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Caravan-Boom und Gastro-Probleme

Moritzburgs Tourismuschefin Gundula Bleul spricht über verändertes Touristenverhalten und geplante Investitionen.

In der Gemeinde Moritzburg für den Tourismus zuständig: Gundula Bleul.
In der Gemeinde Moritzburg für den Tourismus zuständig: Gundula Bleul. © Peter Redlich
Das Touristenziel der meisten Besucher - Schloss Moritzburg mit seiner Seenlandschaft und dem Park.
Das Touristenziel der meisten Besucher - Schloss Moritzburg mit seiner Seenlandschaft und dem Park. © Arvid Müller

Moritzburg. Das Schloss, das Wildgehege, die umliegenden Wälder und die Campingoase Bad Sonnenland - Moritzburg und seine Umgebung ist ein Paradies zum Erholen und Erleben. Doch der Ausfall an Touristen, die länger bleiben, ist enorm.

Gundula Bleul, Geschäftsführerin der Kulturlandschaft Moritzburg GmbH, sagt, wie die Entwicklung im Auf und Ab verläuft.

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Frau Bleul, wie sind die Zahlen für den Sommer 2021?

Bis Mai war ja bei uns alles geschlossen. Im Juni ging es dann recht schleppend los mit 5.367 Übernachtungen. Im Juli und August waren die Beherbergungsbetriebe hier richtig voll.

Vor Corona hatte Moritzburg rund 78.000 Übernachtungen. Was steht unterm Strich für 2020?

Knapp 60.000 Übernachtungen hatten wir im vorigen Jahr. Zum Jahresende war ja ab November schon wieder alles dicht. Das ist eine Abnahme zu 2019 um fast 30 Prozent. Ankünfte waren es sogar nur knapp 23.000 – das ist eine durchschnittliche Aufenthaltsdauer von 2,3 Tagen.

Für 2020 war das noch überraschend gut. 2021 wird insgesamt sicher schlechter werden – weil das gesamte Frühjahr ausgefallen ist. Ostern und Pfingsten sind für Moritzburg wichtige Touristenzeiten mit Übernachtungen. In diesem Jahr stehen wir aktuell bei minus 53 Prozent zum Vorjahr, und das war ja auch schon nicht gut.

Geht es denn jetzt grundsätzlich wieder aufwärts?

Generell: ja. Im Juli und August waren die Beherbergungsbetriebe richtig voll und mehr Leute bleiben auch etwas länger. Der typische Trend für Deutschlandurlaub, oder Kurzurlaub hier ist zu spüren.

Bad Sonnenland mit den Campern und Wohnmobilen ist für den Tourismus und Moritzburg ein richtiger Bringer. 23.000 Gäste wurden immerhin im Vorjahr noch gezählt. Was wird 2021 mit einem verregneten Sommer bringen?

Es sind bislang gut 14.000 Übernachtungen für Camping und Ferienwohnungen für Juni, Juli und August. Etwa gleich zum Vorjahr. Allerdings hatten wir 2020 noch etwas mehr schon im Frühjahr.

In der Rezeption des Campingplatzes Bad Sonnenland. Mitarbeiterin Fiona Warmuth berät Lisa Schönthier aus Dresden mit ihren Kindern. Etwa ein Drittel der Moritzburg-Übernachtungen bringt Bad Sonnenland.
In der Rezeption des Campingplatzes Bad Sonnenland. Mitarbeiterin Fiona Warmuth berät Lisa Schönthier aus Dresden mit ihren Kindern. Etwa ein Drittel der Moritzburg-Übernachtungen bringt Bad Sonnenland. © Arvid Müller

Gefragt waren immer auch die freien Pachtflächen für Dauercamper. Gibt es noch welche in Bad Sonnenland?

Die sind so gut wie alle vergeben. Zuletzt waren es noch vier freie Flächen.

Kommt der Wohnmobil- und Campingboom hier an?

Diese Entwicklung ist in jedem Fall spürbar. Die Stellplätze für Wohnmobile, auch auf dem normalen Parkplatz in Moritzburg, sind fast immer alle besetzt. Auch sonst stellen sich Wohnmobile mehr als sonst auf, auch an Stellen, wo es eigentlich nicht erlaubt ist.

