wie kommt der Ort da raus?

Unsere Gemeinde ist im ländlichen Raum nicht die Einzige mit finanziellen Schwierigkeiten, deshalb ist hier unbedingt auch der Freistaat in der Pflicht, Möglichkeiten zur Verbesserung der Haushalte in den Kommunen zu schaffen. Der Ministerpräsident hat bei seinem Besuch letzten Freitag Gesprächsbereitschaft seitens des Freistaates signalisiert. Wir müssen jedoch auch unsere Hausaufgaben machen und die Infrastruktur in der Gemeinde für Neuansiedlung von Gewerbe und Wohnbebauung schaffen.

Zu wenige Bauflächen, fehlende Radwege, ein Freibad mit wackliger Zukunft: Was muss beim Thema Infrastruktur getan werden?

Ich sagte bereits, dass hierfür Gespräche mit dem Freistaat und dem Landkreis notwendig sind, um Möglichkeiten zur Entwicklung unserer Gemeinde zu schaffen. Die Bereitschaft zu Gesprächen wurde mir in den letzten Wochen von beiden Partnern immer wieder entgegengebracht. Dass wir an den Themen arbeiten, zeigt, dass auf Initiative der CDU-Ortsgruppe es gelungen ist, den Landkreis von der Errichtung einer Oberschule zu überzeugen. Nun gilt es, gemeinsam den Schulcampus zu gestalten.

Ilko Keßler (SPD, vom Bürgerforum nominiert): „Wir brauchen Investitionen in die Ortswehren“

Ilko Keßler (SPD) ist Kandidat des Bürgerforums 1990. Er ist 48 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Der Sozialfachwirt leitet den größten Fachbereich des AWO Landesverbandes.
Ilko Keßler (SPD) ist Kandidat des Bürgerforums 1990. Er ist 48 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Der Sozialfachwirt leitet den größten Fachbereich des AWO Landesverbandes. © privat

Ilko Keßler kennt sich in der Kommunalpolitik sehr gut aus. Er ist SPD-Fraktionschef im Gemeinderat von Großharthau und hat die Partei hier zu guten Ergebnissen geführt. Er wohnt in Seeligstadt.

Herr Keßler, Sie sind außerhalb der Gemeinde Arnsdorf zuhause. Warum glauben Sie, dass sie die Arnsdorfer zum Bürgermeister wählen werden?

2,7 Kilometer sind es exakt bis zu mir nach Hause. Ich kaufe in Arnsdorf ein, meine Autowerkstatt ist hier und ich kenne viele Bürger und Vereine der Gemeinde. Ich fühle mich in Arnsdorf heimisch. Doch ein Bürgermeister braucht neben Fachwissen auch Führungserfahrungen, Bürgernähe und Durchsetzungsvermögen, hier denke ich, kann ich meine Fähigkeiten einbringen. Die Bürger in unseren Gesprächsrunden fanden es eher gut, Kompetenz von außerhalb zu holen und mit neuem Schwung zu starten.

Sie sind SPD-Mitglied. Jetzt werden sie vom Bürgerforum 1990 nominiert. Wie passt das zusammen?

Der CDU-Vorsitzende in Großharthau hat kürzlich über mich gesagt, dass er mich für meine überparteiliche und sachorientierte Arbeit sehr schätzt. Genauso werde ich es in Arnsdorf handhaben. Das Bürgerforum 1990 steht hinter mir, hier finden sich Menschen mit unterschiedlichen und ohne Parteibücher wieder. Uns eint der Wille, etwas zu bewegen, Arnsdorf voranbringen zu wollen.

Arnsdorf ist finanziell in einer schwierigen Lage. Wie kommt der Ort da raus?

Das ist eine schwierige aber zugleich auch sehr spannende Aufgabe. Es gibt keine einfache Lösung, es gilt an vielen kleinen Stellschrauben zu drehen. Ich werde gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Ausgaben prüfen, Einnahmen verbessern, konsequent Drittmittel einwerben. Die Arnsdorfer kennen meine Wahlziele, ich habe für jeden Punkt einen Prozess vorgeschlagen oder die Finanzierungsquelle benannt. Diesen Weg biete ich an und möchte ihn gehen.

Zu wenige Bauflächen, fehlende Radwege, ein Freibad mit wackliger Zukunft: Was muss beim Thema Infrastruktur getan werden?

