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Baustart am Dach der Friedenskirche

Eigentlich sollte nur die Dachpappe der Seitendächer runter. Doch es ist noch viel mehr verschlissen. Ein Zuschuss vom Bund hilft beim Sanieren.

Hat eine gute Übersicht über das, was in den nächsten Wochen mit dem Dach der Friedenskirche passieren soll - Pfarrerin Annegret Fischer auf dem Turm des Gotteshauses in Altkötzschenbroda.
Hat eine gute Übersicht über das, was in den nächsten Wochen mit dem Dach der Friedenskirche passieren soll - Pfarrerin Annegret Fischer auf dem Turm des Gotteshauses in Altkötzschenbroda. © Norbert Millauer

Radebeul. Nicht zu übersehen. Die Friedenskirche ist eingerüstet. Wieder mal. Jetzt aber nicht am Turm, sondern am Kirchenschiff. Das Dach wird saniert. Vor über einem Jahr stand schon fest, dass die Seitendächer, gedeckt mit Dachpappe, nicht mehr durchhalten. Bei Untersuchungen und teils auch ganz offensichtlich zeigte sich, dass unter dem, von außen betrachtet, intakten Schieferdach so einige Stellen das Regenwasser durchlassen.

Pfarrerin Annegret Fischer: „In den 1970er-Jahren wurde das Schieferdach zuletzt in Ordnung gebracht. Weil es nicht genügend Schiefer zum Eindecken gab, sind viele alte wieder verwendet worden. Die werden jetzt brüchig und lösen sich.“ Auch die Pappeschindeln sind zu dieser Zeit, vor 50 Jahren, aufgebracht worden. Das Ergebnis ist auf dem Boden, direkt unter dem Dach, zu sehen - große Wasserflecken, die auch das Holz unter dem Dach schädigen.

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Kirchner Toralf Bretschner musste weiße Laken vor die Wände im Obergeschoss, der Empore im Kircheninnern, hängen. „Das geht so nicht weiter und muss in Ordnung gebracht werden“, sagte Pfarrerin Fischer, als der Beschluss zur Sanierung gefasst worden ist.

Auf dem Dachboden erkennt Kirchner Toralf Bretschner wiederholt, wo es überall undicht ist. Nicht nur unter den Pappeschindeln, auch die Schieferdeckung hält den Regen nicht mehr ab.
Auf dem Dachboden erkennt Kirchner Toralf Bretschner wiederholt, wo es überall undicht ist. Nicht nur unter den Pappeschindeln, auch die Schieferdeckung hält den Regen nicht mehr ab. © Norbert Millauer

Der Friedenstisch steht noch drin

Neben dem Turm gehört das Kirchenschiff zum Wesentlichen des Gotteshauses der rund 3.700 Glieder zählenden Gemeinde. Das seit dem 13. Jahrhundert am Elbufer über die Landschaft ragende Bauwerk erlangte Berühmtheit, weil hier im Dreißigjährigen Krieg 1645 zwischen Sachsen und Schweden der erste Waffenstillstand in Europa geschlossen wurde. Deshalb der Name Friedenskirche - das Dokument des Friedensschlusses und der Tisch, worauf die Unterschriften geschrieben wurden, sind in der Kirche zu besichtigen.

Die Pfarrerin weiß, dass die Dachsanierung jetzt an die Grenzen der Finanzierungsmöglichkeiten der Gemeinde geht. Eine wichtige Unterstützung kam vom Bund. Diesmal sogar parteiübergreifend mit großer Einigkeit. „In diesem Jahr gibt es Unterstützung für zwei große Projekte in meinem Wahlkreis“, so der Meißner Bundestagsabgeordnete Thomas de Maizière (CDU) vor einem Jahr. In Verhandlungen mit Haushaltspolitikern und in Abstimmung mit Susann Rüthrich, der SPD Bundestagsabgeordneten hier, hatte er sich intensiv für die Hilfe eingesetzt.