Auch Camping im Zelt hat wieder zugenommen, vor allem bei jungen Leuten. Leider waren Klassen- und Vereinsfahrten kaum möglich – hier sind Einbußen zu verzeichnen. Dafür sind junge Leute in kleinen Gruppen zum Zelten gekommen.

Sollte in solche Stellplätze weiter investiert werden?

Darüber denken wir auch für Bad Sonnenland nach – vor allem die Qualität muss da verbessert werden. Hier wollen wir in die Bodenbeschaffenheit investieren. Die Plätze müssen auch größer werden, weil die Wohnmobile größer geworden sind. Wir haben insgesamt 140 Touristencampingplätze – für Wohnmobile und Zelte. Zusätzlich zu den Dauercampern. Juli und August waren diese Stellplätze sehr gut gebucht. Mit den jetzt auch notwendigen Abständen kommen wir mitunter an Kapazitätsgrenzen.

Welche Veränderungen mit Corona einhergehend zeichnen sich ab? Was geht jetzt viel schlechter, was gar besser?

Der ganze Tourismus hat sich vielfach nach draußen verlagert. Tagestouristen waren vor Corona viele da und haben uns auch weiterhin besucht. Selbst im Lockdown. Wir bewirtschaften ja auch die Parkplätze und bemerken, dass die Leute dann eben einfach nur spazieren und wandern gegangen sind.

Aus dem Wildgehege heißt es, dass man eine relativ normale Saison verzeichnet. Dort durfte ja ab April geöffnet werden und Besucherzahlen sind eher von der Witterung abhängig.

Im Schloss ging es im Juni verhalten los auch wegen der Zugangsbestimmungen. Da waren die Leute zögerlich. Aber jetzt läuft es richtig gut und das Histopad wird gut angenommen. Sehr gut besucht wurde das Aschenbrödel, das Musical der Landesbühne auf der Schlossterrasse. Auch das Moritzburg Festival hat seine Veranstaltungen nach draußen verlegt. Das kommt beim Publikum sehr gut an.

Was soll baulich in diesem Jahr noch angegangen werden?

Der hintere Teil des Schlossparkplatzes soll aufgewertet werden. Wir nennen das Projekt „Markttreff Moritzburg“. Aktuell sind wir in der Genehmigungsphase – Anfang nächsten Jahres soll das Projekt umgesetzt werden. Die Wohnmobilstellplätze sollen dann verlegt und der Platz neu gestaltet und gepflastert werden. In Bad Sonnenland planen wir, im Herbst 2022 das Sanitärgebäude vollständig zu sanieren. Beide Projekte sind Aufwendungen von je einer halben Million Euro.

Die Idylle auf dem Campingplatz Bad Sonnenland wird zunehmend mehr von Gästen entdeckt.
Die Idylle auf dem Campingplatz Bad Sonnenland wird zunehmend mehr von Gästen entdeckt. © Arvid Müller

Letztes Jahr hatten Sie 1,2 Millionen Euro Umsatz als üblich angegeben und 2020 waren es durch Corona rund 200.000 Euro weniger. Was wird 2021 bringen?

Das wird so ähnlich und vielleicht etwas darunter sein. Das Fisch- und Waldfest mussten wir ja absagen. Ich muss noch anfügen, dass es Riesenprobleme in der Gastronomie mit Personal gibt. Bei so viel Unsicherheit flüchten Mitarbeiter in andere Jobs und merken, dass sie nicht mehr am Wochenende arbeiten müssen. Das zeigt sich jetzt im Sommer schon sehr deutlich. Gastronomie wird sich verändern: Es wird wohl künftig mehr Schließtage geben. Selbstbedienung wird zunehmen. Die Probleme sind hier in der Touristenhochburg Moritzburg angekommen.

Was planen Sie für den Rest des Jahres und 2022?

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Nach dem Ausfall 2021 wird es auch in diesem Jahr kein großes Abfischen mit Zuschauern geben. Zu einer kleinen Ersatzlösung wird beraten.

Für den Herbst hoffen wir noch mal auf viele Individualtouristen und gute Buchungszahlen in den Beherbergungen, für den Winter auf eine erfolgreiche Aschenbrödel-Ausstellung im Schloss und vor allem hoffen wir, dass es keine erneuten Schließungen gibt. Das ist besonders für die Gastronomie wichtig – diese braucht das Gruppen- und das Weihnachtsgeschäft.

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