merken
PLUS Radebeul

Bunker unter Schulhof entdeckt

Beim Baggern hinter der Roseggerschule in Radebeul tat sich plötzlich ein Gang auf. Ein Zeitzeuge weiß mehr.

Massiver Beton und Gänge in verschiedene Richtungen, auch mit Hinweisen an den Wänden - so zeigt sich der Bunker unter dem Schulhof.
Massiver Beton und Gänge in verschiedene Richtungen, auch mit Hinweisen an den Wänden - so zeigt sich der Bunker unter dem Schulhof. © Norbert Millauer
Das Baggerloch auf dem Hof der Roseggerschule und die zwei Meter in die Tiefe reichende Leiter.
Das Baggerloch auf dem Hof der Roseggerschule und die zwei Meter in die Tiefe reichende Leiter. © Norbert Millauer

Radebeul. Eigentlich sollte der Schulhofumbau hinter der bereits sanierten Roseggerschule an der Wasastraße in Radebeul-Mitte ganz friedlich über dem Sommer verlaufen. Doch zu Wochenbeginn stießen die Bauarbeiter der Firma Strabag beim Abräumen der alten Gummi- und Asphaltdecke erst auf etwas Hartes und dann auf ein Loch mit Hohlraum darunter.

Bauarbeiter Uwe Lose: „Die Betonspur wurde in einer Richtung immer länger. Das Loch haben wir so groß geschlagen, dass wir reinschauen konnten.“ Mit einer Leiter geht es etwa zwei Meter tiefer. Was sich da unter dem Schulhof zeigt, ist eine in mehrere Richtungen verlaufende Anlage von Gängen. Im Licht eines Baustellenstrahlers zeigt sich, dass am westlichen Ende ein ehemaliger Ein- oder Ausgang mit Ziegeln zugemauert ist. An den Wänden stehen weiß gezeichnete Buchstaben: N. A 1 und N. A 2 - offenbar die Kurzbezeichnungen für Notausgänge.

Anzeige
Erfrischung für jeden Geschmack
Erfrischung für jeden Geschmack

Mit Armaturen der Firma Quooker fließt das Wasser auf Wunsch heiß, kalt, mit Sprudel oder ohne. Im Küchenzentrum Dresden berät man gern dazu.

Teils sind die Gänge mit Bauschutt und Erde verstopft. Ein alter Lederschuh liegt herum. Verrostete Rohre ragen aus den Betonwänden. Die Bauarbeiter vermuten diese als ehemalige Belüftungsrohre für den Bunker und Luftschutzkeller. Andere Rohre am Boden könnten zur Entwässerung gedient haben. Auch einstige Befestigungen für Lichtkabel sind an den Wänden zu entdecken. Geschätzt maximal 100 Menschen könnten hier vor Bombenangriffen Schutz gefunden haben.

Wie lange die Bunkeranlage unter der Erde unberührt schlummerte, lässt sich nur vermuten. Eine Limonadenflasche aus DDR-Zeiten ist auf einem der Bauschuttberge auszumachen. An einer anderen Stelle liegt eine Dose mit der Aufschrift Globetrotter - uralt, oder war nach der Wende hier schon jemand drin?

Hinweisbuchstaben an den Wänden führen zu Notausgängen.
Hinweisbuchstaben an den Wänden führen zu Notausgängen. © Iris Lehmann

Einer, der gleich gegenüber wohnt und die Bauarbeiter mit ihrem Loch entdeckt hat, ist Hans-Günter Lippmann. Er weiß mehr zu der Bunkeranlage: „Ich bin hier ab 1949 in die Roseggerschule gegangen. Meine älteren Geschwister haben mir einiges erzählt. Auch, dass die Jungs aus den Bunkergängen Waffen rausgeholt haben, welche offenbar Leute bei Kriegsende loswerden wollten und einfach dort hineingeworfen hatten.“