Thomas de Maizière: „In diesen Zeiten sind die Mittel des Bundes begrenzt. Mit Frau Rüthrich habe ich vereinbart, dass wir das jeweilige Projekt des anderen mit befürworten, sodass wir möglichst viele Fördermittel in den Landkreis Meißen holen können.“ Die Sanierung des Schlosses Jahnishausen wird mit 215.000 Euro gefördert. Und für die Dachreparatur der Friedenskirche gibt es insgesamt die Zusage für 275.000 Euro. 165.000 Euro vom Bund direkt und 110.000 Euro aus Landesdenkmalmitteln.

Kreuzblumen aus Sandstein schmücken die Ränder des Kirchendaches. Saurer Regen hat diese angefressen.
Kreuzblumen aus Sandstein schmücken die Ränder des Kirchendaches. Saurer Regen hat diese angefressen. © Norbert Millauer

Baupreise galoppieren davon

Als im vorigen Jahr diese Zusage eintraf und auch die Landeskirche weitere Zuschüsse zugesagt hatte, stand für die Dachsanierung eine kalkulierte Summe von 395.000 Euro auf dem Papier. Doch wie in diesen Monaten zumeist, erst recht, wenn es sich um Baudenkmale handelt, wird es teurer.

Annegret Fischer: „Nach den Schreiben der Handwerksfirmen haben wir jetzt kalkulierte Kostenangebote von insgesamt 482.000 Euro.“ Geld, das noch nicht ganz beisammen ist. „Aber wir müssen anfangen, sonst galoppieren uns die Preise weiter davon“, sagt die Pfarrerin.

Das Gute an dem ganzen Aufwand: Es ist kein Flickwerk. Zu der neuen Eindeckung des Daches werden auch alle Schmuckteile auf und um das Dach herum mit aufgearbeitet. Dazu gehören schmiedeeiserner Blumenschmuck auf Dachreitern und auch Sandsteinkreuzblumen, die an der Dachkante angebracht sind. Denkmalpflegerisch aufwendige Arbeiten, das zeigt sich allein schon beim Betrachten der vom früheren sauren Regen angefressenen Skulpturen.

Und eine ganz besondere Freude sollen die Handwerker und Steinbildhauer der Gemeinde noch bereiten: Das Portal zum Kirchenschiff wird auch mit saniert. Früher gab es auf dem Portal ein Kreuz. Fotos davon existieren noch. „Das kommt wieder drauf“, freut sich die Pfarrerin.

Geplant sind die Arbeiten bis Oktober dieses Jahres. Spätestens, bis der nächste Frost kommt. Annegret Fischer: „So lange werden wir wieder mit Gerüsten leben müssen - nicht schön für Hochzeiten beispielsweise, aber es lässt sich nicht ändern.“

Wenn das Dach samt seinen Verzierungen fertig sein wird, dann ist die Kirchensanierung durch. Turm, Dach und Portal sind anschließend wieder für mindestens eine Generation in Schuss gebracht. Ein teurer Aufwand, aber für das berühmte Bauwerk ein gerechtfertigter, sagen alle Beteiligten.

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„Ich bin begeistert, dass dieser wichtige weitere Schritt bei der Sanierung der Friedenskirche mit diesem großen Zuschuss möglich wird. Angesichts des 75. Jahrestages des Kriegsendes und der längsten Friedenszeit für unser Land ist uns die Kirche ein Ort der Mahnung und der Friedensarbeit zugleich“, so de Maizière im vorigen Jahr zur Geldzusage.

Eingerüstet ist derzeit die Nordseite des Kirchenschiffes, hin zum Dorfanger. Hier werden die Handwerker zuerst die alten Schiefer und Schindeln abräumen.
Eingerüstet ist derzeit die Nordseite des Kirchenschiffes, hin zum Dorfanger. Hier werden die Handwerker zuerst die alten Schiefer und Schindeln abräumen. © Norbert Millauer

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