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Corona: Frühreha auf der Intensivstation

Schon vor der Virus-Krise ist im Fachkrankenhaus Coswig überlegt worden, wie eine Versorgungslücke geschlossen werden kann.

Der Chefarzt des Coswiger Fachkrankenhauses, Dirk Koschel, und die Oberärztin Ina Schindler im Gespräch mit Udo Dietze. Als der 63-jährige Coronakranke ankam, konnte er sich nicht bewegen. Dank der in Coswig praktizierten Frührehabilitation hatte er n
Der Chefarzt des Coswiger Fachkrankenhauses, Dirk Koschel, und die Oberärztin Ina Schindler im Gespräch mit Udo Dietze. Als der 63-jährige Coronakranke ankam, konnte er sich nicht bewegen. Dank der in Coswig praktizierten Frührehabilitation hatte er n © Arvid Müller

Als ich herkam, konnte ich mich nicht bewegen“, erzählt Udo Dietze. Der 63-Jährige und seine Frau arbeiten seit dreieinhalb Jahren in der indischen Hauptstadt Neu-Dehli. „Wir haben uns dort im vergangenen Dezember Corona eingefangen.“

Es habe auf der Kippe gestanden, aber die indischen Kollegen hätten sehr gute Arbeit geleistet, so dass Udo Dietze transportfähig gewesen und nach Deutschland ausgeflogen worden sei, erklärt Prof. Dr. Dirk Koschel, Chefarzt im Coswiger Fachkrankenhaus, in das der Patient eingeliefert worden ist. „Nach vierzehn Tagen konnte ich aufstehen und mich bewegen, es ging deutlich voran, jeden Tag“, berichtet Udo Dietze weiter. Und: „Ich bin jeden Tag zwanzig Kilometer Fahrrad gefahren - das war harte Arbeit.“

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Udo Dietze ist ein Beispiel für eine neue Abteilung am Fachkrankrankenhaus Coswig, der Spezialklinik für Lungenkrankheiten, die Chefarzt Dirk Koschel unter dem Stichwort Frührehabilitation zusammenfasst. „Seit gut zwei Jahren sind wir mit der Uniklinik in Dresden zum ostdeutschen Lungenzentrum zusammengeschlossen.“ Und gemeinsam mit der Uniklinik wird das Thema Frührehabilitation verfolgt.

Dass damit auf ein Problem reagiert worden ist, dass es auch schon vor Corona gab, erklärt Professor Koschel so: „Wir haben einen schwer kranken Patienten, den wir schon gebessert haben, aber er ist noch zu schwach, um in eine Rehaklinik verlegt zu werden. Da gibt es quasi eine Versorgungslücke. Aus diesem Konflikt heraus kam uns die Idee, eine Frührehabilitation zu etablieren.“

Der Ansatz dabei ist, dass die Patienten während der Akutversorgung, teilweise schon auf der Intensivstation, rehabilitiert werden. Das heißt, dass sie neben der medizinischen Versorgung mobilisiert werden, dass sie wieder eigene Aktivitäten entwickeln, beginnen, sich wieder selbst zu versorgen. Das kann mit ganz einfachen Dingen beginnen, etwa mit der Körperpflege. Die Mindestzeit für eine Frührehabilitation beträgt in der Regel zwei Wochen.

Die meisten Voraussetzungen für die neue Abteilung waren im Fachkrankenhaus Coswig bereits gegeben: „Wir haben eine exzellente Physiotherapie-Abteilung, wir haben Logopäden, Ergotherapeuten und Psychologen und wir haben natürlich das Know-how des Fachkrankenhauses als Spezialklinik für Lungenkrankheiten selbst. Um eine pneumologische Frührehabilitation einzurichten, fehlte uns nur noch eine in Rehabilitation erfahrene Lungenfachärztin“, so Dirk Koschel.

Die wurde mit Ina Schindler gefunden. Die Oberärztin beschreibt, wie eine Frührehabilitation konkret vonstattengeht. „Wenn ein Patient auf der Intensivstation liegt, muss man sich das so vorstellen, dass die Muskeln abbauen, die Kondition nachlässt, zusätzlich haben diese Patienten oft noch Luftnot, die wichtige Fingerbeweglichkeit lässt nach - das ist ein komplexes Geschehen. Nicht unterschätzen darf man zudem die psychische Komponente bei solch traumatischen Ereignissen. Deshalb verfolgt unsere Frührehabilitation ein multimodales Konzept. Das heißt, dass mehrere Therapeuten mit den Patienten arbeiten.“

So, wie das Projekt der Frührehabilitation vor Corona entstanden ist, so wird es auch nicht mit der Corona-Pandemie enden. Vielmehr setzt es an einer objektiven Entwicklung an, die unabhängig davon verläuft: „Es werden immer mehr Patienten in immer höherem Alter mit immer komplexeren Erkrankungen erfolgreich operiert. Aber dann haben sie das Problem, von einem Beatmungsgerät nicht mehr wegzukommen“, sagt Chefarzt Prof. Dr. Dirk Koschel. „Wir führen eine sogenannte Beatmungsentwöhnung durch.“

Mittlerweile werden immer häufiger Patienten von den Intensivstationen anderer Krankenhäuser nach Coswig überstellt, weil sich die Frührehabilitation herumgesprochen hat. Dabei sind Professor Koschel die Grenzen ärztlichen Handels bewusst, was die Gesundung betrifft: „Nicht das Alter eines Patienten ist das Entscheidende, sondern sein Wille.“

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