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Coswiger Industrie-Geschichte(n)

Der Großteil der Gebäude des ehemaligen Cowaplast-Betriebes ist abgerissen - früher arbeiteten hier einmal 1.000 Menschen.

Der einstige Geschäftsführer von Cowaplast bzw. Technische Leiter von Elbtal Plastics, Andreas Reichelt, vorm Werkstor.
Der einstige Geschäftsführer von Cowaplast bzw. Technische Leiter von Elbtal Plastics, Andreas Reichelt, vorm Werkstor. © Arvid Müller

Auf der Karte, die im Stadtrat präsentiert wurde, ist links vom alten Werkseingang des ehemaligen Cowaplast-Geländes ein großes gelbes Viereck eingezeichnet. RRB steht darin, das heißt Regenrückhaltebecken. Hier soll künftig das Wasser des neuen Gewerbegebietes Grenzstraße, das von den Dächern der Hallen und den versiegelten Bodenflächen kommt, zurückgehalten und kontrolliert abführt werden, weil es nicht normal versickern kann.

Das Gelände sei aber vorher nie ein Regenrückhaltebecken gewesen, sagt Andreas Reichelt. „Die Senke links vom Haupteingang war zu Cowaplast-Zeiten ein Kleinfeldsportplatz und Spielfläche der Kinder des Betriebskindergartens. Vor 1900 war sie eine Lehmgrube einer Ziegelei mit Brennöfen im jetzigen Verwaltungsgebäude der Elbtal Plastics GmbH & Co KG.“

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Andreas Reichelt ist Cowaplast seit 1964 verbunden gewesen. Zunächst hat er bis 1968 Kunstlederfacharbeiter gelernt und anschließend an der Technischen Hochschule Karl-Marx-Stadt Technologie der Plaste- und Elasteverarbeitung studiert. Ab 1972 war er dann beim VEB Cowaplast Assistent der Geschäftsleitung und ab 1976 Produktionsleiter bis 1990. Er zeigt auf die leere Fläche vor dem alten Kesselhaus mit den Hochbunkern für die Kohle und dem noch stehenden Schornstein. Hier habe die Produktionshalle gestanden, erzählt er. „Wir haben in Spitzenzeiten ab Mitte der 1980er-Jahre rund 8.000 Tonnen Folien hergestellt und 1,7 Millionen Quadratmeter Kunstleder.“ Zur Einordnung: Das entspricht genau der Fläche der Insel Helgoland.

Sieht man das abgeräumte Werksgelände, kann man sich kaum vorstellen, dass im volkseigenen Betrieb Cowaplast einmal 1.000 Menschen gearbeitet haben. Übrig geblieben sind kleinere Firmen, die größte ist die erwähnte Elbtal Plastics. Am Tor ihres Verwaltungsgebäudes hängt ein Banner: „Produktion seit über 120 Jahren in Coswig. Der Spezialist für Schwimmbadfolien weltweit. Export in 56 Länder auf fünf Kontinenten. Ein Team mit mehr als 90 Mitarbeitern.“

Zum Unternehmen gehört ein kleines Regenrückhaltebecken mit einer Betoneinfassung. „Früher war das ein öffentliches Bad, hier hat in den 1960er-Jahren die Kötitzer Schule ihren Schwimmunterricht gemacht“, erklärt Andreas Reichelt. Er weiß auch, dass sich unter dem langgestreckten Gebäude am alten Haupteingang, in dem heute die Viola Folienverarbeitung GmbH arbeitet, einst das Werksarchiv befunden hat und bis heute ein alter Luftschutzbunker. Wenn der alte Kleinfeldsportplatz ein Regenrückhaltebecken werden sollte, müsste beides durch eine Mauer vor dem Wasser geschützt werden, erklärt er. „Die Gegebenheiten vor Ort sind uns bekannt“, so der Leiter der Coswiger Wirtschaftsförderung Osman Nasr. Auf die Frage, ob das einstige Wirtschaftsgebäude neben dem Schornstein, in dem sich früher die Werksküche, die Kantine und ein Saal befanden, nicht erhalten und weiter genutzt werden könnten, erklärte er, dass ein Erhalt nicht geplant ist.

Mit der Wende 1990 übernahm Andreas Reichelt die Leitung des VEB Cowaplast. „Ich hatte die ganze Privatisierung am Hals.“ Bis 1997 war er Geschäftsführer der Cowaplast Coswig GmbH, danach war er bis zur Rente Technischer Leiter der Elbtal Folien GmbH bzw. der Elbtal Plastics GmbH & Co. KG.

Was den VEB Cowaplast betrifft, so ist auf der Internet-Plattform Historisches Coswig zu lesen, dass der Betrieb ein großes Exportgeschäft hatte. „So gingen Folien, Kunstleder und Fußbodenbeläge in viele Länder, vor allem nach Skandinavien“, und in Meißen gab es im HO-Kaufhaus einen eigenen Verkaufsstand mit Waren aus seiner Produktion.

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