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Blitzerzahlen und Einnahmen brechen ein

Radebeul bleibt die Blitzerhauptstadt im Kreis Meißen. Mobil geblitzt wird erst wieder seit diesem Jahr. Knöllchen sind deutlich teurer.

Von Peter Redlich
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Der Blitzer, der im Kreis Meißen 2021 die meisten Fotos geschossen hat, steht an der Meißner Straße, Ecke Forststraße in Radebeuls Osten, nahe der Stadtgrenze zu Dresden.
Der Blitzer, der im Kreis Meißen 2021 die meisten Fotos geschossen hat, steht an der Meißner Straße, Ecke Forststraße in Radebeuls Osten, nahe der Stadtgrenze zu Dresden. © Arvid Müller

Radebeul/Meißen/Großenhain/Riesa. Es gibt einen neuen Bußgeldkatalog mit drastisch erhöhten Geldstrafen. Doch haben die großen Städte im Kreis damit auch ihre Kassen mehr als bisher füllen können? Eine Umfrage in Radebeul, Meißen, Coswig Großenhain und Riesa.

Radebeul: Der Standort mit den meisten Auslösern hat sich geändert

Nicht mehr die Blitzer an der Waldstraße erzielen für sich alleine gezählt die meisten Fotos der Zu-schnell-Fahrer, sondern der Blitzer auf der Meißner Straße, Ecke Forststraße. 5.132 Verfahren zählt Ingolf Zill, Leiter der Verkehrsbehörde, dort bis Jahresende. Erst gut ein Jahr steht das Gerät an der Stelle, die sich als Unfallschwerpunkt herausgestellt hat. Und wie auch schon in den Vorjahren gab es hier den Ausreißer des Jahres. Zill: „123 km/h wurden dort gemessen. Das sind nach dem aktuellen Bußgeldkatalog 800 Euro Geldbuße, zwei Punkte und drei Monate Fahrverbot.“ Rund 90.000 Euro hat der Forststraßenblitzer in die Stadtkasse gespült.

Die Blitzer an der Waldstraße – beidseitig angeordnet – sind allerdings immer noch eine Falle für viele Fahrer. Beidseits zusammen wurde hier 9.057 Mal ausgelöst und 156.000 Euro an Strafen verlangt. Lediglich 234 Mal allerdings als Bußgeld. Dennoch, Verwarngeld heißt es nach dem neuen Katalog bis 55 Euro. Platz 3 in der Radebeuler Statistik unter den fünf stationären Blitzern belegt der an der Meißner Straße vor Wackerbarth – 3.259 Mal gab es von hier Fotos; auch hier in der Mehrheit Verwarngeld mit geringer Geschwindigkeitsüberschreitung. Üblicherweise lösen die Geräte ab sechs km/h über dem Erlaubten aus.

Es gab auch Knöllchen in der Stadt. 7.572 Verfahren listet die Verkehrsbehörde auf. Schwerpunkte waren Kötzschenbroda, Meißner Straße, Radebeul-Ost im Zentrum und Bewohnerparkbereiche wie Seestraße, Trachauer Straße, Ahornstraße, An der Siedlung, Barthübelstraße. Ingolf Zill: „Vielfach werden Fahrzeuge im Fünf-Meter-Bereich an Kreuzungen geparkt, wo Rettungsfahrzeuge und Feuerwehr Schwierigkeiten bekommen. Auch auf Gehwegen wird immer wieder das Auto abgestellt.“ Weil das jetzt 55 Euro kostet, sei schon die erzieherische Wirkung zu spüren, heißt es aus dem Ordnungsamt.

Insgesamt haben Verkehrssünder der Stadt zu rund 560.000 Euro verholfen. Das ist erneut ein gehöriger Rückgang zu den Vorjahren. Knapp 600.000 Euro waren es mit weniger Verkehr durch die Lockdowns 2020. Die Jahre davor wurden 700.000 Euro und mehr eingenommen.

Ausgewirkt habe sich vor allem der Ausfall der mobilen Blitzer. Von der Verkehrsbehörde heißt es, dass nur bis zum 12. März damit geblitzt wurde. „Ab diesem Datum waren Messungen mit der uns damals zur Verfügung stehenden Messtechnik in Deutschland nicht mehr zulässig. Grund dafür waren Messungenauigkeiten, die durch Sachverständige nachgewiesen und durch die Physikalisch-Technische Bundesanstalt PTB bestätigt wurden“, sagt Zill. Das führte dazu, dass übers ganze Jahr nur 871 Mal geblitzt wurde, was zu 43.000 Euro Einnahmen führte.

Ab diesem Jahr sind die beiden Skoda-Roomster wieder mit neuer Technik auf Raserfang.

Weil die Geräte für die mobilen Blitzer wegen Ungenauigkeit gewechselt werden mussten, gab es wesentlich weniger Einnahmen.
Weil die Geräte für die mobilen Blitzer wegen Ungenauigkeit gewechselt werden mussten, gab es wesentlich weniger Einnahmen. © Norbert Millauer

Coswig: Nur ein Fünftel der sonst üblichen Einnahmen

In der Stadt Coswig hilft Radebeul, Raser im Verkehr ausfindig zu machen. Stationäre Blitzer gibt es nicht. Dafür postieren sich Mitarbeiter des Radebeuler Ordnungsamtes mit mobilen Messgeräten in den Straßen von Coswig und dessen Ortsteilen.

