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Corona drückt die Zahl der Blitzerbescheide

Doch nicht überall wie in Radebeul und Coswig. Meißen legt mit Fotos zu. Großenhain und Riesa haben weniger.

Der für die Stadt Radebeul einträglichste Blitzer ist der neue an der Meißner Straße, kurz vor dem Abzweig Forststraße. Ihn aufzustellen, hatten Bürger und Verkehrsinitiativen gefordert.
Der für die Stadt Radebeul einträglichste Blitzer ist der neue an der Meißner Straße, kurz vor dem Abzweig Forststraße. Ihn aufzustellen, hatten Bürger und Verkehrsinitiativen gefordert. © Norbert Millauer

Radebeul/Meißen/Riesa/Großenhain. Jeder weiß es inzwischen: Radebeul ist im Kreis Meißen die Blitzerhauptstadt. Seit fast zehn Jahren werden hier nicht nur an fünf Standorten von stationären Säulen aus Autofahrer, die zu schnell sind, fotografiert. Auch mobile Blitzerautos sind in Radebeul und auch in Coswig an insgesamt 41 dafür eingemessenen Stellen unterwegs.

Der Landkreis Meißen selbst mit fünf stationären Blitzern und der Polizeiüberwachung mit Kamera ist ebenfalls auf Einnahmen von Rasern erpicht. Und die Städte Großenhain und Riesa haben in den letzten Jahren nachgezogen. Mitarbeiter der Ordnungsämter sind dort auch mobil mit der Kamera in einem Auto unterwegs.

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Dass sich das in den letzten Jahren gelohnt hat, zeigen die sechs- und kurzzeitig auch siebenstelligen Einnahmen der vergangenen Jahre.

Doch wie waren die Zahlen 2020? Wie viele Verkehrssünder und Raser haben Briefe mit Foto bekommen? Corona, mit weniger Fahrten zur Arbeit, weniger Einkaufs- und Freizeitfahrten müsste auch zu deutlich weniger Verkehr geführt haben. Gab es auch weniger Bescheide?

Radebeul: Der gefährlichste Blitzer ist an der Forststraße

In Radebeul gibt es dazu differenzierte Erkenntnisse im Ordnungsamt. Fakt ist, die im Haushalt geplanten Einnahmen von 750.000 Euro sind nicht erreicht worden. 594.000 Euro stehen zu Buche, sagt Ingolf Zill, Sachgebietsleiter Verkehr im Ordnungsamt. Die meisten Autofahrer hat es am neuen Blitzer an der Meißner Straße, nahe der Forststraße erwischt - 9.121 Mal, mit Einnahmen von 274.000 Euro. Das neue, erstmals im Jahr 2020 scharf geschaltete Gerät bringt damit alleine beinahe mehr ein als die beiden bisherigen Spitzenreiter an der Waldstraße im Osten Radebeuls. Dort sind es stadtauswärts 4.547 und stadteinwärts 4.757 geschossene Fotos.

Der Vergleich zum Vorjahr: Beide hatten zusammen 14.522 Schnellfahrer erwischt. Zill: „Das ist eindeutig der geringere Verkehr. Von der Autobahn kommen viel weniger Fahrzeuge nach Radebeul rein. Die Verkehrsaufsicht sieht allerdings auch insgesamt abnehmende Blitzerzahlen, nicht nur wegen Corona. Die Radebeuler und die regelmäßig Durchfahrenden kennen inzwischen alle Stellen. Von insgesamt 31.265 (2019) ging die Zahl auf 29.5516 (2020) zurück.

Das zeigt sich auch an den anderen Standorten der grauen Säulen. An der Wilhelm-Eichler-Straße gab es voriges Jahr lediglich noch ein Drittel der vorher fast 3.000 Geblitzten, vor Wackerbarth auf der Meißner Straße hat sich die Zahl auf 2.627 fast halbiert.

Coswig: Die Stadt nimmt mehr ein, weil mehr geblitzt wird

Lediglich in Coswig, wo das Ordnungsamt Radebeul im Auftrag der Stadt Coswig mit einem mobilen Blitzer aus einem Skoda Roomster unterwegs ist, haben sich die Zahlen sogar erhöht - von 4.339 Bescheiden 2019 auf 5.009 im vorigen Jahr. Auch die Einnahmen für die Stadt Coswig sind wieder gestiegen, von 92.000 Euro auf 104.000 Euro.

