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Wo der Einkauf zum Erlebnis wird

Friederike Bauer leitet den Hofladen in Langebrück. Studiert hat die 24-Jährige Betriebswirtschaft. Die regionalen Produkte liefert sie sogar in die Schweiz.

Von Rainer Könen
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Friederike Bauer in ihrem Hofladen in Langebrück. Hier gibt es unter anderem Fleisch von ihren eigenen Rindern.
Friederike Bauer in ihrem Hofladen in Langebrück. Hier gibt es unter anderem Fleisch von ihren eigenen Rindern. © Marion Doering

Langebrück. Ist das eine Ferienidylle? Unweit des Parkplatzes grasen Pferde auf der Koppel. Daneben, auf einer weitläufigen Weidefläche, sind Rinder zu sehen. Gleich neben dem Hofladen befindet sich ein Reitplatz, ein Blick auf die Kennzeichen der geparkten Autos zeigt, die Kundschaft kommt nicht nur aus dem Dresdner Umland, sondern sogar aus der gesamten Lausitz. Mit einem vollen Einkaufsbeutel verlässt eine junge Frau den Laden. Ein zufriedenes Lächeln zieht über ihr Gesicht.

Bauers Hofladen, an der Peripherie des Dresdner Stadtteils Langebrück gelegen, ist mittlerweile ein Ort, den viele nicht nur besuchen, um Fleisch oder andere Produkte wie Milch, Eier oder Gemüse aus der hofeigenen Produktion zu kaufen, sondern auch, weil so ein Ausflug an den in der Klotzscher Straße 30 gelegenen Lehnhof, auf dem sich Bauers Hofladen befindet, „ein entspanntes Einkaufserlebnis ist“, wie es ein älteres Ehepaar aus Dresden beschreibt.

Die beiden Senioren gehören zu den Menschen, die die Corona-Zeit auch zu ausgedehnten Spaziergängen genutzt haben. Auf einer ihrer Touren waren sie im vergangenen Jahr auf den Langebrücker Hofladen gestoßen. „Kannten wir gar nicht, also haben wir da mal reingeschaut“, erzählen sie. Und waren sogleich auf den Geschmack gekommen. Denn Familie Bauer verkauft in dem kleinen Hofladen regional erzeugte Produkte wie Kartoffeln, Eier, Obstsäfte, Milchprodukte, Wein, Obst, Gemüse, aber vor allem auch Fleisch und Wurstwaren aus eigener Herstellung.

30 Prozent mehr Umsatz im ersten Coronajahr

Anfang November 2018 wurde der Hofladen eröffnet, der seitdem von Friederike Bauer geleitet wird. Der 24-Jährigen, die Betriebswirtschaft studierte, war klar, dass es bis zu fünf Jahre dauere, um ein solches Geschäft etablieren zu können. Doch dann kam im vergangenen Jahr Corona. „Wir wussten nicht, ob und wie sich diese Krise auf unseren Laden auswirken würde“, so Friederike Bauer. Sicher, das Thema „Gesunde Ernährung“ hatte schon in Vor-Corona-Zeiten in vielen Bevölkerungskreisen Fuß gefasst. Da seien regionale Produkte zunehmend gefragt gewesen, so die gebürtige Langebrückerin. Und siehe da: Die Pandemie bescherte dem Hofläden, auch im Rödertal, einen ungeahnten Kundenzustrom, ließ die Nachfrage nach regional-erzeugten Produkten, nach Bio-Lebensmitteln rapide ansteigen. So verzeichnete Bauers Hofladen im vergangenen Jahr einen sprunghaften Kundenanstieg, machte 30 Prozent mehr Umsatz.

Familie Bauer erwarb den Lehnhof vor 15 Jahren, baute die Weidewirtschaft Schritt für Schritt aus. Auf einer Fläche von 25 Hektar Wiesen haben derzeit rund 80 Rinder genug Platz, auf diesen Flächen sollen einmal bis zu 100 Tiere grasen. Artgerechte Haltung wird bei Bauers großgeschrieben. „Die Tiere fühlen sich bei uns wohl“, erklärt die 24-jährige Hofladenleiterin. Die davon erzählt, dass man die Tiere auch selbst schlachte. Die schonende Schlachtung erhalte auf jeden Fall die gute Fleischqualität. Wer sich in dem kleinen Laden umschaut, der staunt über die Vielzahl der in der Region erzeugten Lebensmittel. Imkerhonig etwa, oder Wein vom örtlichen Winzer. Auch Obst von einem landwirtschaftlichen Betrieb aus Meißen gibt es dort.

Man wolle, auch darauf legt man bei Bauers Hofladen großen Wert, „nicht über Siegel oder Zertifikate definiert werden“, so Friederike Bauer. Sondern einzig und alleine über Qualität. Die sich schon weit über die Landesgrenzen herumgesprochen hat. Die Kundschaft, darauf ist die 24-jährige Ladenchefin besonders stolz, komme aus der ganzen Bundesrepublik, ja man liefere sogar in die Schweiz. Das sei eine besondere Wertschätzung für den Hofladen, überhaupt „für jeden unserer Mitarbeiter“, so Friederike Bauer. Die natürlich nicht vergisst zu erwähnen, dass es im Hofladen auch fleischlose Produkte gibt. Milchprodukte, Honig, Fruchtaufstriche, Säfte.

Und natürlich gibt es auch Produkte, die besonders häufig nachgefragt sind, sozusagen „unsere Bestseller“ sind, wie die junge Ladenchefin schmunzelnd erzählt. Dazu gehören der handgesalzene Schinken, der bei Bauers zweimal geräuchert wird, sowie die Rindersalami. Man kann davon ausgehen, dass diese Fleischwaren aus der Bauer'schen Produktion beim nun beginnenden Weihnachtsgeschäft besonders oft über die Ladentheke gehen werden.