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Aus für den Boselblick

Die auf Schweizer Küche spezialisierte Gaststätte in Sörnewitz schließt, den beliebten Biergarten soll es aber weiterhin geben.

Tina und Gottlieb Addor haben Schweizer Gastronomie im Boselblick in Sörnewitz angeboten. Ihr Konzept wurde angenommen, aber es kamen trotzdem nicht genügend Gäste, sodass sich das Wirtsehepaar entschlossen hat, die Gaststätte aufzugeben.
Tina und Gottlieb Addor haben Schweizer Gastronomie im Boselblick in Sörnewitz angeboten. Ihr Konzept wurde angenommen, aber es kamen trotzdem nicht genügend Gäste, sodass sich das Wirtsehepaar entschlossen hat, die Gaststätte aufzugeben. © privat

Sörnewitz. Ob es möglich wäre, am Sonnabend, dem 17. April, mit etwa einem Dutzend Gästen zum Brunch zu kommen, lautete die Anfrage an das Gasthaus Boselblick in Sörnewitz. Das sei es nicht, lautete die Antwort von Inhaberin Tina Addor. Aber nicht, weil sie davon ausgeht, dass dann die Gaststätten immer noch nicht öffnen dürfen, sondern weil „mein Mann und ich unsere Geschäftstätigkeit zum 31. Januar 2021 aufgeben“.

Bei einem Besuch vor Ort bestätigt Tina Addor, dass es die Gaststätte als solche nicht mehr geben wird und sie nennt auch gleich die Begründung dazu. „Es rechnet sich nicht, es hat sich noch nie gerechnet.“ Vor zwei Jahren habe es schon einmal Überlegungen gegeben, das Gasthaus Boselblick mit dem Schweizer Stübli aufzugeben. Nun also ist es so weit.

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Im Oktober 2011 hatten Tina Addor und ihr aus der Schweiz stammender Ehemann Gottlieb die Gaststätte direkt an der Dresdner Straße am Ortsausgang von Sörnewitz übernommen, wie der Name es sagt, gegenüber dem Boselfelsen. Zuvor hatten sie für elf Jahre zwei Restaurants in Dresden-Hellerau beziehungsweise -Klotzsche betrieben.

Elbwasser stand bis zu drei Meter hoch im Gebäude

Dann kam der Juni 2013 und mit ihm ein gewaltiges Hochwasser der Elbe, das bis zu drei Meter hoch in den Gebäuden stand. Die Hütten für den Bierausschank waren zerstört, der Schuppen für die Leihfahrräder und die krippenförmigen Sitzecken waren beschädigt. Neue Elektroleitungen mussten im Außengelände verlegt und die Mauern rund um das Grundstück erneuert werden, weil sie vom Wasser der Elbe teilweise unterspült waren. Am Ende summierten sich die Schäden auf gut 30.000 Euro, hatte Gottlieb Addor in der SZ damals erklärt.

Eine Kuh in den Landesfarben der Schweiz und dem markanten weißen Kreuz der Nationalflagge zierte den Eingang zum Gasthaus.
Eine Kuh in den Landesfarben der Schweiz und dem markanten weißen Kreuz der Nationalflagge zierte den Eingang zum Gasthaus. © privat

Warum sich die Gaststätte nicht rechnet, lautet die Frage an Tina Addor. Weil es in dem kleinen Elbedörfchen Sörnewitz mit seiner überschaubaren Anzahl an Einwohnern gleich vier Gaststätten gebe, so die Antwort. Und: „Die Einheimischen gehen nicht in Gaststätten, sie haben das Restaurant nicht angenommen, beim Biergarten ist das was anderes.“ Vielleicht habe auch die original Schweizer Gastronomie, die sie im Boselblick angeboten haben, die Leute verschreckt, weil sie mit Schweiz teurer in Verbindung bringen. „Dabei haben wir hier ostdeutsche Preise gehabt.

Meißner Brauerei übernimmt

“Das Restaurant wird geschlossen und der Rest? „Ab 1. März übernimmt die Meißner Schwerter Brauerei das Objekt, allerdings nur die Gästezimmer und den Biergarten.“ Derzeit gibt es sieben Gästezimmer für Monteure und Radtouristen. Für sie wird die jetzige Gaststube zum Frühstücksraum umgestaltet und der jetzige Frühstücksraum wird ein Aufenthaltsraum.

Auf Anfrage bei Meißner Schwerter Privatbrauerei erklärt André Kreuziger, der gastronomische Leiter des Unternehmens: „Wir freuen uns, mit dem bekannten Boselblick einen der beliebtesten Biergärten im Meißner Land zu übernehmen. Nach dem Umbau begrüßen wir unsere Gäste am Elbradweg mit bodenständiger, regionaler Küche und den Bieren der Meißner Schwerter Privatbrauerei. Radtouristen bieten wir weiterhin gemütliche Fremdenzimmer mit Frühstück an.

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"Wenn der Boselblick abgewickelt ist, will sich Tina Addor nach einem neuen Job umschauen, ihr Mann Gottlieb ist schon in Rente. „Vielleicht kann ich mich künftig ja um das Frühstück für die Gäste kümmern, oder ich mache etwas anderes.“ Sie und ihr Mann geben den Boselblick mit einem lachendem und einem weinenden Auge auf, erklärt sie. Und: „Wir gehen schuldenfrei hier raus.“

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