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Archäologen finden uralte Eisenhütte in Radeburg

Am Stadtrand sollen mehr als 40 Grundstücke bebaut werden. Zuvor gibt es Untersuchungen zum Untergrund - mit überraschenden Ergebnissen.

unde bei Radeburg am Meißner Berg: Keramikstücke, die wahrscheinlich 2.800 Jahre alt sind, zeigt Grabungsleiterin Susanne Koch vom Landesamt für Archäologie.
unde bei Radeburg am Meißner Berg: Keramikstücke, die wahrscheinlich 2.800 Jahre alt sind, zeigt Grabungsleiterin Susanne Koch vom Landesamt für Archäologie. © Norbert Millauer

Radeburg. Was machen die denn da? Das fragt sich mancher, der dieser Tage aus Radeburgs Stadtmitte Richtung Meißner Berg fährt. Erst war es ein großer Bagger, der hier die Oberfläche Stück für Stück und akkurat gerade von der Grasnarbe freilegte. Jetzt schaufeln, pinseln und vermessen dort Menschen in roten Westen auf dem Grundstück.

Auf den Warnwesten steht klein Landesamt für Archäologie. Susanne Koch ist hier die Grabungsleiterin. Mit zwei Mitarbeitern und einem Techniker untersucht sie das Gebiet. Wo andere achtlos drüberlaufen würden, erkennt sie Verfärbungen im sandigen Untergrund. Schwarz oder rostig-rot sind die zumeist.

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Dort, wo die Experten so etwas erkennen, wird gegraben. Schmale, längliche Gruben sind zu erkennen. Kreisrunde Flecken mit Bindfaden und Markierungszettel. Deutlich hebt sich an den Ausgrabungen das Schwarz oder Dunkelbraun vom hellen Sand ab. Susanne Koch deutet auf eine etwa drei mal drei Meter große Fläche mit abgerundeten Ecken. Hier wird eine Pfostengrube gewesen sein. Einen halben Meter tief wurde vor 900 Jahren oder noch viel früher die Erde ausgehoben, darüber ein Dach errichtet - eine sogenannte Pfostengrube, eine kleine Eisenhütte, in der das Metall aus dem Stein geschmolzen wurde.

An anderer Stelle hat der Boden rostrote Verfärbungen. Ein Zeichen dafür, dass hier damals Raseneisenerz in geringer Tiefe vorhanden war. Mit damals meint die Grabungsleiterin das frühe Mittelalter. Radeburg wurde im 12. Jahrhundert gegründet. Der nahe Fluss, die Röder, bot gute Siedlungsgrundlagen. Unweit vom Marktplatz müssen die Menschen das Raseneisenerz in geringer Tiefe entdeckt haben.

Grabungstechniker Kay Mauksch ist für das Vermessen zuständig. Mit den Werten lässt sich die Fundstelle dokumentieren.
Grabungstechniker Kay Mauksch ist für das Vermessen zuständig. Mit den Werten lässt sich die Fundstelle dokumentieren. © Norbert Millauer

Die Stelle, wo die Stadt Radeburg gerade eine Fläche für über 40 Häuser am Meißner Berg erschließt, ist offenbar ein kleines Gewerbegebiet gewesen - wie man heute sagen würde -, in welchem mehrere solche Verhüttungsgruben standen. Holzkohlereste deuten ebenfalls darauf hin. Mit dem gewonnenen Eisen wurden Werkzeuge und Waffen hergestellt oder auch Barren gegossen, um damit zu handeln.

Seit Anfang September sind die Archäologen hier zugange. Christoph Heiermann, Referatsleiter im Landesamt für Archäologie, sagt, warum hier überhaupt nach der Vergangenheit gesucht wird. „Jeder, der einen Bauantrag stellt, muss damit rechnen, dass sich auf dessen Fläche die Archäologen anmelden. In einer Stellungnahme erläutern wir, ob schon etwas in der näheren Umgebung gefunden wurde und wägen dann ab, ob vor dem Bauen auch hier gegraben werden sollte.“

Radeburg ist ein trächtiges Gebiet für Funde. Im Heimatmuseum der Stadt sind Keramikgefäße aus der Bronzezeit ausgestellt. Vor 100 und mehr Jahren wurden die schon gefunden, erklärt Museumsleiter Robert Rösler. In der Nähe des ehemaligen Gaswerkes gab es einen größeren Fund. Die Schalen und Krüge sind zumeist Grabbeigaben gewesen.

Funde aus der Radeburger Gegend gibt es schon aus der Bronzezeit im Stadtmuseum.
Funde aus der Radeburger Gegend gibt es schon aus der Bronzezeit im Stadtmuseum. © Peter Redlich

Bronzezeit (2200 bis 800 v. Chr.) ist vor der Eisenzeit (500 v. Chr. - 332 v. Chr.). Allerdings finden die Archäologen am Meißner Berg auch Dinge, die offenbar älter als die Eisenzeit sind. Susanne Koch hält Scherben in der Hand. „Anhand des Brandes der Keramik können Fachleute erkennen, wie alt diese sind. Die hier sind wahrscheinlich 2.800 Jahre.“ Auch kleine Absplitterungen von Feuersteinen wurden gefunden. All das lasse darauf schließen, dass hier schon sehr lange Menschen eine Siedlung und eine Arbeitsstätte hatten.

Insgesamt nennt die Grabungsleiterin 121 Befunde, die es wert sind, sie zu dokumentieren. Dafür ist Grabungstechniker Kay Mauksch zuständig. Er vermisst die Grubenabbildungen so, dass sie anhand von Messpunkten auch dreidimensional am Computer geöffnet werden können. Fotos entstehen und gehen ins Archiv des Landesamtes ein.

Radeburgs Bürgermeisterin Michaela Ritter (parteilos) und Bauamtsleiter Mathias Kröhnert interessieren sich auch für die Grabungen. Sie bittet darum, von den Fotos zu den Funden auch welche zu bekommen, damit sie im Heimatmuseum gezeigt werden können. Dafür gibt es eine Zusage. Immerhin muss die Stadt, wie jeder andere auch, bei dem gegraben wird, sich an den Kosten beteiligen - und die betragen insgesamt hier rund 31.000 Euro.

Das etwa 3.000 Quadratmeter große Untersuchungsfeld am Stadtrand von Radeburg
Das etwa 3.000 Quadratmeter große Untersuchungsfeld am Stadtrand von Radeburg © Norbert Millauer

Bauamtsleiter Kröhnert will vor allem wissen, bis wann die Grabungen dauern. Schließlich soll im Oktober das Erschließen für die jeweils rund 700 Quadratmeter großen über 40 Grundstücke beginnen. Deshalb auch wurde nicht die gesamte Fläche von den Archäologen untersucht und vom Bagger die Muttererde abgetragen, sondern nur ein sogenannter Relevanzbereich von etwa 3.000 Quadratmetern.

Die Archäologen um Grabungsleiterin Susanne Koche gehen davon aus, dass sie etwa bis Mitte Oktober das Areal ausreichend untersucht und dokumentiert haben. Danach kann dann gebaut werden.

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