Radebeul
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Biker rufen zum Gottesdienst nach Radeburg

Die Christlichen Motorradfahrer Sachsen veranstalten am Sonntagvormittag auf dem TSV-Gelände ein PS- und dezibelstarkes Spektakel.

Von Manfred Müller
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Der erste Biker-Gottesdienst in Radeburg fand 2021 auf dem Markt statt. Dieses Mal steht der Platz wegen Pflasterarbeiten nicht zur Verfügung, deshalb wird die Andacht auf dem TSV-Sportplatzgelände abgehalten.
Der erste Biker-Gottesdienst in Radeburg fand 2021 auf dem Markt statt. Dieses Mal steht der Platz wegen Pflasterarbeiten nicht zur Verfügung, deshalb wird die Andacht auf dem TSV-Sportplatzgelände abgehalten. © Norbert Millauer (Archiv)

Radeburg. Wie ein Dirigent versteht es Bikerpastor Roberto Jahn, das Auspuff-Orchester von mehreren Hundert Feuerstühlen anschwellen zu lassen. Die höheren Töne kommen von den Einzylinder-Maschinen, während die Vier- oder gar Sechszylinder das Dröhnen der Bässe und Pauken simulieren. Im vorigen Jahr brachte der Seelsorger aus Marienberg auf die Weise den Radeburger Markt zum Beben. Und auch dieses Jahr wird es in der Zillestadt einen Motorradfahrer-Gottesdienst geben: am Sonntag, 10. Juli, um 10.30 Uhr auf dem Sportgelände des TSV. Die Radeburger Innenstadt steht für das Spektakel diesmal nicht zur Verfügung, weil am Markt noch Pflasterarbeiten im Gange sind. Deshalb wird die Andacht an der Friedrich-Ludwig-Jahn-Allee 9 stattfinden.

„Zum ersten Gottesdienst im vorigen Jahr sind auf Anhieb 250 Biker gekommen“, erklärt Organisations-Chef Peter Gamer. „Wir werden diesmal am Markt einen Einweiser postieren, der die Teilnehmer zum Sportgelände weiterleitet.“ Der Radebeuler hat den hiesigen Zweig der Christlichen Motorradfahrer Sachsen (CMS) ins Leben gerufen. CMS war im Jahr 2003 im Erzgebirge gegründet worden, mit dem Ziel, den christlichen Glauben unter Bikern bekannt zu machen, ihnen Hilfen anzubieten und Angebote für Freizeitgestaltung zu schaffen. Seitdem organisieren die christlichen Motorradfahrer regelmäßig Biker-Gottesdienste, -stammtische und Reisen.

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Organisations-Chef Peter Gamer mit seiner BMW R1200C – der Motorrad-Typ wurde durch eine Verfolgungsjagd im James-Bond-Film „Der Morgen stirbt nie“ bekannt.
Organisations-Chef Peter Gamer mit seiner BMW R1200C – der Motorrad-Typ wurde durch eine Verfolgungsjagd im James-Bond-Film „Der Morgen stirbt nie“ bekannt. © M. Müller

„Ich bin leidenschaftlicher Motorradfahrer und außerdem ehrenamtlicher Pfarrer“, sagt Peter Gamer. „Deshalb war für mich klar, dass so ein Biker-Gottesdienst hierhergehört.“ Durch seine Kontakte zum Radeburger Seelsorger Andreas Kecke war schnell ein Veranstaltungsort gefunden, und auch bei Bürgermeisterin Michaela Ritter rannten die christlichen Biker offene Türen ein. Bei den feierlustigen, karnevalsgestählten Radeburgern sowieso. So kam es, dass der Motorradfahrer-Gottesdienst im vorigen Jahr als erste Veranstaltung auf dem neu gestalteten Markt stattfand.

Das Prozedere am kommenden Wochenende auf dem TSV-Gelände wird das gleiche sein: das „Anläuten“ mit den Motoren, die Predigt und Gebet – alles ganz locker und bikergerecht. Danach kann man ganz locker übers Gelände schlendern, alte Bekannte treffen, sich besonders schöne Maschinen ansehen, fachsimpeln und einfach eine schöne Zeit verbringen. Der Gottesdienst ist natürlich publikumsoffen – die Organisatoren hoffen sogar auf möglichst viele Gäste. Für die musikalische Unterhaltung sorgt die Band „Mission X“.

Traum von Biker-Gottesdienst auf Dresdner Altmarkt

„Bei den christlichen Motorradfahrern trifft man auf ganz tolle, vernünftige Leute“, erzählt Peter Gamer. Es seien Juristen dabei, Firmeninhaber, Banker, Ministerielle. Gamer selbst arbeitet im sächsischen Landesamt für Umwelt und Geologie. Ironie des Schicksals: Zu seinem Verantwortungsbereich gehört auch die Begrenzung von Motorradlärm. Privat fährt der 60-Jährige eine chromblitzende BMW R1200C, eine Rarität, auf die er gehörig stolz ist. Der Cruiser wurde bekannt durch den 1997 gedrehten 18. Film der James-Bond-Reihe. In „Der Morgen stirbt nie“ liefert sich Pierce Brosnan auf der Maschine eine wilde Verfolgungsjagd mit einem Hubschrauber. „Meine hat sogar die Elfenbeinlackierung wie im Film“, sagt Peter Gamer. Wie James Bond beanspruche er seine BMW aber nicht. Er sei wie meisten christlichen Biker ein Genussfahrer, kein Knieschleifer. Ein aggressiver Fahrstil bringe diese wunderschöne Freizeitbeschäftigung nur in Verruf.

Gamers Träume gehen in eine ganz andere Richtung. „Ein Biker-Gottesdienst auf dem Dresdner Altmarkt – das wär's doch“, sagt der Motorrad-Enthusiast. Da müsse man organisationsmäßig zwar ein ganz dickes Brett bohren, aber so ein Event vor Tausenden Zuschauern sei die Mühe allemal wert.