Rentner Lippmann erinnert sich ebenfalls daran, dass es ein sogenanntes Luftschutzführerprogramm von 1940 gab. Demnach seien Schulen und Krankenhäuser verpflichtet worden, solche Anlagen wie unter dem Hof der Roseggerschule anzulegen. Zu DDR-Zeiten sei hier einfach drüberasphaltiert worden. Hans-Günter Lippmann: „Immer im Winter, wenn Schnee lag, konnte man den Verlauf der Gänge erkennen. Weil es darin wärmer war als im übrigen Erdreich, schmolz dort der Schnee schneller.“

Ein alter Lederschuh im Bunkergang - stammt der noch aus den Kriegszeiten?
Ein alter Lederschuh im Bunkergang - stammt der noch aus den Kriegszeiten? © Peter Redlich

Auf dem neu zu gestaltenden Schulhof sollen eine 60-Meter-Sprintbahn, die Sandgrube samt Anlaufstrecke für Weitsprung, ein Kleinfeldspielplatz, ein Beachvolleyballfeld, Geräte zum Klettern und Balancieren sowie weitere Möglichkeiten zum Austoben in den Hofpausen wieder flottgemacht oder ganz neu geschaffen werden. Rund 575.000 Euro an Baukosten sind für die Anlage veranschlagt.

Doch jetzt gibt es offenbar ein Problem. Denn nur ganze 20 Zentimeter unter der Oberfläche treffen die Bauarbeiter auf den harten Beton. Hier soll auch noch Drainage rein, so die Bauarbeiter.

Schulleiter Roland Bösel sagt: „Jetzt muss die Baubehörde der Stadt entscheiden, wie damit umgegangen werden soll.“

Interessant, im Radebeuler Stadtarchiv liegen detaillierte Unterlagen zu einem Luftschutzraum im Keller der Roseggerschule. Im Bestand DDR – Rat der Stadt Radebeul 1945-1990 gibt es unter der Signatur DDR 2092 die Akte Grundstück Roseggerschule, Wasastraße 21, 1908-1953. In der Bauakte der Schule gibt es außerdem mehrere Schreiben aus Jahr 1949, in welchen auf den Bunker hingewiesen wird. Diese Schreiben gingen auch an das Grundstücks- und an das Tiefbauamt der Stadt Radebeul. Darin wird beispielsweise empfohlen, die Betonteile aus dem Bunker herauszuholen und eventuell als Fundamente für andere Bauten zu verwenden. Die Gänge müssten nicht gesprengt werden, heißt es im Schriftwechsel mit der Stadt.

Doch der damals angeregte Abriss des Bunkers ist ganz offenbar nie vollzogen worden. Stattdessen wurde nur eine dünne Deckschicht aufgetragen, mit Asphalt und zuletzt auf Teilen des Hofes ein gummierter Belag.

Weiterführende Artikel

Millionenschaden an Schuldächern

Millionenschaden an Schuldächern

In Radebeul und Meißen muss schnell repariert werden, damit das nächste Schuljahr nicht gefährdet wird.

Neuer Pausenhof für Schüler in Radebeul-Mitte

Neuer Pausenhof für Schüler in Radebeul-Mitte

Die Stadt kann mit dem Bau der Außenanlagen beginnen. Der Stadtrat hat den Bauauftrag vergeben.

Von Radebeuls Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos) heißt es dazu mit Antworten aus dem Stadtbauamt: Eine technische Lösung wird derzeit erarbeitet. Und auf die Frage, ob die Stadt als Eigentümer nichts von der Anlage wusste, heißt es: Nein. Diese Altanlage war in den im Stadtbauamt vorliegenden Bestands- und Leitungsplänen nicht ersichtlich. Sie ist zudem bei den erkundenden Bodenuntersuchungen im Vorfeld nicht festgestellt worden.

Die Roseggerschule kurz nach ihrem Bau - von der Baufirma Gebrüder Ziller - 1905. 1907 wurde die Schule erweitert, etwa um die Turnhalle auf der Südseite. Damals gab es den Bunker noch nicht.
Die Roseggerschule kurz nach ihrem Bau - von der Baufirma Gebrüder Ziller - 1905. 1907 wurde die Schule erweitert, etwa um die Turnhalle auf der Südseite. Damals gab es den Bunker noch nicht. © privat

Mehr zum Thema Radebeul