Wir schaffen das. Das Bad bringen wir grundlegend in Ordnung. Der Radweg wird als Schulweg gebraucht und gebaut. Die neue Oberschule und künftige Eigenheimstandorte benötigen eine ausreichende Löschwasserversorgung, das bedeutet Investitionen in Brandschutz und in die Ortswehren. Sie sehen, das Eine bedingt vielmals das Nächste mit. Ich bin seit vielen Jahren mittendrin in der täglichen Verwaltungsarbeit. Es müssen Verwaltungsabläufe koordiniert, Anträge vorbereitet, mit übergeordneten Ebenen abgestimmt und vorangebracht werden. Da ist viel Gremienarbeit vonnöten, bis am Ende wieder etwas Neues geschaffen werden kann. Als Gemeinderat und langjähriger Fraktionsvorsitzender habe ich das Klein-Klein kommunaler Arbeit meistern gelernt.

Detlef Oelsner (parteilos, von AfD nominiert): „Die Zeit ist reif für einen Politikwechsel in der Gemeinde“

Der Kandidat der AfD, Detlef Oelsner (parteilos), ist 53 Jahre alt. Er ist verwitwet und hat drei Kinder. Der gelernte Tischler ist momentan als Bauleiter tätig.
Der Kandidat der AfD, Detlef Oelsner (parteilos), ist 53 Jahre alt. Er ist verwitwet und hat drei Kinder. Der gelernte Tischler ist momentan als Bauleiter tätig. © René Meinig

Detlef Oelsner hat im Arnsdorfer Gemeinderat viel Erfahrungen sammeln können. Er war CDU-Mitglied, trat aus der Partei aus und wurde von der AfD nominiert. 

Herr Oelsner, Sie haben 2015 bereits für das Bürgermeisteramt kandidiert und unterlagen der damaligen Konkurrentin deutlich. Weshalb glauben Sie jetzt, in das Amt einziehen zu können?

Ich bin bereits seit vielen Jahren in der Kommunalpolitik tätig und es spielt für mich keine Rolle, ob ich mich für irgendein Amt zum ersten oder wiederholten Mal bewerbe. Ich bin auf jeden Fall davon überzeugt, dass die Zeit jetzt reif ist für einen Politikwechsel. Die Arnsdorfer haben es verdient, auf konservative bürgerliche und bürgernahe Weise in die Zukunft zu blicken und einer Verbesserung des Ansehens unseres Ortes entgegen zu sehen. Dies wird mit mir als Bürgermeister sicher gelingen. Ich bin sehr optimistisch, dass die meisten Arnsdorfer das wissen.

Warum ist die AfD für Sie die richtige Partei, wo doch viele Mitglieder rechtsextrem auftreten und Teile der Partei vom Verfassungsschutz beobachtet werden?

Mein Herz schlägt schon immer konservativ und ich vertrete die Mitte. Deswegen bin ich gerade nicht zur AfD gewechselt und ich wehre mich auch vehement gegen derartige Vorwürfe. Ich bin aus der CDU ausgetreten, weil ich hier meine politische Heimat nicht mehr gesehen habe. Meine Überzeugungen hat dies nicht geändert. Ganz bewusst stehe ich als parteiloser Kandidat der bürgerlichen Mitte zur Wahl und nicht als Mitglied irgendeiner Partei.

Arnsdorf ist finanziell in einer schwierigen Lage. Wie kommt der Ort da raus?

Wir müssen attraktiver für neue Bürger und neue Unternehmer werden. Beide bilden die Grundlage für Erhalt und Ausbau der Gemeinde-Infrastruktur. Unser Gewerbegebiet und die Flächen für den Hausbau müssen deshalb deutlich intensiver und offensiver vermarktet werden. Ein gesunder Haushalt ist Grundvoraussetzung für eine zukunftsorientierte Ortsentwicklung. Die nach wie vor angespannte finanzielle Lage setzt uns weiterhin unter Druck. Entscheidungen müssen daher weitsichtig und klug getroffen werden. Deshalb stehe ich für ausgeglichene Haushaltsansätze und bedachte Investitionen.

Zu wenige Bauflächen, fehlende Radwege, ein Freibad mit wackliger Zukunft: Was muss beim Thema Infrastruktur getan werden?

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Die von Ihnen angesprochenen Radwege sind bereits in Planung. Diese muss weiter vorangetrieben und endlich umgesetzt werden. Für das Freibad setzen meine Fraktion und ich uns seit Jahren ein. Ein kleiner Schritt wurde bereits geschafft. Unsere Fraktion hat mit Hilfe von Sponsoren im Frühjahr das Becken repariert, sodass der Badbetrieb wieder starten konnte. Auch eine Planstelle für eine Fachkraft für Bäderbetriebe wurde durch unser Betreiben ins Leben gerufen.

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