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Aronia unterstützt auch die Viren-Abwehr

Aus dem Kreis Meißen kommt fast die gesamte Ernte dieser Beeren in Sachsen - in diesem Jahr mit einem Rekord. Ein Mediziner rät zum Gurgeln.

Zum Start der Aronia-Ernte zwischen Neusörnewitz und Meißen am Donnerstag dabei: Elisabeth II., Blütenkönigin von Sachsen und Sachsen-Anhalt.
Zum Start der Aronia-Ernte zwischen Neusörnewitz und Meißen am Donnerstag dabei: Elisabeth II., Blütenkönigin von Sachsen und Sachsen-Anhalt. © Norbert Millauer

Meißen/Dresden. Dort, wo der Coswiger Obstbauer Michael Görnitz zwischen den Aroniasträuchern steht, konnte er letztes Jahr nur ins Leere fassen. Keine Beere dran. Der milde Winter. Die zu frühe Blüte und der späte Frost haben in Summe alles kaputtgemacht. Auch die Jahre zuvor mit einer jeweils lediglich 40- bis 50-prozentigen Ernteausbeute waren mehr als mies.

Doch in diesem Jahr lachen die Herzen von Michael Görnitz und René Heidig. Die Zweige der Sträucher biegen sich unter der Last der schwarzen Beeren. Der Coswiger baut zwischen Neusörnewitz und Meißen, an der Köhlerstraße, seine Sträucher an. Heidig in der Agrar GbR Naundörfel in Diesbar-Seußlitz. Die beiden zusammen sind die Aronia-Versorger von Sachsen, mit 65 Hektar Anbaufläche bei Görnitz und 30 Hektar in Naundörfel. Lediglich einige kleine Anbauflächen mit Größen zwischen drei und fünf Hektar gibt es noch. In ganz Sachsen sind es insgesamt etwa 110 Hektar, bepflanzt mit Aroniasträuchern.

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In gut einer Woche sollen die Erntemaschinen dann mit aller Kraft durch die Felder rollen und die gesunde Beere von den Zweigen rütteln. Das bevorstehende sonnige Wochenende wollen die Obstbauern den Früchten noch gönnen.

Obstbauer Michael Görnitz (links) und Jörg Holzmüller vom Vermarkter Aronia Original pressen den ersten Aroniasaft 2021. Im Vorjahr gab es an diesen Sträuchern, wegen Frost, nicht eine Beere zu ernten.
Obstbauer Michael Görnitz (links) und Jörg Holzmüller vom Vermarkter Aronia Original pressen den ersten Aroniasaft 2021. Im Vorjahr gab es an diesen Sträuchern, wegen Frost, nicht eine Beere zu ernten. © Norbert Millauer

Jörg Holzmüller ist einer, der sich ganz besonders über die Rekordernte 2021 freut. Der Dresdner hat 2008 die Firma Aronia Original gegründet und entwickelt und vermarktet seitdem Aronia-Produkte. Holzmüller: „Wir rechnen in diesem Jahr in Sachsen mit 500 bis 600 Tonnen Aroniabeeren. Aus einem Kilo kann etwa 85 Prozent Saft gewonnen werden.“

Holzmüller und Görnitz haben für den Erntestart sogar sächsische Hoheiten aufgeboten, um ihre Freude über die wieder so gut gedeihende Frucht zu zeigen. August der Starke und Gräfin Cosel pressten gemeinsam aus den ersten Beeren einen Krug Aroniasaft. Blutrot im Glas zeigte sich beim Verkosten, dass auch die Beerensüße stärker als in früheren Jahren ist. „Ich habe in den letzten anderthalb Jahrzehnten keine so gute Ernte mit dieser Qualität erlebt“, urteilt Vermarkter Holzmüller, der den Obstbauern ihre Ernte abkauft und daraus nicht nur Säfte pur macht, sondern auch getrocknete Früchte, etwa für Tee oder den Überzug mit Bitterschokolade und viele andere Produkte.

Wie aktuell nützlich Aronia sein kann, weiß auch ein weiterer Gast beim Aronia-Erntestart. Bernhard Uehleke ist Medizinprofessor und Arzt für Naturheilkunde, zuletzt an der Charité in Berlin. Uehleke: „Aroniasaft mit seinem hohen Anteil an Gerbstoffen hat sich als der stärkste Bekämpfer der Eiweißstacheln des Covid-Virus herausgestellt.“

Im großen Stil sollen in einer Woche mit einer Erntemaschine die Früchte von den Sträuchern gerüttelt werden. Zweimal fährt der Traktor mit Maschine durch die Sträucherreihen, dann ist alles runter.
Im großen Stil sollen in einer Woche mit einer Erntemaschine die Früchte von den Sträuchern gerüttelt werden. Zweimal fährt der Traktor mit Maschine durch die Sträucherreihen, dann ist alles runter. © Norbert Millauer

Jeden Tag fünf Schnapsgläser zum Gurkeln

Der Mediziner, der generell fürs Impfen eintritt und selbst geimpft ist, empfiehlt - zum Beispiel für Personen, die sich aus unterschiedlichen Gründen nicht impfen lassen können - den Saft zum Gurgeln. Die Übertragung des Virus entstehe vor allem im Rachenraum. Die Gerbstoffe vernichten die Stacheln im Mund und selbst wenn sie es dort nicht ausreichend tun, dann arbeiten die Gerbstoffe im Magen und im Darm weiter gegen Viren. Denn im Unterschied zu anderen chemischen Mitteln zum Gurgeln könne ja Aroniasaft getrost geschluckt werden, so des Professors Werbung, schon mal der möglichen vierten Welle vorzubeugen.

100 Milliliter Aroniasaft am Tag zu trinken, empfehlen die Experten. Uehleke: „Fünfmal mit dem Inhalt eines Schnapsglases zu gurgeln und dann den Saft, der ja ohnehin ein großer Vitamin-C-Versorger ist, zu schlucken, kann viel Sinnvolles bewirken.“

Auch zu DDR-Zeiten wurden im Meißner Land schon die Aroniabeeren ab den 1980er-Jahren angebaut. Als natürlicher Farbstoff mit Vitaminen zum Erwirtschaften von Devisen, zum Beispiel vom Marmeladenhersteller in Schwartau oder für Haribo und deren Gummibärchen. In der lila Quarkspeise Leckermäulchen war Aroniasaft ebenfalls enthalten. Auch wenn Sachsen damals die Wiege des Aronia-Anbaus in Deutschland war, blieben die Anbauflächen damals, im Vergleich zu heute, klein. Mit der Coswiger Obstbauernfamilie Görnitz - Vater Volker und den Söhnen Mario und Michael - ist das Gebiet auf die jetzt ansehnliche Größe gewachsen.

Selbstpflücke startet sofort

Früchtekäufer und Vermarkter Holzmüller lobt zudem das Bemühen der hiesigen Aroniaproduzenten, nicht nur Bio, sondern die noch höherwertigere Demeterqualität zu erzeugen - heißt, das Pflanzenwachstum wird nur durch biologische Stoffe unterstützt, zwischen den Reihen wird mehr Platz als üblich gelassen.

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