Doch während Radebeuls Nachbarstadt 2020 über 5.000 Blitzerbescheide – trotz weniger Verkehr wegen Corona – und damit Einnahmen von 104.000 Euro hatte, ist es im vergangenen Jahr deutlich weniger. Auswirkung hatte, wie auch in Radebeul, dass ab Mitte März die mobile Blitzertechnik nicht verwendet werden konnte.

Demzufolge rechnet Coswig für 2021 mit 778 Verfahren, davon 741 Verwarnungen und 37 Bußgelder sowie daraus folgenden Einnahmen von etwa 21.000 Euro ab.

Knöllchen sind in der Stadt auch verteilt worden. Ordnungsamtsleiter Olaf Lier: „Coswig musste 976 Mal Parksünder feststellen. Im Jahr zuvor waren es 1.200.“ 13.700 Euro haben die Falschparker dafür insgesamt gezahlt. Es gab weniger Kontrollen durch langfristige Krankheit, Corona-Ausfälle im Amt sowie Vertretung insbesondere im Bürgerbüro, sagt Lier. Wiederholt wurden Fahrzeuge falsch geparkt, während der Stadtreinigung, in der Romerstraße, im Spitzgrund, auf der Kötzschenbrodaer Straße und Am Mittelfeld.

Riesa: Die Ausnahme im Kreis – Autofahrer zahlen 2021 mehr

Im fließenden Verkehr wurden im Jahr 2021 bis kurz vor Silvester insgesamt 6.682 Vorgänge erfasst, heißt es von Hauptamtsleiter Marcus Gierth. Diese zogen als Verwarn- und Bußgelder etwa einen Betrag von 160.000 Euro nach sich.

Im Jahr zuvor hatte Stadtsprecher Uwe Päsler insgesamt 3.926 Bescheide genannt. Damals nahm die Stadt einen Betrag von 95.665 Euro ein.

Im ruhenden Verkehr mussten im gleichen Zeitraum insgesamt 7.993 Verstöße festgestellt werden, so Marcus Gierth. Dafür haben die Fahrer bzw. Fahrzeughalter etwa 120.000 Euro für verteilte Knöllchen an die Stadt gezahlt.

Großenhain: Eigenes Messgerät konnte nicht eingesetzt werden

Die Statistik der Verkehrsüberwachung in Großenhain für 2021 sagt, dass im fließenden Verkehr 709 Geschwindigkeitsüberschreitungen festgestellt worden sind, die der Stadt Einnahmen von 11.833,51 Euro brachten, so Diana Schulze, Pressesprecherin der Stadt. Schulze: „Da im Zeitraum März 2021 bis Oktober 2021 keine mobilen Geschwindigkeitsmessungen stattfanden, weil, wie in Radebeul und Coswig, das vorhandene Messgerät Livetec nicht eingesetzt werden durfte, fallen die Einnahmen geringer als in den Vorjahren aus. Im Jahr 2020 waren es über 85.000 Euro.“

Im ruhenden Verkehr haben die Ordnungshüter der Stadt 4.070 Parkverstöße festgestellt und Knöllcheneinnahmen von 43.348,75 Euro bekommen.

Meißen: Die Abrechnung zu Blitzern und Knöllchen folgt Ende Januar

Im Meißner Fachamt gibt es Probleme mit der Abrechnung zur Blitzerstatistik wegen krankheitsbedingten Ausfällen, heißt es aus dem Presseamt der Stadt. Ende Januar sollen die Zahlen voraussichtlich vorliegen.

Landkreis Meißen: Neue Geräte für alte und neue Standorte

Ein Großteil, der durch das Landratsamt bewirtschafteten stationären Geschwindigkeitsüberwachungsanlagen, wurden im Jahr 2021 abgebaut, da alle Standorte mit einer neuen Messtechnik auch baulich neu errichtet werden, informiert Doris Käthner von der Pressestelle des Amtes in Meißen. Die damit verbundenen Baumaßnahmen sollen in diesem Monat beginnen.

Noch in Betrieb sind vier Anlagen von einst neun. Diese stehen im Nünchritzer Ortsteil Diesbar-Seußlitz, in Stauchitz, Ortsteil Seerhausen an der B 6, im Käbschütztal, Ortsteil Krögis an der B 101 einmal in Fahrtrichtung Meißen und einmal in Richtung Nossen.

Im Jahr 2021 wurden bisher 21.746 Geschwindigkeitsüberschreitungen in Ordnungswidrigkeitsverfahren verfolgt. Damit verbunden sind 489.551 Euro an Einnahmen, heißt es aus dem Landratsamt. Im Vorjahr hatte das Landratsamt mit 1,2 Millionen Euro mehr als doppelt so hohe Einnahmen. Die meisten zu schnellen Fahrer hat es bei den Blitzern in Krögis erwischt.

Neue Blitzerstandorte sind auch geplant. So in Röderaue im Ortsteil Frauenhain an der B 101 für die Überwachung beider Fahrtrichtungen. Diese Blitzersäulen sollen in den nächsten Wochen mit aufgestellt werden. Auch die Überwachungsanlagen im Klipphausener Ortsteil Wildberg an der B 6 sollen wieder errichtet werden.