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Radebeul hui, Dresden pfui

Ab heute gilt freie Fahrt auf der gesamten Kötzschenbrodaer Straße. Der Wechsel zur Landeshauptstadt ist allerdings abrupt.

© Norbert Millauer

Von Peter Redlich

Radebeul. Es ist eine Pracht, das letzte Stück Kötzschenbrodaer Straße. Es hat lange gedauert mit dem Bauen – seit Juli letzten Jahres – aber jetzt ist es vollbracht. Autofahrer können am heutigen Freitag wieder in beide Richtungen von und nach Dresden rollen.

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Die Hänge an der Straße, die eigentlich ein Damm ist, werden noch befestigt.
Die Hänge an der Straße, die eigentlich ein Damm ist, werden noch befestigt. © Norbert Millauer
Ein neuer Abfluss mit Schieber wurde in die Straße eingebaut. Falls mal wieder die Flut abgelassen werden muss.
Ein neuer Abfluss mit Schieber wurde in die Straße eingebaut. Falls mal wieder die Flut abgelassen werden muss. © Norbert Millauer

Was die Vorbeifahrenden schon in den letzten Wochen beobachten konnten, war mit dem vorherigen Zustand nicht zu vergleichen. Zweimal musste das Stück Straße zwischen den letzten Serkowitzer Häusern und der Stadtgrenze zu Dresden dem Hochwasser standhalten. 2002 wurde sie letztlich überspült. Das Wohngebiet am Kreis soff mit ab. Die Stadtoberen entdeckten den zugewachsenen Seegraben wieder, legten ihn frei und ließen den verstopften Hochwasserablass unter der Straße wieder öffnen und einen Schieber anbauen.

2013 kam die Flut wieder. Am Kreis sollten die Bewohner diesmal von der braunen Brühe verschont werden. Als die Elbe anrückte, bekam Radebeuls OB Bert Wendsche (parteilos) auf seinen Hilferuf schnell Antwort vom Chef der Eurovia-Niederlassung, Alexander Richter, einem Radebeuler. Die Firma Hasse stand sofort mit Lastwagen parat. Und Thomas de Maizière (CDU), damals Verteidigungsminister, schickte Soldaten. Über Nacht wurde auf die Straße ein Damm geschüttet und verdichtet, der dem drängenden Wasser standhielt. Millionenschaden am Kreis konnte verhindert werden.

Nicht aber an dem Stück Straße. Die Last des Dammes, stellte sich bei Untersuchungen heraus, war zu schwer. Zuerst zeigten sich Risse im Asphalt, dann rutschte eine Böschung ab. Eindeutig ein Hochwasserschaden, für den es glücklicherweise einen Fonds beim Land Sachsen gab. Vier Jahre nach 2013 war es dann endlich soweit, die Planung stand. Die Stadträte hatten sich geeinigt, dass noch ein Fußweg beidseits hinzukommen soll – gefördert aus einem Topf für kommunale Straße, allerdings nur mit 75 Prozent. Und auch die Untere Wasserbehörde beim Kreis hatte nochmals geprüft, wie es sich mit den Flutkubikmetern beim Hochwasser verhält. Ergebnis: Es musste ein zweiter Abfluss für die Wiesen nördlich der Straße gebaut werden, mit einem zweiten Schieber.

Was davon heute zu sehen ist, hat gehörige Ausmaße. Allein der Durchfluss unter der Straße misst im Durchmesser einen Meter. Die Zu- und Abflüsse sind mit großen Steinen ausgelegt. Hier dürfte es, so sagen es jedenfalls die Berechnungen, bei Hochwassern wie den letzten, keine Probleme mehr geben. Einer der privaten Grundstücksbesitzer hat seinen Zufahrtsweg neu angelegt bekommen. Fußgänger dürfen jetzt eine Querungsinsel benutzen, um von einer Fußwegseite auf die andere zu gelangen. Vier neue Laternen sind aufgestellt worden. Die Böschungen werden gerade noch befestigt. Männer einer Grünbaufirma haben Netze ausgelegt, mit Holznägeln und Spritzmasse befestigt, damit auch alles gut miteinander verwächst.

Vor allem aber hat die Straße, die ja eigentlich ein Damm ist, einen kompletten Neuaufbau bekommen. Marlies Wernicke, im Radebeuler Bauamt die Sachgebietsleiterin für den Straßenbau: „Bei Bohrungen vor dem Bau wurden Betonsplit und Ziegelschüttungen gefunden. Wahrscheinlich ist zu DDR-Zeiten hier immer mal wieder was aufgeschüttet worden.“ Derartige unverdichtete Materialien mussten abgetragen und neue, wirklich tragfeste Schichten aufgebracht werden. Ganz obendrauf ist jetzt feinster Asphalt samt beidseitig neuer Abflüsse für Regenwasser. Die Leitungen für die Telekom, für Gas und Strom sind ebenfalls gleich mit neu verlegt worden. Und: Direkt vor den Wohnhäusern ist die vorher zugewachsene kleine Stützmauer neu aufgebaut und mit einem Geländer versehen worden.

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Kurzum: 310 Meter modernste, feinste Straße, welche aus Landes- und Stadtmitteln mehr als 800 000 Euro kosten wird. Verglichen mit dem, was sich auf Dresdner Seite anschließt, der Mercedes zum Moped. Die Kötzschenbroder Straße, wie sie dort heißt, strotzt vor Schlaglöchern und Rissen bis hinein nach Kaditz. Marlies Wernicke auf die Frage, ob es denn eine Abstimmung mit der Straßenbaubehörde der Landeshauptstadt gibt und wann die Nachbarn sich mal anschließen wollen: „Wir haben während der Planung Kontakt mit den Dresdnern aufgenommen. Von dort kamen aber keine weiteren Signale.“ Vom Dresdner Straßenbauamt und dessen Leiter Reinhard Köttnitz heißt es dazu, dass dort allenfalls Instandhaltung geplant ist. „Auch wenn das ein wenig wie Landstraße aussieht“, so Köttnitz. Immerhin, für Dresden mit täglich mindestens 12 000 Fahrzeuge eine der meistbefahrenen Straßen.