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Coswig tritt auf der Stelle

Die Stadt verbessert sich beim Test des Fahrradklimas nicht im Vergleich zu 2018, obwohl mehr für Radfahrer getan worden ist.

Schutzstreifen für Radfahrer, wie hier an der Moritzburger Straße, sind eine vergleichsweise schnell umsetzbare und preiswerte Alternative zu separaten Radwegen, für die in Coswig meist schlicht der Platz fehlt.
Schutzstreifen für Radfahrer, wie hier an der Moritzburger Straße, sind eine vergleichsweise schnell umsetzbare und preiswerte Alternative zu separaten Radwegen, für die in Coswig meist schlicht der Platz fehlt. © Arvid Müller

Als sich Coswiger Bürger 2018 erstmals am Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) beteiligten, gaben sie ihrer Stadt die Schulnote 3,56. Nur zwei Städte in der Kategorie zwischen 20.000 und 50.000 Einwohner waren in Sachsen besser. Nun, zwei Jahre später, liegen die Ergebnisse für 2020 vor. Die Note hat sich leicht auf 3,8 verschlechtert, Coswig liegt nun auf Platz sieben der 19 vergleichbaren Städte in Sachsen.

Für Radfahrer besonders wichtig ist das Sicherheitsgefühl. Da kommt Coswig auf eine Note von 4,2, der Durchschnitt der Ortsklassengröße liegt bei 4,1. Noch schlechter - nämlich mit 4,8 - wird die Frage beantwortet, ob die Radwege breit genug sind. Der zuständige Leiter des Coswiger Ordnungsamtes, Olaf Lier, sieht das Hauptproblem nicht darin, etwas für die Radfahrer zu tun, sondern in den beengten Straßenverhältnissen in der Stadt.

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Nachdem man in den 1990er-Jahren noch den Ansatz verfolgte, dass sich Radfahrer und Fußgänger die Fußwege teilen sollten, sei man inzwischen davon abgekommen, weil die Nutzungskonflikte zu groß sind. Vonseiten der Radfahrer wurde der Wunsch ausgesprochen, auf der Straße fahren zu können. Dort ist in aller Regel aber kein Platz für separate Fahrradspuren. Deshalb sind in Coswig sogenannte Angebots- bzw. Schutzstreifen angebracht worden. Sie sind auf die Fahrbahn als gestrichelte große Linien aufgetragen.

Sowohl in Brockwitz als auch auf der Moritzburger Straße sind solche Streifen aufgetragen worden. Und als jüngstes Beispiel nennt Olaf Lier die sanierte Industriestraße. Durch die gestrichelten Linien würde sich der Straßenquerschnitt optisch verkleinern, erklärt der Amtschef. Das habe bei den Autofahrern zur Folge, dass sie automatisch langsamer fahren würden. Obwohl Auto- und Radfahrer quasi die Straße teilen müssten, sei die Zahl der Unfälle sogar gesunken.

Dass das Thema Radverkehr in Coswig von Interesse ist, zeigt sich auch daran, dass 2018 genau 61 Bürger an der Befragung teilgenommen hatten, 2020 waren es schon 76. Als besonders positiv bewerteten sie die Erreichbarkeit des Stadtzentrums mit der Note 2,4, auch zügiges Radfahren wurde positiv mit der Note 2,7 bewertet, ebenso die Möglichkeit der Fahrradmitnahme im öffentlichen Nahverkehr mit 3,1.

Neben den Schutzstreifen und dem neuen Belag auf der Industriestraße ist die Übergabe des vorläufigen Radweges an der S 80/81 ein Plus für die Radfahrer. In nur zwei Jahren Planungs- und Bauzeit ist vom Forsthaus Kreyern über den Auer bis nach Dippelsdorf ein neues und sicheres Wegeangebot entstanden. „Der Wunsch nach diesem schnellen Handeln ergab sich insbesondere aus dem tragischen Unfall eines Radfahrers auf der S 81 bei Dippelsdorf im November 2018.“

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Und wie geht es weiter in Sachen Fahrradverkehr in Coswig? Olaf Lier verweist auf den Ausbau der Weinböhlaer Straße zwischen Kreuzung Auerstraße und Kreisverkehr. Hier baut das Landesamt für Straßenverkehr die Straße grundhaft aus, die Stadt ist für die Fußwege zuständig. Die Fahrbahn soll auf acht Meter verbreitert werden, sodass beidseitige Schutzstreifen für Radfahrer angeordnet werden können. Baubeginn ist für dieses Jahr geplant. Im Jahr 2022 soll dann der Bau der Eisenbahnbrücke An der Schiffsmühle beginnen. Auch hier soll es einen Schutzstreifen geben. Dadurch würde sich der Weg für Radfahrer von Kötitz oder Naundorf zur Meißner bzw. Dresdner Straße um zwei Kilometer verkürzen.

www.fahrradklima-test.de

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