merken
PLUS Radeberg

Wird sie die neue Bürgermeisterin von Radeberg?

Katja Mulansky will OB Lemm beerben. Schon jetzt unterstützen sie mehrere Parteien.

Katja Mulansky will neue Bürgermeisterin von Radeberg werden. Derzeit ist sie in der Finanzverwaltung des Freistaates tätig.
Katja Mulansky will neue Bürgermeisterin von Radeberg werden. Derzeit ist sie in der Finanzverwaltung des Freistaates tätig. © René Meinig

Radeberg. In neun Monaten, im Juni nächsten Jahres, wird in Radeberg ein neuer Bürgermeister gewählt. Schon jetzt ist klar - das Rennen um das Amt wird spannend: Nach Frank Höhme (parteilos) hat sich jetzt eine Bewerberin zu Wort gemeldet. Katja Mulansky will die Nachfolge von Gerhard Lemm (SPD) antreten. Sie ist parteilos, 45 Jahre alt und Juristin.

Das Überraschende an ihrer Kandidatur ist die breite Unterstützung, die sie schon jetzt bekommt. Sowohl CDU, SPD und Grüne hätten sie gerne als künftige Bürgermeisterin. Die CDU nominierte die Dresdnerin auf einer öffentlichen Mitgliederversammlung als Kandidatin. Bei den Radeberger Grünen ist das bereits erfolgt. Die Radeberger SPD stimmte in einer Mitgliedervollversammlung für sie. Die Freien Wähler entscheiden Mitte Oktober darüber. Für Frank-Peter Wieth, CDU-Fraktionschef im Radeberger Stadtrat, sind es die fachlichen Fähigkeiten, die zur Unterstützung geführt haben.

QF Passage Dresden
Dresdens schönste Einkaufs-Passage feiert
Dresdens schönste Einkaufs-Passage feiert

Die QF-Passage am Neumarkt wird 15 Jahre alt. Grund genug für eine große Party - und jede Menge exklusive Geschenke.

„Sie bringt die besten Voraussetzungen mit. Sie arbeitet in der Finanzverwaltung des Freistaates, kennt sich also hervorragend in Haushaltsführung aus. Sie weiß in rechtlichen Dingen Bescheid und kennt auch die Abläufe in Verwaltungen. Eine bessere Kandidatin könnte es für die Stadt Radeberg nicht geben“, sagt er. Hinzu kommt, dass sie aus der Region stammt. „Sie wohnt in Dresden und hat familiäre Bindungen nach Radeberg. Katja Mulansky hat sich bei uns vorgestellt. Daraufhin nominierte die Radeberger CDU sie einstimmig“, sagt Wieth.

Tätigkeit in der Finanzverwaltung

Noch-Bürgermeister Gerhard Lemm unterstützt ebenfalls ihre Kandidatur – als SPD-Mitglied und Privatperson, wie er sagt. „In meiner Funktion als Bürgermeister bin ich zu Neutralität verpflichtet. Ich halte sie aber fachlich und als Person für das Amt geeignet“, sagt er. „Sie hat als Dozentin Verwaltungswirte ausgebildet, sie beherrscht also ihr Handwerk. Dann ist sie gesellschaftlich aktiv, unter anderem im Lionsclub, und sie kommt aus der Region. Mit 45 Jahren hat sie das richtige Alter für diese schwierige Aufgabe und eine Frau als Bürgermeisterin finde ich auch nicht verkehrt. Die Zustimmung bei unserer Mitgliedervollversammlung Ende September zeigt, dass meine Parteigenossen das genauso sehen.“

Rolf Daehne, Vorsitzender der Radeberger Grünen, hebt ebenfalls ihren beruflichen Hintergrund hervor. „Das ist in einer Stadt wie Radeberg wichtig. Bei Entscheidungen geht es oft um Millionen-Summen. Da muss ein Rathauschef die entsprechenden Erfahrungen haben.“ Außerdem verspricht er sich von der Kandidatin Impulse für die Stadtentwicklung.

Wahlprogramm für Anfang November angekündigt

Detlev Dauphin, Vorsitzender der Fraktion der Freien Wähler im Radeberger Stadtrat, kann vorerst nur für sich sprechen. „Am 18. Oktober wird es bei uns Freien Wählern eine Abstimmung geben. Ich kenne sie seit längerem. Meine persönliche Empfehlung ist, sie zu unterstützen. Sie ist für das Amt gut geeignet. Mir ist wichtig, dass die Stadt gut geführt wird.“ Hohe fachliche Kompetenz, doch was ist mit ihren politischen Zielen? Gegenüber der SZ will sie dazu noch nichts sagen. „Anfang November werde ich mein Wahlprogramm vorstellen“, sagte die 45-Jährige.

Ein Bündnis von CDU, Grüne, SPD und womöglich den Freien Wähler und den Linken, das hat es in Radeberg bei einer Bürgermeisterwahl noch nie gegeben. Der Fall ist so ungewöhnlich, dass OB Lemm im Sächsischen Innenministerium nachfragen lässt, wie der Wahlzettel aussehen soll. „Es muss ja ersichtlich sein, dass diese Kandidatin von mehreren Parteien unterstützt wird.“ Bereits im Juni hatte Frank Höhme (parteilos) seine Kandidatur bekannt geben. Der Radeberger ist Chef der Freiwilligen Feuerwehr. Seit 2014 sitzt er im Stadtrat, zunächst für die SPD, trat dann aus der Partei aus, da er mit einigen Beschlüssen der Landes- und Bundesregierung nicht einverstanden war, wie er sagt.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Seitdem arbeitet er als Parteiloser im Stadtrat, ist Chef der Fraktion SPD, Linke/Grüne. Was seine politischen Ziele angeht, bleibt er ebenfalls noch vage. Die Stadt soll wirtschaftlich weiterentwickelt werden, die Lebensqualität für die Einwohner weiter verbessert werden und es soll eine intensive Kommunikation mit Einwohnern, Firmen und der Verwaltung geben.

Wer auch immer neuer Bürgermeister von Radeberg wird, er oder sie tritt in große Fußstapfen. Der jetzige OB Gerhard Lemm (SPD) hat die Stadt 27 Jahre lang geprägt. Zur Wahl im nächsten Jahr tritt er nicht mehr an. Die Herausforderungen für den Neuen sind groß: Platz für Gewerbeansiedlungen schaffen oder das Problem mit den Brachflächen in der Innenstadt lösen. Bei der Bürgerbefragung durch die Stadtverwaltung hatten sich die Befragten auch für ein attraktiveres Stadtzentrum rund um den Marktplatz ausgesprochen. Auch gebe es Nachholbedarf beim Radwegenetz. Alles Projekte, die bei einer angespannten Kassenlage gestemmt werden müssen.

Mehr zum Thema Radeberg