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Radebeul

Radebeul: Entsetzen über Kulturchef-Wahl

Der neurechte Schriftsteller Jörg Bernig soll Radebeuls Kulturamt übernehmen. Kulturschaffende lehnen eine Zusammenarbeit ab.

Das Radebeuler Karl-May-Fest zieht jedes Jahr Tausende Besucher in die Stadt.
Das Radebeuler Karl-May-Fest zieht jedes Jahr Tausende Besucher in die Stadt. © Arvid Müller

Mit "Entsetzen und Unverständnis" reagieren Radebeuler Kunst- und Kulturschaffende auf die Wahl des neurechten Schriftstellers Jörg Bernig zum neuen Kulturamtsleiter der Stadt Radebeul am Mittwochabend durch den Stadtrat. In einem vom Radebeuler Kulturverein initiierten Offenen Brief, der am Montag veröffentlicht werden soll und saechsische.de vorliegt, warnen die rund 135 Unterzeichner vor "fatalen Folgen für die Stadt, deren Bewohner und die einzigartige Kulturlandschaft".

Unter den Unterzeichnern sind Helmut Raeder, künstlerischer Leiter der Radebeuler Kulturfeste, zu denen die Karl-May-Festspiele gehören. Auch der Veranstalter Björn Reimener, Schlagzeuger Günter "Baby" Sommer sowie der ehemalige Direktor des Dresdner Theaterkahns, Friedrich-Wilhelm Junge, gehören zu den Kritikern. Im Brief heißt es, Bernig sei jemand, der "im Widerspruch zu all dem steht, was die Radebeuler Kulturlandschaft seit Jahrzehnten prägt und einzigartig macht".

Darüber hinaus fehle ihm "jede fachliche Eignung als Kulturamtsleiter". Unter den gegebenen Umständen sehe man sich "daher nicht in der Lage, unsere Ziele und Ideale als Kulturschaffende mit der Tätigkeit Dr. Bernigs als Kulturamtsleiter in Einklang zu bringen".

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Jörg Bernig ist Träger des Kunstpreises der Stadt Radebeul und veröffentlicht in neoreaktionären und rechtsextremen Publikationen. Er ist Anhänger der These einer geplanten "Umvolkung" Deutschlands durch "Illegale Masseneinwanderung", vergleicht Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einer "Feudalherrscherin" und ist der Ansicht, sie schöpfe aus den gleichen "Brunnen des Bösen" wie Nationalsozialismus und Stalinismus. Er war in der vorigen Woche vom Stadtrat in einer geheimen Wahl mutmaßlich mit den Stimmen von CDU und AfD gewählt worden.

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