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„86 Prozent sind gegen den Neubau“

Am Technologiezentrum Rotech in der Siedlung Rossendorf soll eine neue Halle entstehen. Anwohner sind dagegen. Sie fürchten, dass ihre Wohnqualität leidet.

Dietmar Bulenda (li.) und Christoph Schuster sind gegen den Ausbau des Technologiezentrums in der Siedlung Rossendorf. Die Lebensqualität würde stark leiden, sagen sie.
Dietmar Bulenda (li.) und Christoph Schuster sind gegen den Ausbau des Technologiezentrums in der Siedlung Rossendorf. Die Lebensqualität würde stark leiden, sagen sie. © Marion Doering

Radeberg. Die Siedlung Rossendorf an der Stadtgrenze von Radeberg ist ein ruhiger Fleck: vier Wohnblöcke, einige Eigenheime, kein Durchgangsverkehr. Doch in der Siedlung mit rund einhundert Bewohnern kochen die Emotionen hoch. An der Straße ist ein Spruchband zu lesen: „Keine neue Rotech-Halle mitten in der Siedlung! Lebensqualität hat Vorrang!“ Streitpunkt ist eine Halle, die die Firma Rotech errichten will.

Was ist von der Firma Rotech geplant?

Mitten in der Siedlung liegt ein Schotterparkplatz. Tagsüber, wenn die Beschäftigten der umliegenden Firmen an ihrem Arbeitsplatz sind, ist er belegt. Hier soll die große Halle entstehen. Die Höhe wird zehn Meter betragen. Sie hat zwei Geschosse und eine Grundfläche von 800 Quadratmetern. Untergebracht werden Labore, Büroräume und Werkstätten.

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Sie ist für junge Unternehmen gedacht, die sich im Umfeld des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) ansiedeln wollen. Oft sind es ehemalige Mitarbeiter, die ihre Verbindungen zum Forschungszentrum weiter nutzen wollen. Vermieter der Räume ist die Rotech GmbH. 70 Prozent der Anteile gehören dem Landkreis Bautzen, 20 Prozent der Ostsächsischen Sparkasse und zehn Prozent der Stadt Radeberg. Die Rotech wird vom Technologie- und Gründerzentrum Bautzen verwaltet.

Noch ist unklar, ob die Halle überhaupt gebaut wird. Sie soll aus dem Strukturfonds bezahlt werden, mit dem die Schließung der Braunkohlentagebaue in der Lausitz kompensiert wird. Eine Entscheidung über die Förderung ist noch nicht gefallen.

Was sagt die Bürgerinitiative?

Bewohner der Siedlung sind gegen das Projekt. „Diese Halle würde das Verhältnis von Wohnen und Gewerbe aus dem Gleichgewicht bringen. Sie soll mitten in die Siedlung gestellt werden. Das Wohngebiet würde zerteilt, auf der einen Seite die Mehrfamilienhäuser und auf der anderen die Eigenheime. Sichtachsen fallen weg. Die Wohnqualität würde extrem leiden“, sagt Anwohner Dr. Christoph Schuster.

Außerdem verschärft sich seiner Ansicht nach die Parkplatzsituation. „Schon jetzt ist es eng. Wenn die Halle gebaut wird, fallen Stellflächen weg und es kommen mehr Beschäftigte in die Siedlung. Dann wird sicher jeder Meter am Straßenrand zugeparkt“, sagt Anwohner Dietmar Bulenda. Er vermutet, dass Lkw dann nicht durch die enge Straße kommen würden, rangieren müssten, was Lärm und Abgase zur Folge hätte.

Das Technologienzentrum in der Siedlung Rossendorf. Die Betreiber planen eine zusätzliche Halle. Anwohner sind gegen das Projekt.
Das Technologienzentrum in der Siedlung Rossendorf. Die Betreiber planen eine zusätzliche Halle. Anwohner sind gegen das Projekt. © Marion Doering

Die beiden Anwohner schlagen vor, den Neubau im benachbarten Gewerbegebiet Eschdorf zu errichten. „Dort sind genügend Flächen frei. Es gibt keine Anwohner, die unter dem Neubau zu leiden haben.“ Würde auch das Prinzip des Gründerzentrums weiterhin gelten, stünden auch Flächen zur Verfügung. Viele solcher Zentren bieten in den Anfangsjahren günstige Mieten. Nachdem sie sich etabliert haben, ziehen sie aus und schaffen Platz für neue junge Unternehmen.

Nach eigenen Angaben hatte die Bürgerinitiative zu einer Unterschriftensammlung unter den Anwohnern aufgerufen. „86 Prozent sind gegen den Neubau“, sagt Christoph Schuster. Nach seinen Worten haben viele Mieter ihre Wohnungen vor Jahren gekauft. „Sie sind von vielen als Altersvorsorge gedacht. Mit der Gewerbeansiedlung fürchten viele einen Wertverlust, können die Wohnungen womöglich nicht mehr vermieten oder verkaufen.“

Was sagt der Bauherr?

Jürgen Besold vom Technologie- und Gründerzentrum (TGZ) in Bautzen verteidigt den geplanten Neubau. „Wir bekommen immer wieder Anfragen von Firmen. Um ihnen künftig angemessene Flächen anbieten zu können, brauchen wir die neue Halle. Wir hatten vor einigen Jahren eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Dabei wurde ermittelt, dass in den Jahren von 2017 bis jetzt bei Rotech Flächen von Rund 4.000 Quadratmetern nachgefragt wurden. Der Bedarf ist also sehr hoch“, sagt Besold, der mehrere Jahre Geschäftsführer des TGZ war. Vor allem Labore, Büros und Werkstätten würden von den jungen Firmen gebraucht. Sie werden in dem neuen Gebäude eingerichtet.

Das Argument der fehlenden Parkplätze lässt er nicht gelten. „Wir haben uns das selbst angesehen. Hinter dem jetzigen Rotech-Gebäude sind genügend Plätze vorhanden. Wenn die neue Halle steht, werden sie genutzt. Außerdem werden für die neu hinzukommenden Beschäftigten wie vorgeschrieben Stellflächen angelegt.“

Er verweist auf ein Gespräch, das es erst vor wenigen Tagen zwischen der Bürgerinitiative und Vertretern des Landkreises und des TGZ gegeben hat. „Dabei haben wir erläutert, dass alle Auflagen wie Schallschutz und ähnliche Dinge eingehalten werden. Der Bebauungsplan wurde vom Radeberger Stadtrat verabschiedet. Er ist für uns maßgeblich.“

Eine Annäherung der Standpunkte hat es bei dem Treffen offenbar nicht gegeben. „Wir haben vereinbart, dass wir die Bürger über die weiteren Schritte informieren.“ Er rechnet damit, dass im Herbst eine Entscheidung zur Förderung des Projekts fällt.

Auch Karl-Wilhelm Leege, Ortsvorsteher von Großerkmannsdorf und damit zuständig für die Siedlung, sieht den Bedarf an Gewerbeflächen. „Die Nachfragen waren zuletzt da. Sollte es eine Förderung geben, wird die Halle sicherlich gebaut. Ich hoffe, dass die Belange der Anwohner und die Interessen der Firma in Einklang gebracht werden. Es muss ein Miteinander geben.“

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes hatte es geheißen, die Kreissparkasse Bautzen ist Anteilseigner der Rotech GmbH. Anteilseigner ist jedoch die Ostsächsische Sparkasse. Wir bitten, das Versehen zu entschuldigen.

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