Ingolf Zill: „Die Annahme, dass sich im gleichen Maße die Zahl der Geblitzten verringert, wie der Verkehr abgenommen hat, trifft nicht zu.“ Leerere Straße würden offenbar manchen zum schnelleren Fahren verleiten. Jedoch zumeist nicht im drastischen Maße. Von 29.516 Bescheiden gingen 28.391 mit Verwarngeld zwischen 15 und 25 Euro ab. Lediglich 1.125 Fahrer bekamen einen Bußgeldbescheid ab 60 Euro.

Den Radebeuler Ausreißer gab es an der Meißner Straße, Forststraße mit 107 km/h bei erlaubten 50 km/h. Auch bei Wackerbarth wurden einige mit um die 100 km/h geblitzt.

Doch während sich das sich im Nachhinein als Kripo-Autos auf der Verfolgungsjagd herausstellte, musste der 107er ordentlich büßen: Das Bußgeld für die 107 km/h beträgt 280 Euro. Hinzukommen 38,50 Euro Gebühren und Auslagen. Dazu gibt es zwei Monate Fahrverbot und zwei Punkte, so die Verkehrsbehörde von Radebeul.

Meißen: Weniger Autos im Schottenbergtunnel erwischt

Eine Besonderheit gibt es in Meißen. Während dort die Zahl der Bescheide der im Schottenbergtunnel geblitzten Autofahrer von 8.982 (2019) auf 8.228 (2020) zurückging, haben die Blitzerfotos mit dem mobilen Blitzer zugenommen: von 4.359 auf 6.743. Pressesprecherin Gerda Kegler erklärt das allerdings damit, dass die tragbare Blitzerkamera erst im Verlauf des Jahres 2019 angeschafft worden ist.

Das Weniger im Tunnel ergebe sich aus der geringeren Zahl der Durchfahrten im Schottenbergtunnel. Dennoch: Über alles gerechnet haben die Einnahmen der Stadt von 2019 auf 2020 zugenommen. 263.631 Euro waren es am Jahresende 2019. Jetzt stehen 344.425 Euro zu Buche.

Großenhain: Seit Frühjahr 2020blitzt die Stadt selbst

In Großenhain wurden im Jahr 2020 insgesamt 3.362 Geschwindigkeitsüberschreitungen geahndet, informiert Pressesprecherin Diana Schulze. Die Gesamteinnahmen im Jahr 2020 beliefen sich auf 85.222,73 Euro, im Vergleich zu 110.438,46 Euro im Jahr 2019.

Insgesamt wurden 4.709 Geschwindigkeitsüberschreitungen gemessen.

Diana Schulze: „Das Jahr 2020 ist nur bedingt repräsentativ. Neben den Auswirkungen der Corona-Pandemie und der Lockdowns spielt dabei auch die Umstellung der städtischen Messtechnik eine Rolle, die von Januar bis Ende März nicht zur Verfügung stand.“ Die Stadt hatte den Anbieter gewechselt und blitzt jetzt selbst mit eigenem Auto.

Riesa: Weniger Bescheide, fast gleich hohe Einnahmen

Uwe Päsler, Pressesprecher der Stadt Riesa, nennt für 2020 insgesamt 3.926 Bescheide, wobei nur 392 Fälle in den Bereich eines Bußgeldes fallen, was ab 60 Euro sind. Alle Fälle zusammen ergeben einen Betrag von 95.665 Euro, so der Stadtsprecher. Zu 2019 haben sich die Einnahmen nur unwesentlich verändert: insgesamt 4.597 Fälle mit einem Sollbetrag von 95.489 Euro, davon 309 Bußgelder, waren es 2019.

Maßgeblich für die Minderung bei den Fällen ist zum einen das fehlende dritte Quartal. Der Vertrag mit dem bisherigen Dienstleister lief bis 30. Juni. Die von der Stadt neu angeschaffte Anlage ist erst ab Oktober im Einsatz, so Uwe Päsler. Offenbar waren die Autofahrer aber etwas zügiger unterwegs, denn die Gelder sind bei 15 Prozent weniger Übertretungen dennoch gleich hoch.

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Der Landkreis Meißen selbst hat neun stationäre Geschwindigkeitsmessanlagen, von denen im Jahresdurchschnitt sechs aktiv waren, informiert Sprecherin Anja Schmiedgen-Pietsch. Waren es 2019 noch 62.335 verschickte Bescheide, so stehen für 2020 noch 46.714 in den Büchern der Ordnungsbehörde. Auch die Einnahmen daraus sind von 1,538 Millionen Euro auf 1,209 Millionen Euro gesunken. Als Grund nennt die Sprecherin geringeres Verkehrsaufkommen.

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