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Brandstifter und Diebe geschnappt

Was die Kripo nach dem Großbrand von ehemaligen Ställen in Klipphausen noch alles mit akribischer Arbeit herausfand.

Großer Feuerwehreinsatz am 16. August 2020 im Klipphausener Ortsteil Sönitz. Das Feuer wurde offenbar gelegt, um andere Straftaten zu verschleiern.
Großer Feuerwehreinsatz am 16. August 2020 im Klipphausener Ortsteil Sönitz. Das Feuer wurde offenbar gelegt, um andere Straftaten zu verschleiern. © Claudia Hübschmann

Meißen/Coswig/Dresden. Was am 16. August vorigen Jahres in einer Lagerhalle an der Miltitzer Straße im Klipphausener Ortsteil Sönitz passierte, hat ohnehin schon im Landkreis für Aufsehen gesorgt. Mit einem Aufgebot von 100 Kameraden aus 13 freiwilligen Feuerwehren musste ein Brand in den frühen Morgenstunden in dem ehemaligen Stall gelöscht werden. Es war Brandstiftung. Der Schaden: rund eine halbe Million Euro.

Vor wenigen Tagen kam zu dem Ereignis eine Mitteilung der Polizeidirektion Dresden. Darin heißt es: Die Staatsanwaltschaft Dresden und die Kriminalaußenstelle Meißen (KAST) ermitteln gegen zwei Deutsche (28 und 41 Jahre) wegen des Verdachts der vorsätzlichen Brandstiftung zu genau dieser Lagerhalle bei Klipphausen.

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Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Dresden hat der Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Dresden Haftbefehl gegen den 28-jährigen Beschuldigten sowie Durchsuchungsbeschlüsse für drei Wohnungen und zwei Garagen erlassen. Die Durchsuchungen fanden am 18. Januar, eine weitere Ende Januar an der Grenzstraße in Coswig statt.

Jürgen Leistner, Leiter der Kriminalaußenstelle Meißen, zeigt bei Durchsuchungen gefundene Fahrräder, darunter einen teuren Carbon-Rahmen (BMC O2).
Jürgen Leistner, Leiter der Kriminalaußenstelle Meißen, zeigt bei Durchsuchungen gefundene Fahrräder, darunter einen teuren Carbon-Rahmen (BMC O2). © Norbert Millauer

Bei den Durchsuchungen wurden umfangreiche Beweismittel und auch Diebesgut sichergestellt, das aus verschiedenen Einbrüchen stammt. Dazu gehören auch Handys und Drogen.

Der 28-jährige Beschuldigte wurde Mitte Januar vorläufig festgenommen, er sitzt in Untersuchungshaft. Gegen den 41-jährigen Beschuldigten wurde von der Staatsanwaltschaft noch kein Haftbefehl beantragt, da gegen ihn derzeit kein dringender Tatverdacht besteht, sondern nur ein Anfangsverdacht, heißt es in der Mitteilung. Staatsanwaltschaft und Polizei gehen davon aus, dass noch eine dritte derzeit unbekannte Person an der Brandstiftung beteiligt gewesen war.

Diesen Ermittlungsstand haben die Kriminalisten der Meißner KAST vor allem deshalb erreicht, weil die Brandermittler und Techniker tagelang akribische Arbeit in und an der riesigen Brandhalle geleistet haben. Auch Spurensuchhunde waren mit im Einsatz. Dort, wo offenbar das Feuer an einem Reifenstapel gelegt wurde, haben sie DNA-Spuren des offensichtlichen Täters gefunden. Im Abgleich mit den im Polizeiregister vorhandenen Daten führte die Spur nach Coswig, wo die genannten Durchsuchungen stattfanden. Bereits zuvor war in der abgefackelten Halle Diebesgut wie ein Rasentraktor und ein Gokart gefunden worden. Der ehemalige Stall wurde zum Unterstellen und Reparieren von Autos genutzt. Und sehr wahrscheinlich noch zu mehr.

Ein auffälliger Laptop, der als Diebesgut sichergestellt wurde.
Ein auffälliger Laptop, der als Diebesgut sichergestellt wurde. © Norbert Millauer

Jetzt gehen die Ermittler der Meißner Kriminalaußenstelle erneut an die Öffentlichkeit. Es geht vor allem um das Diebesgut, welches bei den überraschenden Durchsuchungen sichergestellt worden ist. Die Polizeidirektion: „Im Rahmen der weiteren Ermittlungen wird auch geprüft werden, ob und inwieweit die Beschuldigten an bisher ungeklärten Diebstählen beteiligt gewesen sind.“ Dabei handelt es sich um Fahrräder wie mehrere Mountainbikes, darunter ein sehr teurer Carbon-Rahmen eines für Downhill-Einsätze genutzten Rades. KAST-Leiter Jürgen Leistner: „Möglicherweise ist das mehrere Tausend Euro teure Rad bereits in Einzelteile zerlegt worden, die einzeln verkauft worden sind.“

Auch ein auffällig mit Holzdekorfolie beklebter Laptop der Marke Medion wurde sichergestellt sowie Kartons mit reihenweise Schlüsseln. Alles Dinge, die aus Einbrüchen stammen. Die Schlüssel haben die Einbrecher vermutlich aus Pflege- oder Reinigungsdiensten mitgehen lassen. Einen Teil der Schlüssel konnten die Polizisten in Puzzlearbeit anhand der Sicherheitsnummern bereits zuordnen.

Teils nutzten Täter auch Fahrzeuge von Pflegediensten, bei denen sie die Schlüssel steckend vorfanden, um damit Diebesgut abzutransportieren. Wer kontrolliert denn schon in Corona-Zeiten nach 22 Uhr - Ausgangssperre - ein Fahrzeug vom Pflegedienst? Besonders interessant an den noch laufenden Ermittlungen ist das mögliche Motiv der Brandstiftung. Offenbar sollten Spuren von weiteren Straftaten vernichtet werden. Die Kriminalisten haben auf eingezogenen Handys Videos gefunden, auf denen die betreffenden Personen mit Waffen Schießübungen veranstalteten.

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Eine Lagerhalle im Ortsteil Sönitz ist im vergangenen August komplett niedergebrannt. Ein Beschuldigter ist in Untersuchungshaft.

Die Kriminalisten in Dresden und Meißen haben bei ihren Ermittlungen offenbar in ein richtiges Wespennest gestochen. Alle Täter sind polizeibekannt für Delikte wie Körperverletzung, Einbruch und Drogenkriminalität. KAST-Chef Leistner: „Das hat uns wochenlang beschäftigt, mit kriminalistischer Kleinstarbeit und vielen Befragungen von Leuten. Die Arbeit lief, wegen des Umfangs, dezernatübergreifend.“Allerdings sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen.

Sichergestellte Schlüssel, die bei den Dieben gefunden worden sind.
Sichergestellte Schlüssel, die bei den Dieben gefunden worden sind. © Norbert Millauer

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