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Anderen ein anderes Grün zeigen

Der Interkulturelle Garten in Coswig blüht und grünt und weist einen Weg.

Leiterin Cornelia Obst im Interkulturellen Garten Coswig mit frisch geernteten Gurken. Mit dem Erlös finanziert das Projekt etwa die Kosten für Wasser. Eigentliches Ziel des Gartens ist es aber, Menschen zusammenzubringen und ihnen zu zeigen, dass Gärt
Leiterin Cornelia Obst im Interkulturellen Garten Coswig mit frisch geernteten Gurken. Mit dem Erlös finanziert das Projekt etwa die Kosten für Wasser. Eigentliches Ziel des Gartens ist es aber, Menschen zusammenzubringen und ihnen zu zeigen, dass Gärt © Arvid Müller

Fast am Ende der Jaspisstraße, gegenüber der katholischen Kirche, direkt an den Schienen der Straßenbahn befindet sich der Interkulturelle Garten Coswig. Vor dem Tor steht ein Ständer mit Gewächshausgurken, den ersten Süßkirschen und mit Zwiebeln und anderem Erntegut darauf. Das kann man kaufen - und frischer geht‘s dann wirklich nicht.

Bewirtschaftet wird der Garten - ein langgezogener Schlauch zwischen der Weinböhlaer Straße im Nordosten und dem Hirtenweg im Südwesten - von einem Verein mit 25 Mitgliedern und einigen weiteren Leuten, die so mitmachen. Weil sich darunter auch Familien von Flüchtlingen bzw. hier heimisch gewordenen Ausländern befinden, trägt der Garten seinen Namenszusatz. Eine dieser Familien stammt aus Indien und arbeitet in Riesa, der Vater betreut die Computer in einer Firma, beide Mädchen sind in der Ausbildung zu Steuerfachangestellten. Eines davon, Taslima, gestaltet die Homepage des Vereins. „Sie kommen jeden Sonnabend“, erzählt Cornelia Obst, die Leiterin des Interkulturellen Gartens. „Natürlich ist ihnen der Garten wichtig, aber das Wichtigste ist, dass sie sich in unserer Gegenwart aufgehoben und respektiert wissen.“

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Der Garten lebt von Förderprogrammen, Spenden und Eigeneinnahmen, mit denen etwa Strom und Wasser bezahlt werden. Was Letzteres betrifft, so hat die Postcode-Lotterie eine Tröpfchenbewässerung gesponsort. Durch unmittelbar an den Wurzeln der Pflanzen verlegte Schläuche, die kleine Löcher aufweisen, wird Wasser gepumpt, wodurch die Pflanzen auch in der größten Hitze das notwendige Nass bekommen, und zwar sehr sparsam. Bewässert werden so etwa die Johannisbeersträucher im Garten. Im vergangenen Jahr hat die Lotterie zudem den Stromanschluss gesponsert, „so etwas hatten wir ja früher nicht, das war ja alles fast Prärie hier“.

Erstmals versuchen sich die Coswiger Gärtner in diesem Jahr an Melonen. Kartoffeln, Tomaten und Zucchini gehören zum Repertoire. Neu ist auch kurz vor dem Hirtenweg eine Blühwiese.“Für manche sieht es wild aus, aber es hat alles seinen Sinn“, so Cornelia Obst. „Es gibt Alternativen zu den Schottergärten.“

Damit spricht sie einen Punkt an, in dem der Interkulturelle Garten einen Weg weisen will. „Ich glaube, dass es für manche unordentlich wirkt, wie unser Garten aussieht. Viele finden es toll, wenn der Rasen um ihr Haus ganz kurz ist.“ Auch an den Wurzelstubben, die ausgelegt worden sind, damit Eidechsen sowohl Licht als auch Schatten finden, stoßen sich manche. „Wir haben uns mithilfe des Nabu in die Lage der Eidechsen versetzt und uns gefragt, was die wohl toll finden würden.“

Im Verständnis von Cornelia Obst und ihren Mitstreitern ist der Interkulturelle Garten ein Begegnungsgarten. „Wir wollen Besuchern, Freunden und eben auch der Zeitung zeigen, was wir hier machen und wie wir es machen.“ Zeigen, das heißt auch, das herkömmliche Ordnungs- und Schönheitsverständnis in Frage zu stellen. Wer will, dass Insekten und Vögel nicht immer weiter zurückgedrängt werden, nicht nur in der industrialisierten Landwirtschaft, der kann seinen Garten nicht auf Kurzrasen mit Rasenroboter, Dauergrün mit Kirschlorbeer und Schotter zwischen den Sträuchern reduzieren.

Erst, wenn ein fast abgestorbener, hohler Baum nicht sofort wegmuss, weil er unordentlich aussieht. Erst, wenn eine Brennesselecke nicht als assozial beim Nachbarn gilt und der Rasen erst im Juni gemäht werden darf, ohne scheele Blicke aushalten zu müssen - erst dann wird sich auch in unseren Gärten etwas für die viel beschworene Biodiversität zum Besseren wenden. Gefordert ist ein radikales Umdenken: Schön ist, was wildes Leben mit leben lässt und Ordnung, was uns nicht immer ärmer macht.

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