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Blick in die Vergangenheit

Das Weinböhlaer Adressbuch von 1936 steht jetzt im Museum zur Verfügung - Interessierte reisen von weither an.

Das historische Adressbuch von Weinböhla von 1936 im Heimatmuseum der Gemeinde.
Das historische Adressbuch von Weinböhla von 1936 im Heimatmuseum der Gemeinde. © Norbert Millauer

Von Julian Wolf

Mal in der Vergangenheit stöbern und etwas über die Familiengeschichte in Erfahrung bringen. Vielleicht sogar einen Stammbaum erstellen. Das war in Weinböhla schon immer gut möglich, bieten das Museum mit Archiv der Oberschule in der Sachsenstraße sowie das Heimatmuseum auf dem Kirchplatz schon viele alte Bücher, Zeitschriften und Nachschlagewerke an. Seit drei Wochen befindet sich im Heimatmuseum nun auch ein historisches Adressbuch. Viele Bürger haben schon einen Einblick bekommen.

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Aus dem Jahr 1936 stammt das Werk. Auf den 88 Seiten des Adressbuches sind alle damaligen Einwohner der Gemeinde Weinböhla aufgelistet. Im Anhang sind auf weiteren 132 Seiten die Bürger sämtlicher weiterer Orte des damaligen „Amtsgerichtes Meißen“ namentlich erfasst. Mehr als 100 Gemeinden, Siedlungen und Gehöfte gehörten in der Vergangenheit dazu. Alte deutsche Schrift ziert bereits die erste Seite des Buches: „Adressbuch 1936 für den Ort Weinböhla. Anhang: Der Amtsbezirk Meißen und Geschäftsanzeigen aus dem Verbreitungsbezirk der Amtshauptmannschaft Meißen.“ Das Exemplar ist die sechste Ausgabe, bearbeitet mittels amtlicher und privater Unterlagen, gedruckt und verlegt von einer Meißner Firma.

Zunächst geht es um die Geschichte Weinböhlas. Ein Bild vom alten Rathausgebäude ist zu erkennen. 8.820 Einwohner in 2.875 Haushalten in 1.470 separat bewohnten Gebäuden konnte die Gemeinde damals verzeichnen. Auf den nachfolgenden Seiten wird über die ansässigen Behörden, Anstalten und Vereine sowie über die Industrie, den Handel und das Gewerbe in Weinböhla informiert. Besonders interessant ist jedoch das alphabetisch geordnete Straßen- und Einwohnerverzeichnis.

Museumsleiter Reinhard Krönert berichtet: „Die Besucherfrequenz an unserem Öffnungstag, dem Sonntag, ist groß. Aus Chemnitz, Riesa, Leipzig und Annaberg-Buchholz kamen schon Leute, um einen Blick in das historische Adressbuch zu werfen.“ So auch Familie P. aus Weinböhla, die keinerlei Informationen über ihren Vater beziehungsweise Schwiegervater finden konnte. Jetzt wurde sie nach jahrelanger Suche fündig: „Für uns ist das ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist. Wir waren uns sicher, dass irgendwo Informationen sein müssen. Finden konnten wir sie aber nie. Wir sind dem Heimatmuseum sehr dankbar, dass wir unsere Familiengeschichte nun vervollständigen konnten.“

Doch wo kommt das historische Dokument eigentlich her? Detlef Arnold, Formenbauer und ehemals Geschäftsführer des gleichnamigen Modellbaubetriebes in Weinböhla, bekam das Adressbuch im A4-Format von seinem Vater Werner. Er entschloss sich dazu, das Buch dem Heimatmuseum zu stiften. „Es gibt bestimmt nicht mehr viele Exemplare davon. Vielleicht ist es auch das einzige“, sagt Detlef Arnold, der von 1994 bis 2019 stellvertretende Bürgermeister von Weinböhla war.

Für eine würdevolle Präsentation des historischen Nachschlagewerkes baute Thomas Hemschik, ein Mitarbeiter der Modellbaufirma Arnold, ein Fensterschränkchen aus Erlenholz. Dass dieser Baustein der Weinböhlaer Geschichte auch zur Einsichtnahme zur Verfügung steht, sei sehr wichtig. „Das Besondere an diesem Werk ist, zu zeigen, was es Mitte der 1930er-Jahre bereits für Informationsmaterialien gegeben hat und wer zu dieser Zeit in Weinböhla gelebt hat“, erklärt Detlef Arnold.

Angebracht wurde der Präsentationskasten vom Bauhof Weinböhla in der zweiten Etage des Heimatmuseums. Noch bis zum 12. September kann das historische Adressbuch jeden Sonntag von 14 bis 17 Uhr bestaunt und durchblättert werden.

Weitere Informationen zum Heimatmuseum Weinböhla findet man online unter www.weinboehla.de - Menüpunkte „Kunst & Kultur“ und „Heimatmuseum“.

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