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Radebeul überall

© Stadtverwaltung Radebeul

Der Name der Lößnitzstadt taucht am Himmel auf, im Wasser und an Land. Hier sind vier Namensvettern.

Von Beate Erler

Radebeul. Wer den Namen Radebeul trägt, kann es zu großen Ehren bringen. Da holt eine schöne Blume Silber auf einer internationalen Gartenausstellung und ein Lufthansajet ist schon über 21 000-mal in seinem Leben zu einem sicheren Flug gestartet. Aber es gibt auch andere Beispiele, wie ein Frachter und ein Asteriod beweisen.

Auch die Bezeichnung einer Clematis trägt den Namen Radebeul. © privat
Das Modell Radebeul gibt es im Verkehrsmuseum Dresden zu sehen. © Arvid Müller
Sogar ein Kleinplanet trägt den Namen. © privat

Kleiner Planet verschwindet in den Weiten des Alls

Irgendwo zwischen Mars und Jupiter, da kreist ein kartoffelförmiger Kleinplanet namens Radebeul um die Sonne. Ein Glück, dass sein Entdecker ihn von der Volkssternwarte Radebeul aus gesichtet hat. Und nicht nur einmal, denn damit das Objekt als Neuentdeckung erfasst werden kann, muss es in zwei Nächten beobachtet werden und darf nicht verloren gehen.

Der Diplomgeograf Martin Fiedler hat den Asteroiden vor nun bereits fast elf Jahren mit seinem Teleskop erfolgreich beobachtet. Das war im September 2005. Unter dem Namen Radebeul steht der Kartoffelförmige seit 2007 auch in der Datenbank des Minor Planet Center (MPC) in den USA. In den letzten Jahren hat Martin Fiedler den Asteroiden nicht mehr gesehen. Seine Bahn war zum Nachverfolgen eher ungünstig. Doch noch ein weiteres Problem ist dazugekommen: „Die gewerbliche Lichtverschmutzung unterhalb des Weinberges hat extrem zugenommen“, sagt der Hobbyastronom. Ein Wiederauffinden des Kleinplaneten von Radebeul aus könnte so bald unmöglich werden.

Regionaljet fliegt regelmäßig über dem Elbland

Nicht ganz so weit entfernt, aber immerhin in bis zu 12 000 Meter Höhe, fliegt ein anderes Objekt mit dem Namen der Lößnitzstadt umher. Im August 2007 wurde ein Regionaljet der Lufthansa Canadair auf Radebeul getauft. Sowohl auf dem Rumpf des Flugzeugs als auch in der Kabine ist der Name seitdem zu lesen.

Bis zu 84 Passagiere können in der Cityline in europäische Länder fliegen. Innerhalb Deutschlands gehen die Verbindungen zum Beispiel nach Paderborn und Stuttgart. Außerhalb Deutschlands ins schweizerische Zürich und Basel oder nach Wroclaw in Polen. Eine Verbindung führt die Maschine von München auch regelmäßig nach Dresden. Bisher ist die Radebeul über 21 000 Mal abgehoben.

Frachter hat seine letzte Fahrt hinter sich

Die „MS Radebeul“ wurde 1984 in Warnemünde gebaut, noch im selben Jahr übernahm Radebeul die Patenschaft für das riesige Containerschiff. 26 Jahre lang transportierte es Stückgut, Container und Schwergut über die Weltmeere. Für die 32 Mann starke Besatzung gab es an Bord sogar eine Sauna, einen Pool sowie Hobby- und Sporträume. Zum Schluss fuhr sie mit dem Namen „Terrisha“ unter zentralamerikanischer Flagge.

Mittlerweile gibt es die „MS Radebeul“ nicht mehr. Im November 2010 fuhr der Frachter in den Hafen Alang in Indien ein, wo er verschrottet wurde. Wer mehr über das Containerschiff wissen will, kann im Radebeuler Stadtarchiv stöbern. „Wir haben zum Beispiel Akten über Bordfeste und Bildmaterial“, sagt Archivleiterin Annette Karnatz. Außerdem gibt es noch zwei Modelle von dem Schiff, die im Dresdner Verkehrsmuseum und im DDR-Museum zu sehen sind. Und auch auf einen Leinwanddruck hat es der Frachter geschafft. Auf der Internetseite www.musterrolle.de können Fans einen Druck des Schiffes bestellen. Die MS Radebeul ist sogar unter den Bestsellern.

Blume erinnert in der Ferne an die Heimat

Die Baumschule Sachs in Radebeul-Naundorf hat einigen ihrer Pflanzen ortstypische Namen verpasst. So heißen die Clematis zum Beispiel Elbflorenz und Lößnitzperle und eine Sorte auch Radebeul. Die drei „einheimischen Sorten“ sind eigene Züchtungen. Die Radebeul hat cremefarbene Blüten mit rosa Streifen und kann auf eine Höhe bis über zwei Meter wachsen.

Lothar Sachs hat sie 2006 gezüchtet. Er wohnt schon sein ganzes Leben in Radebeul und ist mit der Stadt sehr verbunden. „Aus diesem Grund haben wir sie Radebeul genannt“, erzählt seine Tochter Antje Tolksdorf. Zum 40-jährigen Bestehen der Baumschule hat Oberbürgermeister Bert Wendsche der Clematis ihren Namen gegeben.

Bei der Internationalen Gartenausstellung im Jahr 2013 hat sie sogar die Silbermedaille geholt. „Sie ist eine sehr gesunde, kompakte und reich blühende Sorte“, sagt Antje Tolksdorf. Allerdings gibt es von dieser speziellen Züchtung noch kein allzu großes Sortiment. Besonders gern wird die Pflanze übrigens von Kunden gekauft, die in Radebeul geboren, dann aber weggezogen sind.